Test Pyre: Darum ist der Hype gerechtfertigt

von Michael Krüger (31. Juli 2017)

Unscheinbar und dennoch in aller Munde. Wir gehen den hohen Metacritic-Wertungen auf den Grund und schauen, ob Pyre wirklich so gelungen ist.

Es gibt viele Arten, auf die sich eine gewisse Erwartungshaltung etabliert. Im Fall von Pyre liegt es vor allem daran, dass Entwickler Supergiant Games bereits mit Bastion und Transistor zwei rundum gelungene und von Kritikern gefeierte Spiele im Repertoire vorweisen kann. Nun scheint sich die Presse erneut einig, dass auch Pyre, das dritte Spiel des kleinen Studios (erhältlich für PC und PS4), ein Hit ist.

Pyre scheint sich zum Geheimtipp zu entwickeln. Mit einer Metacritics-Wertung von durchschnittlich 86 scheint der Hattrick geglückt und die Erfolgsserie ungebrochen. Grund genug, nun auch etwas genauer hinzusehen und euch zu verraten, was es mit den hohen Meinungen zum Spiel auf sich hat.

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Ist Pyre wirklich so gut?

Nun, Pyre ist vor allem eines: Ein besonderes Spiel. Vermutlich findet ihr im Spiel nur wenig, was euch an andere Produktionen erinnert. Sowohl die Handlung als auch die gesamte Präsentation heben sich deutlich von Bekanntem ab und überzeugen durch einen eigenen und originellen Charme. Angefangen bei den vielseitigen Charakteren, über die aufwändig von Hand gezeichnete Spielwelt bis hin zu einem erneut eindrucksvollen Soundtrack von Darren Korb, der bereits Bastion und Transistor zu einem akustischen Genuss machte.

Die eigentlichen Spielmechaniken entwickeln erst mit der Zeit ihr volles Potenzial.Die eigentlichen Spielmechaniken entwickeln erst mit der Zeit ihr volles Potenzial.

Spielerisch siedelt sich Pyre zwischen einer "Visual Novel" und Fantasy-Sport an - abgerundet mit einer Hand voll Rollenspiel-Elementen. Was auf den ersten Blick etwas verrückt und vor allem abstrakt wirkt, beschreibt recht gut, was ihr unterm Strich bekommt. Denn Pyre lässt sich einfach nicht in eine Schublade stecken. Ihr folgt dabei einer mitunter intensiven und emotionalen Geschichte über Verbannung, Erlösung, Vertrauen und Verrat. So schwermütig wie die Thematik sind auch die Bilder, die euch Minute um Minute verzaubern und euch immer tiefer in ihren Bann ziehen.

Ort des Geschehens ist ein vergessenes Niemandsland. Dort soll eine Gruppe von bunt zusammengewürfelten Außenseiten eine Reihe von uralten Herausforderungen bestreiten, die als "Riten" bekannt sind. Das Ziel dieser Reise: Nicht weniger als die spirituelle Erleuchtung selbst.

Folgt ihr gerade nicht der Handlung, trefft ihr vereinzelt Entscheidungen, die zum Teil weitreichende Konsequenzen bergen und euch von einem Ritus zum nächsten führen. Diese Riten dienen euch als roter Faden und bringen euch mit jedem Sieg der Erlösung näher. Der Begriff Fantasy-Sport mag nicht zuverlässig vermitteln, was euch hier erwartet, fasst es dennoch aber ganz gut zusammen.

Zwei Teams aus jeweils drei Helden stehen sich in wechselnden Arenen gegenüber. Das Ziel ist es, einen Orb in das gegnerische Ziel zu transportieren. Durch eine Reihe von Regeln, Fähigkeiten und vor allem der unterschiedlichen Beschaffenheit der Charaktere schiebt Pyre anfängliche Assoziationen zu Basketball schnell beiseite und überzeugt euch davon, wie originell es eigentlich ist. Wohlgemerkt unter dem Vorbehalt, dass ihr euch auf das Spiel einlasst.

