Es ist leicht ein Gott zu sein: Die Lust am Gott-Spielen

(Kolumne)

von Daniel Kirschey (06. August 2017)

Wo sind sie hin, die sogenannten God Games, die Göttersimulationen? Bis auf ein paar Ausnahmen sind sie fast vollkommen verschwunden. Kleine Indie-Studios versuchen sich noch hie und da an ihnen. Dabei bieten sie etwas, das gerade vielen Spielern an "Open World"-Spielen gefällt: Freiheit, die Lust auszubrechen aus dem eigenen Moralgefüge und Freude am Herumprobieren, am Experimentieren. Ein Aufruf zu neuen Formen des Gottspielens.

Doch stopp, was ist eigentlich ein God Game? Populous von Peter Molyneux ist wohl eines der ersten Spiele dieser Art gewesen. Später erschuf der Herr dann noch Black & White und Godus. Erwähnenswert sind auch noch From Dust von Ubisoft und das Indie-Spiel Reus, ein neuerer Vertreter des Genres.

Allen Spielen gemein ist der Umstand, dass die Spieler als Gott aktiv mit der Welt interagieren, jedoch Lebewesen keine Befehle erteilen können. Alle genannten Spiele gehen also von einem freien Willen der virtuellen Bewohner der Spielwelten aus. Als Gott ist es dem Spieler beispielsweise in Black & White möglich, eine Figur aufzuklauben und herumzuwerfen. Dieser aber einen direkten Befehl zu geben ist nicht vorgesehen.

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Im Grunde übernehmen die Spieler also nicht die Rolle eines allmächtigen Gottes. Das Spiel zwingt den Spielern Grenzen auf. Grenzen, die wohl zum einen dem Spieldesign und zum anderen der Technik geschuldet sind. Mehr in eine Rolle wie die griechischen, ägyptischen oder skandinavischen Götter gesteckt, werfen die God Games die Spieler in Situationen hinein, in der diese unterschiedlich vorgehen können - das alte Spiel mit Gut und Böse.

Black & White versetzt euch in die Rolle eines Gottes.

Im realen Leben ist niemand ein Gott. In einem Videospiel kann jeder ein Gott sein. Während in der Literatur beispielsweise dem Buch "Es ist nicht leicht ein Gott zu sein" der Brüder Strugatzki oder in Comics und Filmen wie Spider-Man auf die Problematik eingegangen wird, dass "große Macht große Verantwortung mit sich bringt", übernehmen die Spieler zwar innerhalb der Spielwelt eine Verantwortung und deren Konsequenzen, doch außerhalb des Spiels ist nichts davon real. Eine Spielwiese für Kreative.

Für einen Spieler, nennen wir ihn Anton, dem das Leben genügend Grenzen vorgibt, ist eine Göttersimulation ein Sandkasten an moralischen Entscheidungen, die sich in der Spielwelt abzeichnen. Füllen die Spieler die Rolle als Gott eher wie Thor oder Zeus aus oder doch wie Hades und Loki? Einige Handlungen schädigen die künstlich-intelligenten Lebwesen in den Spielen - andere helfen ihnen. Noch nie war es so einfach wie in Videospielen, ein Gott zu sein und aktiv als dieser Entscheidungen zu fällen.

Jeder schwelgt ab und zu gerne in Allmachtsfantasien. In der realen Welt kann Anton diese beispielweise nicht ausleben. Er kann nicht einfach die Rolle von Don Rumata aus "Es ist nicht leicht ein Gott zu sein" übernehmen und mit höherer Technik in einer mittelalterlichen Welt gottgleich auftreten.

In Reus steuert ihr einzelne göttliche Titanen, die die Natur beeinflussen.

Für neue God Games kann sich nur jeder wünschen, dass sich diese die Möglichkeiten der Leistung der aktuellen Technikgenerationen aneignen. Dabei sollte jedoch das Moralsystem eine besondere Rolle spielen. Denn mit diesem experimentieren die Spieler schließlich herum. Im Spiel mit diesem können Spieler ihre eigenen ethischen Werte reflektieren. Um es nochmal zu sagen: Noch nie war es so einfach wie heute ein Gott zu sein. Was uns allen fehlt, sind momentan aber die dafür nötigen Spielwiesen. Es ist Zeit für neue Göttersimulationen.

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