Vorschau Destiny 2: Closed-Beta auf dem Prüfstand - Vorfreude für Veteranen und Neueinsteiger?

von Michael Krüger (20. Juli 2017)

In nur wenigen Wochen ist es soweit und das Shooter-MMO rund um die letzten Hüter der Menschheit geht in die nächste Runde. Da die geschlossene Beta nun die Türen geöffnet hat, werfen wir einen Blick auf die Neuerungen und liefern euch einen vielseitigen Eindruck.

Natürlich könnten wir euch einfach erzählen, was euch in Destiny 2 erwartet und ob ihr euch darauf freuen solltet. Doch, ob sich die Fortsetzung für euch lohnt, hängt natürlich von eurer Erwartungshaltung ab. Diese dürfte von Fall zu Fall stark variieren. Welche und wie viele Erfahrungen ihr mit Destiny gesammelt habt, ist dabei ein entscheidender Faktor.

Um diesen zu berücksichtigen, bieten wir euch nicht nur eine Meinung zur Beta von Destiny 2 an. Gleich drei Redakteure stürzen sich unabhängig voneinander für euch ins Gefecht und berichten jeweils aus ihrer persönlichen Perspektive von ihren Erfahrungen. Um euch eine möglichst breit gefächerte Darstellung zu bieten, verfügen die Drei über einen unterschiedlichen Kenntnisstand.

Mehr Substanz - Größerer Umfang

Einer der größten Kritikpunkte an Destiny ist zweifelsohne die Handlung mit ihrer losen Erzählung und dem doch arg knappen Umfang. Diesen Fehler will Bungie kein zweites Mal machen und verspricht eine weitreichende Kampagne für Destiny 2. In deren Zentrum steht ein unbarmherziger Kampf gegen neue Feinde: Die rote Legion der Kabale. Ausgangssituation hierfür ist der Fall des Turms, der ehemaligen Heimat der Hüter. Anstatt also wie gewohnt weiterzumachen, fangen die Hüter wieder bei Null an. Ein cleverer Kniff, der nicht nur Spannung verspricht, sondern auch erzählerisch rechtfertigt, warum ihr eure Charaktere aus dem ersten Teil nicht in die Fortsetzung übernehmen könnt.

Wenn es mal mehr Action braucht: Das Feuerschwert zücken.Wenn es mal mehr Action braucht: Das Feuerschwert zücken.

Um die Handlung noch besser in das Spiel zu integrieren, verzichtet Destiny 2 zudem auf den Orbit. So könnt ihr fortan Reiseziele direkt anwählen und vermeidet unnötige Ladezeiten. Viele Missionen sollen dadurch sogar direkt zu Fuß erreichbar sein. Und auch diese Wege versprechen nun deutlich mehr Unterhaltung. Konntet ihr bisher lediglich kleinere Aufgaben unterwegs erledigen, wartet nun ein breit aufgestelltes Angebot an Aktivitäten auf euch. Hierzu zählen auch die neuen Schatzsuchen, die euch oftmals in abgelegene Teile der Karte führen.

Doch nicht nur die zu Beginn verfügbaren Inhalte sind im Vergleich zum ersten Teil zahlreicher. Dem oft gegebenen Versprechen, regelmäßig frischen Content zu liefern, möchte Bungie nun in der Fortsetzung nachkommen. Hier bleibt natürlich abzuwarten, inwiefern sich die Fülle und die Art der Aktualisierungen vom Vorgänger unterscheiden.

Neue Möglichkeiten gemeinsamer Abenteuer

Ein weiterer wesentlicher Aspekt von Destiny wurde ebenfalls grunderneuert. Anstelle von 3vs3- und 6vs6-Gefechten im Schmelztiegel, finden in Destiny 2 einheitlich in allen kompetitiven Mehrspieler-Modi ausschließlich Spiele zwischen Gruppen aus jeweils vier Spielern statt. Und da der Clan-Support nun nicht mehr mithilfe einer externen App bewerktstelligt wird, verwaltet ihr künftig euren Clan direkt im Spiel und seht so auf einen Blick, welche Boni euch das gemeinsame Spiel einbringt.

Dank neuer Sub-Klassen erhalten Warlock, Titan und Jäger neue Fähigkeiten.Dank neuer Sub-Klassen erhalten Warlock, Titan und Jäger neue Fähigkeiten.

