Lara Croft in Trouble: Vergewaltigungsfantasien via Crowdfunding

von Chiara Bruno (22. Juni 2017)

Videospiel-Heldinnen wie Lara Croft verkörpern ein starkes Frauenbild: intelligent, athletisch und furchtlos. Trotzdem werden diese ihres Aussehens wegen oft sexualisiert. Nun spielt Lara Croft die Hauptrolle in einem Porno - in dem sie tagelang vergewaltigt wird.

In einem Artikel des Magazins Broadly wird über das "Studio FOW" berichtet, das Pornos produziert in denen Videospielheldinnen brutal von Monstern und Männern missbraucht und vergewaltigt werden. Aber wieso sind so viele Menschen von der Vorstellung fasziniert, dass eine eigentlich starke Frau vergewaltigt wird, dass das Unternehmen mittlerweile umgerechnet fast 30.000 Euro im Monat über Crowdfunding verdient?

Der Porno ist billig produziert. Die Angstschreie stammen aus dem originalen Spiel – das Studio konnte sich damals keine Synchronsprecherin leisten. Trotzdem entwickelte sich der Pornofilm Lara in Trouble zu einem Internet-Phänomen. Die Parallelen zum Spiel sind bewusst gewählt und der Film selbst wird als „Lost File“ also verlorene Datei deklariert. Lara trifft auf eine feindliche Männergruppe. Im Spiel würdet ihr dieser entkommen. Sie wird entführt und findet sich, in einen weißen Bikini gekleidet, in einem verlassenen Haus wieder, wo sie ihren Vergewaltigern hilflos ausgeliefert ist. Der Film endet mit dem Satz "A Survivor Is Born." Der Satz stammt aus dem originalen Spiel Tomb Raider.

Nach der Veröffentlichung stößt der Film auf viel Kritik - und erschreckenderweise auch auf Begeisterung. „Gott, das war richtig heiß!“, „Gute Arbeit Jungs, ihr seid toll!“ „Ist zwar Vergewaltigung, ich fand es trotzdem gut.“ heißt es in Kommentaren auf einer Porno-Seite.

Erfolg für das Studio

Lara in Trouble brachte dem Studio enormen Erfolg. Und Geld. Heute besteht Studio FOW aus einem neunköpfigen Team und elf SynchronsprecherInnen. Die aktuellen Filme bedienen sich neuer Techniken und die Frauen sind kaum noch von ihren Vorlagen zu unterscheiden. Beschreibungen wie „Eine ikonische Heldin wird in eine Dämonen-befallene Stadt gestoßen“ zieren die Filme. Mittlerweile ist auch Elisabeth aus Bioshock Teil eines Pornofilms.

Erklärung für die Beliebtheit

Es stellt sich weiterhin die Frage, warum Pornos, in denen Videospielheldinnen vergewaltigt werden, auf eine so große Beliebtheit treffen.

Auf Broadly liefert Wolfgang Kostenwein, der als Sexologe, Sexualpädagoge und Psychologe am österreichischen Institut für Sexualpädagogik und Sexualtherapien tätig ist, einen Erklärungsansatz: "Beispielsweise können Personen, die eine hohe emotionale Beteiligung benötigen, um eine genitale Erregung zu erreichen, über starke affektive Inputs von sexualisierten Gewaltdarstellungen (manchmal sogar ausschließlich) eine sexuelle Erregung wahrnehmen." Eine weitere Erklärung dürfte sein, dass diese Welten fiktiv sind. Bei diesen visuell dargestellten Fantasien von Vergewaltigungen und Gruppensex, kommt kein realer Mensch zu schaden. Hier können also Vorlieben ohne Konsequenzen für andere Menschen ausgelebt werden.

Szene aus "Nier: First [Ass]embly"

Auch bei Frauen sind die Pornos des Studios angeblich sehr beliebt. Einige bringen sich sogar aktiv am Produktionsprozess mit ein. Animationsfilmregisseur „DC“ behauptet, dass dem Studio viel häufiger weibliche Fans als männliche schreiben und Vorschläge und Ideen einbringen.

Ein fahler Beigeschmack

Das Hentai Genre gibt es nicht erst seit gestern. Neu und zusätzlich irritierend ist allerdings der Fakt, dass es Menschen gibt, die so ein Projekt „crowdfunden“. Ein Geschäftsmodell, das ursprünglich dazu gedacht war soziale Projekte, innovative Produkte oder Startups zu unterstützen, für die Finanzierung von Vergewaltigungspornos zu nutzen, ist zumindest ethisch fragwürdig.

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