Test Tacoma: Interaktive Erzählung trifft auf Weltraum-Katastrophe

von Nastassja Scherling (02. August 2017)

Nach Gone Home kommt vom Indie-Studio Fullbright jetzt ein Spiel, das den Verlauf eines tragischen Unfalls auf einer Raumstation schildert. Ob es an den Erfolg des Vorgängers anschließen kann, erfahrt ihr hier.

Unendliche Weiten, unendliche Mysterien: Der Weltraum ist und bleibt ein unberechenbarer Schauplatz. Nachdem sich an Bord der namensgebenden Raumstation Tacoma im Jahr 2088 eine Katastrophe ereignet, begebt ihr euch an den Ort des Geschehens, extrahiert Daten aus der schiffseignen KI und untersucht den mittlerweile menschenleeren Schauplatz. Aber keine Sorge - einsam werdet ihr euch nicht fühlen. Verbliebene AR-Hologramme (Augmented Reality) der Crew leisten euch immer wieder Gesellschaft.

Durchforstet die Station nach solchen Aufzeichnungen und anderen Hinweisen und setzt Stück für Stück das Puzzle zusammen, das die Charaktere der Crewmitglieder, ihre Beziehung zueinander, den Alltag und ihre letzten Tage auf der Station offenbart. Als Hilfsmittel habt ihr eine Art Fernbedienung aus der Zukunft zur Hand: Wenn sich entscheidende Momente vor euren Augen abspielen, könnt ihr diese pausieren und vor- und zurückspulen. Diese futuristische Fähigkeit ist auch dringend nötig: Oftmals spalten sich die Figurenkonstellationen in den Aufnahmen auf und ihr entscheidet euch für einen Konversationsstrang. Danach könnt ihr dann zurückspulen und eure Aufmerksamkeit einer anderen Gruppe widmen.

Viel Atmosphäre, wenig Spiel

Spielerisch reiht sich Tacoma hinter Gone Home und Dear Esther ein und punktet nicht mit ausgeklügelten Spielmechaniken, sondern mit einer facettenreichen Geschichte. Einige Rätselelemente, die nähere Details über die Charaktere verraten, haben sich hier zwar auch versteckt, ihr braucht sie aber nicht zwingend alle zu lösen, um das große Ganze zu erfassen. Grafisch haut euch das Spiel nicht aus den Socken, und dafür, dass ein großer Teil des Spiels daraus besteht, sich umzusehen, ist an dieser Stelle sicher noch Luft nach oben.

Eine aufreibende Atmospäre kreieren - das können die Entwickler von Fullbright aber ausgezeichnet und beweisen es mit Tacoma auf ein Neues. Unheimliche Glitches im System der KI, menschenleere Gänge, die unendliche Weite des Weltalls - sobald ihr auf euch alleine gestellt seid und nicht mit den Hologrammen der Crewmitglieder umgeben seid, lässt euch die bedrückende Grundstimmung nicht selten einen Schauer über den Rücken laufen. So muss es sich anfühlen, alleine im All zu sein, weit weg von allen Menschen, die einem wirklich etwas bedeuten.

Ab sofort könnt ihr auf PC und Xbox One für einen Preis von etwa 20 Euro in den Genuss des finsteren Weltraum-Abenteuers kommen.

Meinung von Nastassja Scherling

Tacoma ist eine spannende Geschichte verpackt in ein interaktives Korsett. Beim Zocken beschäftigte mich allerdings die Frage, die ihr sicherlich von Spielen mit ähnlicher Art des Erzählens schon kennt: Welche Aspekte zeichnen das Medium "Videospiel" aus? Die Definition variiert wohl von Betrachter zu Betrachter, macht es aber dennoch schwierig, Tacoma nach altbekannten Kriterien der Branche zu beurteilen.

An der Grafik, dem interaktiven, aber dennoch merklich passiven Spielablauf und der kurzen Spielzeit von nur zwei bis fünf Stunden habe ich einige Kritikpunkte. Bei der Geschichte und der Grundstimmung hat Tacoma wiederum alles richtig gemacht. Ob einsame Crewmitglieder, ein dubioser Konzern oder eine KI, deren Absicht fragwürdig erscheint: Die Entwickler haben das Spiel mit Sci-Fi-Klischees voll raus, bringen aber auch ihren eigenen Kniff ein und schaffen damit eine dichte Atmosphäre, die mich von Anfang an gepackt hat. Insgesamt ist das Spiel vor allem wegen der interessanten Erzählweise definitiv ein würdiger Nachfolger zu Gone Home.

75

meint: Kurze Erzählung, die jedoch mit komplexer Geschichte und bedrückender Atmosphäre unter die Haut geht.

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Tags: Indie   Science-Fiction  

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