3 Dinge, die ich von Max Payne gelernt habe

von Amir Forsati (09. Juni 2017)

16 Jahre ist es nun her, als mir 2001 als junger Bursche überraschend eine Spiele-Hülle in die Hand gedrückt wurde. Ich befand mich zu jener Zeit in einer kritischen Prüfungsphase und hatte alles andere als mein geliebtes Hobby im Kopf. Eigentlich gedachte ich standhaft zu bleiben und versuchte meinem Nerd-Freund des Vertrauens das Spiel wieder zurückzugeben. Er beharrte jedoch darauf, dass ich dieses Spiel unter allen Umständen so bald wie möglich zocken müsse. Angeblich hätte ich in meinem Leben noch nie zuvor auch nur im Ansatz sowas gesehen - geschweige denn gespielt.

Von Videospielen lernen. Das ist so eine Sache. Freilich soll das Medium in erster Linie unterhalten und nicht lehren. Dennoch kann es vorkommen, dass man aus einem guten Spiel - und auf ganz andere Art und Weise auch aus einem schlechten Spiel - etwas mitnimmt. Dass man etwas über sich selbst lernt, etwas fürs Leben lernt, oder auch einfach nur unnützes Wissen anhäuft, das man dann nie wieder aus dem Hirn bekommt. In dieser Reihe wollen wir euch von unseren Erfahrungen berichten, die wir während des Spielens gemacht haben. Von lebensverändernden Weisheiten bis zu erspieltem Blödsinn kann alles dabei sein.

Mein Kumpane, der eigentlich immer eher kritisch als überschwänglich war, machte mich stutzig. Noch nie zuvor erlebte ich ihn so aufgebracht und enthusiastisch. Ich betrachtete daraufhin das Cover, auf der die schwarz-weiße Silhouette eines Mannes vor einer Backsteinwand zu sehen ist. Davor hängt ein gelbes Absperrband, auf welchem ich "A man with nothing to lose - Do not cross" (Ein Mann, der nichts zu verlieren hat. Nicht überqueren) las. Über der Silhouette stehen drei kurze Sätze: "New York. Fugitive Undercover Cop. Nothing to Loose" (New York. Flüchtiger Undercover-Cop. Nichts zu verlieren). Meine Augen wanderten dann zum unteren Ende des Bildes. Die roten Blockbuchstaben des Titels brannten sich sogleich in mein Hirn ein. Beinahe schon ehrfürchtig flüsterte ich dann: Max Payne

Noch nie zuvor schaffte es ein Spiel, mich allein mit dem Cover so zu überwältigen, dass ich den restlichen Tag an nichts Anderes mehr denken konnte. Zuhause angekommen, legte ich sofort meine Lernsachen zur Seite, installierte das Spiel und erlebte dann im Anschluss eins der besten Spiele aller Zeiten. Doch Max Payne gelang es außerdem auch, mir 3 Dinge beizubringen, die ich nie wieder vergaß.

1. Film Noir

Max Payne war seinerzeit nicht nur hinsichtlich des Gameplays ein überaus innovatives und durchweg unterhaltsames Videospiel. Darüber hinaus handelte es sich für mich gleichzeitig auch um das erste Spiel, welches sich von der Dramaturgie und der Erzählweise deutlich von den üblichen Spielen abhob. Der finnische Entwickler Remedy machte bereits mit dem ersten Trailer klar, dass Max Payne eigentlich ein Film ist, in dem ihr zufällig den Protagonisten steuert.

Dabei handelt es sich bei Max Payne um einen Lobgesang auf das klassische „Film Noir“-Kino der 40er und 50er Jahre. Natürlich bediente sich Remedy auch gekonnt an den gängigen „Film Noir“-Elementen.

Während ich vor Max Payne im Grunde ausschließlich ein Videospiel-Fan war, entfachte das Spiel eine bis heute in mir lodernde Flamme in Bezug auf Filme. Max Payne lehrte mich, wie ein guter Crime-Thriller ausschauen muss - sowohl bezüglich der Erzählung als auch der visuellen und akustischen Umsetzung. Jahre später lernte ich während meines Studiums, was Film Noir bedeutet und musste plötzlich im Vorlesungssaal feststellen: "Wow! Ich kenn' das doch schon alles! Max Payne hat mir (ohne dass ich es bewusst wahrnahm) beigebracht, was Film Noir bedeutet!"

Es ist umwerfend zu sehen, mit welcher Detailliebe Remedy die klassischen Kino-Elemente in Max Payne umsetzte. Die gesamte Handlung spielt dabei ausschließlich in der Nacht. Zu keinem Zeitpunkt erblickt der Spieler auch nur einen Sonnenstrahl, wodurch das gesamte Geschehen gleich viel beklemmender ist. Natürlich darf in einem Film Noir Game auch nicht der obligatorische Regen und der Schnee fehlen. Ich brauchte nur die ersten Sekunden sehen, damit ich die Atmosphäre des Spiels fühlen konnte. Es ist dunkel, nass und eiskalt. Die Stimmung ist grundsätzlich pessimistisch.

Typisch für den Film Noir, spielt Max Payne in einem urbanen Moloch (New York City), welches wie ein Labyrinth wirkt, in dem der Protagonist scheinbar gefangen ist. Bars, Nachtclubs, leere U-Bahnhöfe, heruntergekommene Fabrikhallen und einsame Straßenschluchten sind die üblichen Schauplätze. Der visuelle Stil mit den Kräftigen hell-dunkel-Kontrasten und den auffälligen Schattenbildern zieht sich durch das gesamte Spiel.

Auch hinsichtlich der Erzähltechnik blieb Max Payne durchweg dem „Film Noir“-Stil treu. Das Spiel beginnt mit der eigentlichen End-Szene der Geschichte. Mit einer Stimme aus dem Off erzählt dann Max die Ausweglosigkeit seiner Situation. Unser "Held" nimmt somit bereits zu Beginn des Spiels den fatalen Ausgang der Geschichte vorweg. Es folgt dann ein Zeitsprung, in welchem ihr dann in Rückblenden erfahrt, wie Max an seinem Scheideweg gelangen konnte.

Alles in allem hätte mir niemand besser zeigen können, was Film Noir bedeutet.

Weiter mit: Das sind die Gründe 2 und 3

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Tags: Singleplayer   Drei Dinge gelernt  

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