Psychologe: "Videospielsucht" ist keine Diagnose, sondern nur Panikmache und falsche Moral

von Sören Wetterau (21. Juli 2017)

In Deutschland ist angeblich jeder zehnte junge Mensch videospielabhängig und aus der Politik gibt es Forderungen, die Alterseinstufungen zu verschärfen. Doch ist Videospielsucht wirklich eine so brandheiße Sache? Nur bedingt, wenn es nach dem Psychologen Dr. Anthony M. Bean aus Texas geht. In einem Beitrag bei Polygon heißt es von ihm, dass "die Idee einer Videospielsucht fehlgeleitet und im schlimmsten Falle gefährlich" ist.

Zusammen mit drei anderen Psychologen hat Bean vor wenigen Tagen einen wissenschaftlichen Beitrag unter dem Namen "Video Game Addiction: The Push To Pathologize — Not Recognize" veröffentlicht. Darin dreht sich alles um das gefährliche Spiel mit der sogenannten "Videospielsucht", die als psychische Krankheit zukünftig anerkannt werden soll. Laut Bean und seinen Kollegen wäre dies ein Fehler, da es zum jetzigen Zeitpunkt weiterhin keine vollständige Forschung in diesem Bereich gibt.

Die wenigen Studien, die sich mit dem Thema beschäftigen, würden alle zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen kommen. In einer Studie betrifft die Sucht gerade einmal 0,8 Prozent der Probanden, bei einer anderen Studie sind es gleich 50 Prozent. Für Bean ist dies kein Beweis für ein völlig neue Erkrankung, sondern erst einmal nur ein für Beweis für "schlechte Wissenschaft".

"Wir wissen nicht was Videospielsucht ist. Die Psychologie und die Medizin greifen den Begriff der Sucht auf - sei es nun Drogenmissbrauch oder etwas ähnliches - und tauschen das Attribut mit Videospielen aus. Die Denkweise ist "Oh, es ist eine Art von Sucht. Es ist also wie jede andere Sucht", aber es ist nicht dasselbe", so Bean im Wortlaut.

Diesen Aufbau könnten Wissenschaftlicher auch mit Fußball oder Büchern machen, aber dort gäbe es das gar nicht. Wer täglich in die Bibliothek geht und Bücher verschlingt, wird selten mit einer Art von Sucht in Verbindung gebracht. Geht es nach Bean werden durch solche Aktionen Videospiele stigmatisiert, damit vor allem Unternehmen von der angeblichen Existenz einer Videospielkrankheit profitieren können. Schon jetzt würde es in den USA zahlreiche Ferienlager geben, die sich auf die Fahne schreiben, dass sie die Videospielsucht von Kindern heilen können.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass Videospielsucht nur eine Einbildung sei und keineswegs krankhaft sein könnte. Für solche Diagnosen benötige es aber noch mehr Forschung und wissenschaftliche Studien, um eine Erkrankung wirklich einordnen zu können.

Was haltet ihr von den Aussagen des Psychologen? Sollte mit der Einordnung von Videospielsucht noch gewartet werden oder sollte es so schnell wie möglich als Krankheit aufgenommen werden? Verratet uns eure Meinung in den Kommentaren!

Tags: Politik  

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