Auch für Spieler ohne Zugehörigkeit ändert sich in Destiny 2 so manches. Musstet ihr zuvor ohne eine feste Gruppe auf Raids verzichten, schließt ihr euch nun anderen Spielern an und werdet dank der neuen Funktion Guided Games vorübergehend Teil des jeweiligen Clans. Eben nur für die eine Runde. So habt ihr auch als unerfahrener Spieler die Möglichkeit, alle Inhalte von Destiny 2 zu erleben und lernt möglicherweise von geübten Hütern den einen oder anderen Trick.

Bei so vielen Neuerungen stellt sich natürlich die Frage, inwiefern das ursprüngliche Spielgefühl des ersten Teils auch in Destiny 2 zu finden ist. Doch auch das Empfinden von Neulingen ist spannend. Immerhin steigen mit der Fortsetzung viele Spieler erstmals in die Serie ein. Hier findet ihr nun drei Meinungen aus ganz unterschiedlichen Perspektiven.

Meinung von Daniel Kirschey (Destiny-Veteran)

Etwas über 250 Stunden habe ich mit Destiny verbracht. Und das obwohl ich einige Kritikpunkte am Spiel habe. Trotzdem hat es Bungie geschafft, mich in das Universum rund um die Hüter hinein zu ziehen. Das liegt vor allem an dem genialen Gunplay. Außerdem haben Freunde von mir das Spiel gezockt. Direkt hatte ich eine Gruppe an Destiny-Spielern, mit denen ich Strikes und Raids bestreiten konnte. Hier glänzt Destiny auch am meisten. Strikes und gerade die Raids bestechen durch ausgeklügeltes Leveldesign – ganz im Gegenteil zum Rest des Spiels.

Bumm, bumm, krach, bumm ... Krieg ist laut.Bumm, bumm, krach, bumm ... Krieg ist laut.

Als ich mich also an die Beta von Destiny 2 gesetzt habe, war ich voller Erwartungen, Vorfreude - aber auch Skepsis. Am Ende der Beta stellte sich dann erstaunlicherweise eine Leere ein. Die Erwartungen wurden nicht erfüllt, die Vorfreude hat sich in mildes Interesse gewandelt. Dafür ist auch die Skepsis verflogen. Denn Destiny 2 ist im Grunde Destiny 1.5. Viel hat sich nicht geändert - zumindest in der Beta.

Nun gut, ein paar Kleinigkeiten fallen dann doch ins Auge. So ist nun das Scharfschützengewehr eine tertiäre Waffe und keine sekundäre. Das bedeutet: viel weniger Munition. Eine Änderung, die mir persönlich nicht zusagt. Positiv ist jedoch, dass sich die Spielfigur etwas dynamischer in der Welt bewegt. Statt bei einem Doppelsprung an einer Kante zu kleben, zieht sich nun meine Jägerin an dieser hoch. Auch die Menüführung ist ein und dieselbe. Dafür ist aus der Fähigkeitenliste ein -baum geworden. Das ist aber wohl auch mehr eine kosmetische Änderung. Ein paar Gegnertypen sind ebenfalls neu – die Gegnerrassen sind dafür vollkommen gleich geblieben. Vielleicht kommt da ja noch später eine neue hinzu. Wer weiß das schon.

Im PvP-Modus finde ich jedoch nach wie vor schnelle, spannende und harte Kämpfe. Munition für die schweren Waffen pappt nun aber an der Wand, statt in Kisten zu erscheinen. Die Änderungen zum ersten Teil sind momentan insgesamt eher marginal – mehr Feinschliff als wirkliche Entwicklung. Zum einen bedeutet dies, dass Destiny 2 mir bestimmt wieder viel Spaß bereiten wird. Zum anderen stellt sich jedoch durchaus eine gewisse Sättigung ein. Mal schauen, wie die Reise weitergeht.

Meinung von Markus Rehmann (Destiny-Skeptiker)

Ich bin mit dem ersten Destiny nicht warm geworden, dabei wollte ich es mögen! Immerhin war das Feeling der Waffen ebenso gelungen, wie das Weltendesign. Darum war ich nach der Beta damals noch äußerst guter Dinge. Im fertigen Spiel war dann aber leider schnell die Luft raus: Mir waren die Menüs und die Charakter-, Ausrüstungs- und Entwicklungsmöglichkeiten irgendwie zu umständlich und die (quasi nicht vorhandene) Story dafür nicht Motivation genug, mich damit abzumühen. Nach ein paar Stunden, in denen ich unmotiviert generische Schergen aus der Umwelt pustete, ohne so recht zu wissen, warum eigentlich, habe ich meinen Hüter-Hut dann an den Nagel gehängt.

