Vorschau Metroid - Samus Returns: Darauf habt ihr 26 Jahre lang gewartet

von Micky Auer (08. August 2017)

Seit der E3 2017 ist bekannt, dass Metroid 2 in Form von Metroid - Samus Returns den 3DS beehren soll. Wir waren auf Einladung bei Nintendo und durften schon mal für euch die ersten Schritte wagen.

Fast drei Jahrzehnte lang gab es um den zweiten Teil der interstellaren Abenteuer von Kopfgeldjägerin Samus Aran kein Sterbenswörtchen. Eingebettet zwischen dem legendären Metroid (NES, 1986) und dem nicht minder legendären Super Metroid (SNES, 1994) fristet der einzige Ableger für den original Game Boy ein Schattendasein. Die Rede ist natürlich von Metroid 2 (Game Boy, 1991).

Schattig vor allem deshalb, weil dank der Hardware des Game Boy ein recht finsteres, wenn nicht gar unübersichtliches Abenteuer daraus wurde. Mit ein paar wenigen Graustufen auf einem winzigen Bildschirm ohne interne Beleuchtung ein so großes Spiel zu zaubern, hat nicht so recht funktioniert. Falls ihr wirklich nicht wisst worum es in Metroid geht: Als Kopfgeldjägerin Samus Aran erforscht ihr mithilfe eines stetig wachsenden Arsenals die Höhlen eines fremden Planeten, kämpft in Echtzeit gegen irrwitzige Aliens, darunter auch die namensgebenden Metroids. Neben starken "Science Fiction"-Elementen basieren Geschichte und Geschehen auf fiktiver Mythologie, die mit jedem Eintrag in der Spielereihe erweitert wird.

Gerade mal 26 Jahre vergehen und plötzlich macht Metroid 2 gleich zweimal von sich reden. Zuerst zieht Nintendo dem Fan-Projekt AM2R den Stecker. Die kostenlos zur Verfügung gestellte Neuauflage von Metroid 2 verschwindet fast ebenso schnell wieder aus dem Netz wie sie aufgetaucht ist.

Knapp ein Jahr später scheint sich ein Grund dafür herauszukristallisieren: Auf der Spielemesse E3 2017 präsentiert Nintendo die offizielle Neuauflage Metroid - Samus Returns für Nintendo 3DS. Das macht neugierig! Glücklicherweise wurde unsere Neugierde vor kurzem gestillt und wir durften bei Nintendo selbst Hand an das wiedergefundene Abenteuer legen. Die beiden großen Fragen, die wir uns im Vorfeld gestellt haben: Kann ein fast 30 Jahre altes Spiel auch heute noch begeistern? Und wie viel bleibt von der Originalsubstanz vorhanden? Auf diese Fragen gibt es jetzt klare Antworten.

Aufatmen: Metroid 2 ist wie Metroid 2, nur besser

Ganz wie im Original findet das spielerische Geschehen in Samus Returns strikt auf einer zweidimensionalen Ebene statt. Angriffe und Bewegungsmöglichkeiten erstrecken sich zwar in alle Richtungen, jedoch nicht in die Tiefe des Bildschirms. Die Darstellung sämtlicher Objekte mitsamt der Spielfiguren basiert jedoch auf Polygonen, die immer wieder effektvoll in Szene gesetzt werden.

Dramaturgie dank 3D-Darstellung: In manchen nicht-interaktiven Szenen präsentiert euch die Kamera das Geschehen aus einer anderen Perspektive.Dramaturgie dank 3D-Darstellung: In manchen nicht-interaktiven Szenen präsentiert euch die Kamera das Geschehen aus einer anderen Perspektive.

Die Entwickler nutzen die Möglichkeiten der aktuellen Hardware, um kurze Zwischensequenzen aus dramatischeren Blickwinkeln zu inszenieren. Das hat spielerisch keine Konsequenzen, da ihr in diesen Szenen nicht interagieren könnt. Vorteil: Das Geschehen bleibt nicht statisch, sondern wirkt modern und ansprechend. Der stereoskopische 3D-Effekt des 3DS wird unterstützt, ist aber - wie so oft - nur eine nette Dreingabe. Wer mit der Darstellung nicht klarkommt, schaltet sie einfach ab und verpasst dennoch nichts vom Spiel.

Wie bereits oben erwähnt, ist das originale Metroid 2 eine recht düstere Angelegenheit. Der 3DS kann schon ein bisschen mehr als nur vier Graustufen darstellen. Die Befürchtung, dass die Neuauflage jedoch in eine nintendotypische Regenbogenexplosion ausartet, kann hiermit aus dem Feld geräumt werden. Zwar setzen die Designer auf eine breitere Farbpalette, die für jede Menge Abwechslung im Spielgeschehen sorgt, jedoch bleibt der dunkle und geheimnisvolle Charakter zu jedem Zeitpunkt erhalten.

Ähnlich verhalten sich auch die Sound-Kulisse und die musikalische Begleitung. Altbekannte Sound-Effekte erleben eine Auferstehung und verbinden euch sofort mit dem Metroid-Universum. Erst bei genauerem Hinhören stellt ihr fest, dass die Effekte überarbeitet und dem aktuellen Standard angepasst sind. Trotzdem bleibt ihre Herkunft deutlich hörbar erhalten.

