Über 40 und immer noch Gamer: Mit diesen Vorurteilen solltet ihr rechnen - Ich höre nicht auf!

(Kolumne)

Sagt, was ihr wollt - ich höre nicht auf

Wie es scheint, hat die breite Masse von Nicht-Gamern noch keinerlei Interesse daran, Videospiele als hochwertiges Unterhaltungsmedium oder gar als Kunst wahrzunehmen. Einfacher ist es, das Thema jungen Menschen zuzuordnen. Ähnlich wie Pop-Musik, Comics und Cartoons. Damit schiebt man es auf eine andere Epoche, die man nicht verstehen kann, muss oder will. Dementsprechend sind auch Menschen mittleren bis höheren Alters, die sich immer noch damit auseinandersetzen, mit Skepsis zu betrachten. So mein Eindruck.

Mortal Kombat X: Geht es nach der Meinung einiger Leute, sollte die Altersfreigabe nicht nur "ab 18", sondern auch "bis 25" lauten.Mortal Kombat X: Geht es nach der Meinung einiger Leute, sollte die Altersfreigabe nicht nur "ab 18", sondern auch "bis 25" lauten.

Da sitze ich dann nun an einem Freitagabend, mit meinen 46 Herbsten, neben mir meine Partnerin (42), die mir gerade in Mortal Kombat X die Eingeweide zu Suppe verarbeitet. Daneben nippt mein bester Freund (41) an seinem Gin und wartet darauf, dass er gleich von ihr diverse Waffen in den Leib geschoben bekommt. Ich werde grandios vernichtet, übergebe den Controller und schau kurz aufs Handy, weil der Facebook-Messenger neue Nachrichten anzeigt: Ein Freund (39) fragt mich, ob ich ihm Persona 5 empfehlen kann (ganz nebenbei: Ja, kann ich. Tolles Spiel!). Die Rollenspielgruppe, bestehend aus vier Leuten zwischen 36 und 48 (zwei Frauen, zwei Männer) fragt, wann die nächste Shadowrun-Session stattfinden soll. Auf Facebook bemerke ich, dass eine Freundin (38) ein altes Bild von der gamescom 2016 ausgegraben hat, wo sie als Besucherin war.

Im Hintergrund ertönen saftige Flüche und äußerst fieses Gelächter, verursacht von den beiden Menschen in meinem unmittelbaren Umfeld, die mir am wichtigsten sind. Ich denke an meine Mutter, die sich nach einer komplizierten Augenkrankheit auf Anraten des Arztes im Alter von 62 eine PS3 besorgt hat, um ihre Farberkennung und Hand-Auge-Koordination zu trainieren. Jetzt ist sie 70 und spielt Killzone - Shadow Fall auf der PS4, weil sie Gefallen an Videospielen gefunden hat. Was sagt mir das alles?

Beschuss aus den eigenen Reihen: Ich zum Kollegen: "Kannst du mir bitte ein Bild von einem alten Mann mit Controller suchen?" Er (innerhalb von SEKUNDEN!!!): "Klar. Hier!" Miststück ...Beschuss aus den eigenen Reihen: Ich zum Kollegen: "Kannst du mir bitte ein Bild von einem alten Mann mit Controller suchen?" Er (innerhalb von SEKUNDEN!!!): "Klar. Hier!" Miststück ...

Nun, keiner von uns ist ein Frühlingsküken. Wir sind alle erwachsen geworden, haben uns vielleicht schon mit unserer Endlichkeit auseinandergesetzt, sind reifer geworden, sehen aber nichts Verwerfliches daran, uns mit dem Medium Videospiele zu befassen. Warum auch? Wir sind damit groß geworden, waren von Anfang an dabei. Nirgendwo steht geschrieben, dass diese Form der Unterhaltung anderen, "wichtigeren" Themen weichen muss. Und ganz wichtig: Wir sind nicht mehr jung, haben diesen leidenschaftlichen Teil unseres Lebens aber nicht altern lassen. Warum sollten wir uns unsere persönlichen und charakterlichen Errungenschaften eines Lebens absprechen lassen, nur weil wir "immer noch" spielen?

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Kann es vielleicht sein, dass diese scheinbare Minderheit von älteren Gamern einfach nur eine digitale Weiterentwicklung vollzogen hat, während der Rest der Gleichaltrigen auf der Strecke geblieben ist? Das trifft sicher nicht auf alle zu, aber der Gedanke erscheint mir irgendwie tröstlich.

Die gelegentlichen hämischen Kommentare von jüngeren Spielern, die sich über mich lustig machen, stecke ich mit einem Lächeln weg, denn: Irgendwann, liebe Kinder, seid ihr auch 46. Die abwertenden Bemerkungen von Leuten in meinem Alter können mir entsprechenderweise auch wurscht sein, auch wenn mir gerne mal die eine oder andere Spitze auf der Zunge liegt.

Ich, für meinen Teil, werde spielen, solange ich einen Controller halten kann. Und wenn das mal nicht mehr der Fall sein sollte ...

... gibt es hoffentlich eine ordentliche VR-Lösung.

PS: Dieser eine Japaner da, Shigeru Miyadingenskirchen, der ist 64 und macht irgendwas mit Computern. Hat der überhaupt ein Auto?

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