Die Story-Mission am Anfang der Beta trumpft mit spektakulärer Inszenierung auf. Bitte mehr davon!Die Story-Mission am Anfang der Beta trumpft mit spektakulärer Inszenierung auf. Bitte mehr davon!

Nach einigen Stunden mit der “Destiny 2”-Beta bin ich jetzt leider nicht wesentlich schlauer: Wirklich Leveln ist hier noch nicht möglich, darum kann ich nicht abschätzen, ob die Nutzerführung diesmal intuitiver ist. Die paar Menüs, die enthalten sind, wirken auf mich allerdings genauso verwirrend wie im Vorgänger. Auch der angebotene Strike spielt sich, meiner bescheidenen Meinung nach, exakt wie in Teil eins. Wer Bock auf Ballern und Looten im Teamwork hat, ist hier sicherlich richtig. Ich habe mich aber wieder so ein wenig gefragt: Wo bin ich und warum mache ich das hier eigentlich? Wirklich Stimmung kommt für mich nicht auf, weil die Feindscharen erneut zufällig ins Level geworfen wirken und außer Schusswechsel im Sekundentakt nichts weiter geboten wird.

Da war die am Anfang der Beta pflichtmäßig zu absolvierende Story-Mission schon mehr mein Fall: Sehr schicke Zwischensequenzen und mehr oder weniger spektakuläre Ingame-Events erzählen hier tatsächlich eine Geschichte, die Spannung aufbaut und mir einen Grund zu kämpfen gibt. Auch wirkt das ganze Level, inklusive darin platzierter Feinde, wesentlich gezielter gestaltet und nicht wie die Strike-Abschnitte willkürlich zusammengewürfelt.

Auch wenn das Gezeigte nicht wirklich mit den Highlights aus einem Storyshooter wie Halo oder Call of Duty mithalten kann: Der Vergleich ist unfair. Und sollte Destiny 2 am Ende ausreichend Content dieser Art beinhalten, bin ich diesmal wohl etwas länger dabei und dann vielleicht sogar gewillt, mich mit dem Menüwust auseinanderzusetzen. Ich bin vorsichtig optimistisch.

Meinung von Chiara Bruno (Destiny-Neuling)

Der einzige Shooter, der mich bisher begeistern konnte, war Borderlands. Destiny ist hingegen Neuland für mich. Trotzdem habe ich mich vor allem auf die Multiplayer-Erfahrung gefreut - und ich wurde nicht enttäuscht.

Für mich der beste und spannendste Teil der Beta: Der dreiteilige Kampf gegen den Endgegner.Für mich der beste und spannendste Teil der Beta: Der dreiteilige Kampf gegen den Endgegner.

Insbesondere der Strike gefällt mir sehr, da dieser tatsächlich meinen Adrenalinausstoß in die Höhe trieb.Das Team muss im Verlauf der gesamten Mission zusammenarbeiten. Das wurde schon deutlich, als sich mehrere Kabale auf uns stürzten und plötzlich jeder mit seiner eigenen Rettung beschäftigt war. Der Endgegner, ein riesiger Roboter, der sich teleportieren kann, ständig das Level verändert und uns mit seinen Laser-Attacken und biestigen Helfern richtig einheizte, brachte mich endgültig zum Schwitzen. Bei unserem ersten Anlauf scheiterten wir, bis wir begriffen, wie wichtig Teamarbeit in diesem Spiel ist. Einfaches „auf den Endgegner schießen“ war sinnlos. Nur taktische Rücksprachen führten uns zum Sieg. Wir hielten einander den Rücken frei, meisterten die Herausforderung und freuten uns über die erbeuteten Ausrüstungsgegenstände. Für mich eine sehr schöne Team-Erfahrung, die noch wesentlich dynamischer daherkommt als eben bei Borderlands.

Der in der Beta enthaltene PVP-Modus ist mir allerdings etwas zu hektisch, zumal es als Destiny-Neuling schwer ist, das Waffen- und Skill-Menü zu durchschauen. Insgesamt freue ich mich auf Destiny 2 und werde mich bis zur Veröffentlichung schonmal mit dem ersten Teil ordentlich eingrooven.

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Tags: Singleplayer   Science-Fiction   Koop-Modus   Multiplayer  

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