Test Akiba's Beat: Leider nur eine (Ent-)Täuschung

von Daniel Kirschey (19. Mai 2017)

Kein Geld, um wirklich nach Japan zu fliegen? Dafür bietet Acquire Abhilfe. Mit Akiba's Beat kreiert der Entwickler ein typisches japanisches Rollenspiel, das direkt im nerdigen Tokyoer Stadtteil Akihabara spielt.

Damit habe ich nicht gerechnet. Schaut euch das obige Bild an. Sieht doch richtig gut aus. Doch sobald die eigentliche Grafik des Spiels über den Bildschirm flimmert, setzt der Schock ein. Akiba's Beat sieht noch lieb- und detailloser als das ältere Akiba's Trip - Undead & Undressed aus.

Das "PlayStation 4"- und "PS Vita"-Spiel bietet Grafik, die aussieht wie aus der PS2-Zeit. An der "PS Vita"-Version kann es auch nicht liegen. Da gibt es auch genügend Spiele, die besser aussehen.

In Ordnung, schieben wir mal den Schock bezüglich der Grafik beiseite und gehen ein wenig mehr ins Detail. Akiba's Trip ist ein Rollenspiel; mit Level-Aufstiegen, Waffen, Verliesen, Heilgegenständen und allem anderen. Die Besonderheit: Es spielt nicht in einer Fantasy- oder "Science Fiction"-Welt.

Ladebildschirmorgie

Akiba ist nicht nur ein männlicher Vorname, sondern auch die Abkürzung für Akihabara. Schon der Titel des Spiels verrät also den Handlungsort. Akihabara ist ein Stadteil der japanischen Hauptstadt Tokio, vor allem für seine Nerd- und Otaku-Kultur bekannt. Während ihr in Akiba's Trip noch Quasi-Vampire verdreschen und ausziehen musstet (damit das Sonnenlicht ihnen den Rest gibt), bekämpft ihr in Akiba's Beat Täuschungen.

Überall in Akiba findet ihr Täuschungen, die als Verliese herhalten.Überall in Akiba findet ihr Täuschungen, die als Verliese herhalten.

Diese sogenannten Delusionscapes, die Verliese des Spiels, findet ihr überall in Akiba. Wie ihr an diesem Kunstwort erkennt: Es gibt keine deutsche Lokalisierung. Ihr könnt nur zwischen englischen und japanischen Texten und Stimmen wählen. Für eine deutsche Übersetzung hat wohl einfach nicht das Budget gereicht. Das ist überhaupt ein Gedanke, der einen beim Zocken dauernd durch den Kopf schießt.

Während in Akiba's Trip noch Figuren durch die doch recht detaillierte Stadt stapfen, ist Akihabara in Akiba's Beat reine Kulisse. Überall stehen farbige Figuren ohne Texturen herum. Gebäude könnt ihr nicht betreten. Alle paar Meter seht ihr einen Ladebildschirm. Wer gehofft hat, dass Akiba's Beat ähnlich wie Yakuza Zero eine halbwegs offene Welt bietet: Nein!

Denn die Welt ist in winzige Abschnitte unterteilt und die, wechselt ihr in den nächsten Bereich, wollen geladen werden. Zwar hat Acquire daran gedacht, Verkehr auf den Straßen zu simulieren, wollt ihr aber über einen Zebrastreifen, drückt ihr schlicht einen Knopf und landet nach einem kurzen schwarzen Bildschirm auf der anderen Seite. Dass die Autos anhalten und euch rüber lassen - ja, das war wohl einfach nicht mehr im Budget drin. Es ist eine wahre Ladebildschirmorgie.

So ist es nicht verwunderlich, dass Akiba's Beat als jüngeres Spiel trotzdem in fast allen Belangen unschöner, detailloser und leerer als das ältere Akiba's Trip erscheint. Positiv fallen die Delusionscapes auf, die stilistisch angenehmer zu erkunden sind. Hier schnetzelt ihr euch dann durch Gegnerhorden; und zwar in bester "Tales of"-Manier.

Gut geklaut ist halb gewonnen

Statt auf ein originelles Kampfsystem zu setzen, bietet Acquire einfach das der "Tales of"-Spiele an. Das ist auf der einen Seite faul, auf der anderen Seite ist es positiv: Es ist ein bekanntes und beliebtes System.

Bunt aber recht detaillos ist die Welt von Akiba's Beat.Bunt aber recht detaillos ist die Welt von Akiba's Beat.

Der Unterschied zum großen Vorbild: Im Takt zur Musik haut ihr zu, um euren Schaden zu steigern. Das macht durchaus Laune. Gerade dann, wenn ihr ebenfalls mehrere Charaktere steuert und so die Dynamik des Kampfes beeinflusst.

Während das Kampfsystem aus den "Tales of"-Spielen stammt, erinnert der Schauplatz der Handlung und dessen Aufmachung irgendwie an Persona 5. Lediglich nicht so gut umgesetzt.

Der Ausgangspunkt der Handlung ist schnell erzählt: Die Spielfigur kann sogenannte Delusions aufspüren, vernichten und ist deshalb "auserwählt". Das Problem: Nachdem die erste Täuschung verschwindet, wiederholt sich der Tag - wie im Film "Und täglich grüßt das Murmeltier". Auch wenn dies wiederum entlehnt ist, weckt es doch genügend Interesse, wie sich die Figuren im Laufe des gleichen Tages verhalten. Dabei dürft ihr nicht auf toll inszenierte Zwischensequenzen hoffen. Alles läuft über Textboxen ab. Da hat - ihr ahnt es schon - das Budget wohl nicht mehr gereicht.

Meinung von Daniel Kirschey

Ich bin enttäuscht. Zwar bin ich nicht DER "Akiba's Trip"-Fan, aber ich mag Acquire als Entwickler. Sie hatten nie viel Budget und haben keine Spiele erschaffen, die besonders gut bei Kritikern oder Spielern weggekommen sind. Sie hatten aber immer etwas Eigenes, etwas, was ich bei anderen Spielen so noch nicht gesehen habe.

Acquire hat beispielsweise die Tenchu- und "Way of the Samurai"-Reihe erschaffen. Beides Serien, die teils nicht zu den absoluten Höhepunkten zählen, aber eine beachtliche Menge an Fans erreicht haben. Ähnlich hat dies auch Akiba's Trip geschafft. Hoffentlich verspielt der Entwickler mit Akiba's Beat nicht genau das Wohlwollen dieser Fans. Akiba's Beat ist kein gutes Spiel. Zum Glück ist es aber auch nicht - salopp gesagt - der letzte Rotz. Das liegt auch daran, dass sich das Spiel zum Glück nicht bierernst gibt und nimmt.

Ich hatte durchaus meinen Spaß beim Spielen, musste aber immer wieder mehr als nur ein Auge zudrücken. Wahrscheinlich kann dies aber - verständlicherweise - nicht jeder.

69

meint: Schlechte Grafik und der leblose und detaillose Schauplatz kosten Stimmung und Nerven. Kampfsystem und Handlung holen das Mögliche noch heraus.

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Tags: Singleplayer  

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