Keine leichte Kost

Wie bereits erwähnt, ist Pyre sowohl abstrakt als auch schwermütig. Massentauglichkeit scheint damit von Beginn an ausgeschlossen. Lasst ihr euch nicht auf die Handlung ein und schafft es nicht zumindest im Ansatz eine emotionale Bindung zu den Figuren aufzubauen, wird ein Großteil der Faszination, die von Pyre ausgeht, für euch außen vor bleiben.

Da alle Helden in einer fremden Sprache kommunizieren, gibt es jede Menge zu lesen.Da alle Helden in einer fremden Sprache kommunizieren, gibt es jede Menge zu lesen.

Zwar funktionieren die Riten auch wunderbar für sich, weshalb man sich bei Supergiant Games zu einem lokalen Mehrspieler-Modus entschied, doch erst durch die Gesamtkomposition strahlt das Spiel so richtig. Ohne die Handlung werdet ihr den Riten vermutlich deutlich weniger abgewinnen können. Denn ihre Brisanz und ihre Bedeutung für die Protagonisten spielen eine wichtige Rolle für das Spielempfinden.

Die namen- und gesichtslose Figur, die ihr spielt, heißt nicht umsonst Reader. Es gibt also eine Menge zu lesen. Für die Handlung und das Gesamtwerk ist das durchaus hilfreich, sorgt hierzulande allerdings auch für eine weitere Einstiegshürde. Denn Pyre ist ausschließlich auf Englisch verfügbar. Angesichts der vielen altertümlichen und exotischen Begriffe, die euch begegnen, dürftet ihr selbst als geübter Fremdsprachler öfters zum Wörterbuch greifen, um jedes Wort zu verstehen. Glücklicherweise ergibt sich das meiste aus dem Kontext, doch die Sprachbarriere spielt in Pyre eine deutlich gewichtigere Rolle als in vielen anderen Spielen. Und darüber solltet ihr euch im Klaren sein.

Meinung von Michael Krüger

Sowohl Bastion als auch Transistor befinden sich weit oben in meiner persönlichen Liste der besten Spiele aller Zeiten. Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen an Pyre. Doch bereits seit den ersten bewegten Bildern war auch meine Skepsis stark ausgeprägt. Mehrspielermodus? Fantasy-Basketball? Ob mich das genau so begeistert wie die ersten beiden Spiele von Supergiant Games?

Jain! Von Seiten des künstlerischen Anspruchs, der Gestaltung und vor allem des phänomenalen Soundtracks trifft Pyre bei mir voll und ganz ins Schwarze. Auch die emotionale Tragweite und die Originalität lassen mein Spielerherz höher schlagen. Trotz allem ist Pyre jedoch nicht so schön zugänglich wie ich es mir gewünscht hätte. Ich genieße zwar jeden Moment mit dem Spiel, seine Anziehungskraft ist allerdings weniger stark ausgeprägt wie bei den bisherigen Spielen von Supergiant Games.

Die hohen Wertungen, die Pyre bisher einfahren konnte, halte ich dennoch für gerechtfertigt. Denn Pyre kann zweifellos als Meisterwerk bezeichnet werden. Wie intensiv euer persönlicher Zugang ausgeprägt ist und ob die Sprachausgabe eine Hürde für euch darstellt, hängt von euch selbst ab. Seid ihr der ungewöhnlichen Handlung, den abstrakten Bildern und den originellen Spielmechaniken zugeneigt, steht euch eine unvergessliche Reise bevor.

85 Spieletipps-Award

meint: Ungewöhnlich und im wahrsten Sinne des Wortes bemerkenswert. Supergiant Games gelingt erneut ein Meisterwerk, das allerdings nicht jeden erreichen wird.

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Tags: Singleplayer   Multiplayer   Fantasy  

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