Test Yonder - The Cloud Catcher Chronicles: Bunt und statisch

von Daniel Kirschey (21. Juli 2017)

Nach Stardew Valley versucht ein weiteres Spiel den verlassenen Thron von Harvest Moon für sich zu beanspruchen. Schafft es das Indie-Spiel diesen Platz einzunehmen?

Yonder - The Cloud Catcher Chronicles für PC und PlayStation 4 ist kein langes Spiel. Nach ungefähr fünf Stunden ist der Spuk vorbei. Ganze zehn, wenn ihr alles machen wollt. Das ist merkwürdig, ist es doch ein "Open World"-Spiel. Doch die Kürze hat auch etwas für sich. Warum dies so ist, erfahrt ihr hier.

Keine Ursache, keinen Grund, keine Konsequenz

Nach dem folgendem Satz werden wohl einige von euch verwundert dreinblicken. Bitte schön: Yonder erinnert mich von allen Spielen, die in letzter Zeit herausgekommen sind, am meisten an No Man's Sky.

Yonder - The Cloud Catcher Chronicles: Parallelen zu No Man's Sky sind nicht von der Hand zu weisen.Yonder - The Cloud Catcher Chronicles: Parallelen zu No Man's Sky sind nicht von der Hand zu weisen.

Seht ihr, jetzt wollt ihr wissen, wie ich auf diesen Vergleich komme, oder? Eigentlich ist es ziemlich logisch, auch wenn es erst einmal merkwürdig klingt. Der Vergleich bezieht sich nämlich nicht auf Handlung, Universum des Spiels, Grafikstil oder die Spielmechanik. Stattdessen zeigt sich eine Ähnlichkeit in Bezug auf die Stimmung und eine spielerische Grundregel, die beiden Spielen gemein ist. Weder in Yonder noch in No Man's Sky hat euer eigenes Einwirken auf die Welt eine größere Konsequenz.

Ihr seid trotz all eurer Bemühungen lediglich ein Sandkorn im Universum. No Man's Sky setzt dies wohl auch bewusst im riesigen, zufällig generierten Universum um. Das All ist unendlich. In Yonder ist dies womöglich nicht ganz so bewusst, doch an jeder Ecke bemerkbar.

Alles egal

Yonder bietet zwar eine Welt, in der ihr die buchstäblichen Früchte eures Handelns ernten könnt, doch eigentlich ist alles - salopp gesagt - egal.

Hübsch anzusehen, jedoch weitestgehend frei von Konsequenzen.Hübsch anzusehen, jedoch weitestgehend frei von Konsequenzen.

Ihr strandet als namenloser Reisender, den ihr selbst entwerft, auf der Insel Gemea. Dort leben in kleinen Siedlungen Menschen, die alle über eine gute Portion Humor verfügen, gerne Handel treiben, euch Aufgaben geben und wegen dem sogenannten Murk besorgt sind. Diese lilafarbenen Wolken schweben über einigen Stellen. Sie töten nicht, sondern versperren den Weg.

Überhaupt ist der Tod in Yonder überaus abstinent. In der bunten Welt von Gemea gibt es keine Bedrohungen. Fallt ihr von einer Anhöhe, spannt euer Charakter sofort einen bunten Schirm auf und gleitet sanft zu Boden. Yonder tut nicht weh. Um diese Murk-Wolken zu vertreiben, braucht ihr sogenannte Sprites. Das sind kleine Lebewesen, die ihr einsammelt. Die geben zwar anfangs ein paar Sätze von sich, sind dann aber für den Rest des Spiels wort- und charakterlos.

Verschwindet der Murk, könnt ihr an der freien Stelle dann etwas bauen oder beispielsweise Kisten mit Zutaten finden. Aber eigentlich ist es auch egal. Denn tatsächlich stört sich, trotz der Sorgen, niemand an den Wolken. Im Grunde richten sie nichts an. Auch ob ihr Tiere wie die Groffle mit Futter für euch einnehmt und dann auf einem aufgebauten Hof unterbringt, damit sie euch mit Milch versorgen, ist im Grunde wurscht.

Eine merkwürdige Welt

Ihr könnt auch einfach herumlaufen und die Hauptaufgabe unterlassen, sprich: auf eigene Erkundungstouren gehen. Lasst euch mal auf folgende Spinnerei ein: Wenn eine Videospielwelt, auch nachdem ihr eure Konsole ausschaltet, weiter existieren würde - was würde passieren?

Entzückend! Die Kreaturen, die euch in Yonder begegnen, verfügen meist über einen hohen Knuddelfaktor.Entzückend! Die Kreaturen, die euch in Yonder begegnen, verfügen meist über einen hohen Knuddelfaktor.

In Destiny stromern dann immer noch die Aliens als Gefahr über die Erde. In Uncharted 4 - A Thief's End würde die Handlung still stehen, wie eingefroren. In Yonder jedoch würden die Menschen in den Siedlungen immer noch fröhlich umherlaufen, der Murk hätte ein paar Plätze eingenommen, niemand würde sterben. Es macht einfach keinen Unterschied.

Deshalb fühlt sich Yonder merkwürdig an; auch dann, wenn die eigentlichen Spielmechaniken gut funktionieren. Ihr baut Pflanzen an, vertreibt Murk, hütet Groffle, handelt, erfüllt "Hole dies und bringe das"-Aufgaben - einfach, weil ihr sie erfüllt. Es gibt keinen Grund dies zu tun. Die Motivation muss aus euch selbst herauskommen. Deshalb ist es für Yonder ein Glück, dass es schon nach fünf Stunden vorbei ist. Wem die Motivation nämlich fehlt, den wird Yonder ebenso wie No Man's Sky auf dem Pfad der Langeweile verlieren.

Meinung von Daniel Kirschey

Ich will Yonder mögen. Ich mag auch die Spielmechaniken im Spiel. Ich weiß nur wirklich noch nicht, ob ich eine undynamische Welt mögen kann. In No Man's Sky treibt mich die Erkundung der unbegrenzten Möglichkeiten an. Yonder scheint neben der Zeit, neben der Entwicklung zu existieren.

Diese gefrorene Welt mach es mir schwer einen wirklichen Sinn in meinen eigenen Handlungen zu entdecken. Ich habe nur marginalen Fortschritt. Meine Figur kann ich ebenfalls nicht weiterentwickeln. Das ist wirklich schade. Denn wie erwähnt: die Spielmechanik, das Erkunden und die Aufgaben zu lösen, machen eigentlich Spaß. Übrigens: Yonder gibt's von Headup Games in Deutschland in einer schnieken Ladenversion. Wer also lieber eine physische Disk im Schrank stehen haben will, schnappt sich diese.

Die Insel Gemea ist durchaus ein Ort, der zu Abenteuern einlädt, wenn Yonder bloß nicht so statisch wäre.

70

meint: Yonder präsentiert sich hübsch und voller guter Ideen, jedoch lässt es Motivation vermissen und stößt Harvest Moon nicht vom Thron.

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Tags: Indie  

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