Der Soundtrack hingegen basiert größtenteils auf alten Kompositionen, jedoch in einem völlig neuen Arrangement. Stets bleibt er unaufdringlich im Hintergrund, wechselt aber im Kampfgeschehen zu treibenderen Rhythmen, die die Dringlichkeit der Situation unterstreichen. Insgesamt bietet sich dem Spieler auch ein hörenswertes Klangerlebnis.

Der Zeit angepasst

Einfach nur neue Grafik und Vertonung will sich Nintendo aber nicht antun. Es gibt auch ein paar Neuerungen, die sich sowohl sinnvoll als auch dynamisch auf das Spielgeschehen auswirken. Eine davon hat dem Originalspiel gefehlt und mitunter verhindert, dass es in die höchsten spielerischen Sphären aufgestiegen ist. Veteranen wissen vermutlich schon, worum es geht.

Die wichtigste Neuerung: Endlich verfügt das Spiel über eine Karte.Die wichtigste Neuerung: Endlich verfügt das Spiel über eine Karte.

Genau: Endlich verfügt das Spiel über eine Karte! Das größte Hindernis bei der Erforschung der schier endlosen und mit zahlreichen Geheimnissen durchsetzten Kavernen gehört endlich der Vergangenheit an. Besiegte Gegner hinterlassen nicht nur - wie gewohnt - Munition und Lebensenergie, sondern euch gelbe Energiekugeln, die für ganz besondere technische Vorrichtungen in Samus' Arsenal vorgesehen sind.

Eine davon ist ein Scanner, der bei Betätigung über das Steuerkreuz in einem kreisförmigen Radius die Umgebung durchleuchtet. Das Ergebnis des Scans seht ihr auf dem unteren Bildschirm des 3DS. Dort werden auch die Fundorte von Erweiterungen, Speicherpunkten, verborgenen Artefakten und ähnlichem vermerkt. Und keine Sorge: Das mag vielleicht so klingen, als wäre die Forschungsarbeit damit zu einfach. Das ist sie jedoch nicht. Denn letzten Endes wisst ihr nur, WO ihr etwas finden könnt, nicht jedoch WIE ihr an den entsprechenden Ort gelangt.

Das bleibt immer noch euch überlassen und macht auch einen großen Teil der Metroid-Erfahrung aus. Manchmal fehlt euch die passende Fähigkeit, um ein bestimmtes Item zu erreichen, ein andermal blickt ihr vielleicht nicht sofort durch, wobei die Lösung des kleinen Rätsels mithilfe von ein wenig Fingerfertigkeit zu entschlüsseln ist.

Hier besteht Verbesserungsbedarf: Um eine Rakete gezielt in die gewünschte Richtung abzufeuern, ist der Einsatz von vier Steuerelementen gleichzeitig gefragt (L1- und R1-Taste, Schiebepad, Feuerknopf)Hier besteht Verbesserungsbedarf: Um eine Rakete gezielt in die gewünschte Richtung abzufeuern, ist der Einsatz von vier Steuerelementen gleichzeitig gefragt (L1- und R1-Taste, Schiebepad, Feuerknopf)

Nicht ganz so rund läuft in der angespielten Version eine Mechanik: Um die in Metroid-Spielen so wichtigen Raketen einzusetzen, müsst ihr die R1-Taste gedrückt halten. Das allein ist noch kein Problem. Wenn ihr jedoch zusätzlich manuell zielen wollt, muss auch die L1-Taste gedrückt bleiben, während ihr das Schiebepad in die gewünschte Richtung bewegt. Das ist insgesamt arg unpraktisch und führt vor allem in schnellen Gefechten zu unnötigen Krämpfen in den Fingern.

Was wiederum hervorragend funktioniert, ist der neu hinzugekommene Melee Counter. Wenn euch ein Gegner mit einem Sturmangriff auf die Pelle rücken will, kündigt er dies durch eine kurze aber auffällige Animation an. Per Knopfdruck könnt ihr dann den Angriff kontern, Samus geht sofort in Gegenangriffstellung und zielt automatisch für einen Moment auf den Angreifer. Eine zwar simple Mechanik, die aber dem Spielgeschehen eine zusätzliche und sinnvolle Action-Komponente hinzufügt.

Und dass die Wandsprünge nun in vereinfachter Form vorliegen ... nun, darüber wird wohl niemand beleidigt sein.

Mit dem neuen Melee Counter haltet ihr euch Gegner vom Leib, die euch zu sehr auf die Pelle rücken wollen.Mit dem neuen Melee Counter haltet ihr euch Gegner vom Leib, die euch zu sehr auf die Pelle rücken wollen.

Meinung von Micky Auer

Alles hab ich gespielt, wo "Metroid" draufsteht. Wirklich alles. Die drei ursprünglichen Teile, die Prime-Trilogie, die DS- und 3DS-Versuche ebenso wie die Wii-Episode Other M. Und nur eines dieser Spiele habe ich niemals durchgespielt. Welches das wohl war ... ?

Trotz mehrere Versuche, Metroid 2 auf dem Game Boy zu beenden, habe ich mich immer wieder in der monochromen Finsternis verirrt. Irgendwann hatte ich auch einfach keine Lust mehr darauf, weil es mich zu sehr frustriert hat. Kaum hatte ich das Spiel mal für ein paar Tage liegen lassen, wusste ich schon nicht mehr, wie mein nächster Schritt aussehen sollte. Faulheit? Vermutlich. Spielerisches Unvermögen? Kann sein. Fehlen einer Karte? Mit Sicherheit!

Damit ist jetzt Schluss! Allein die Kartenfunkion hätte mir gereicht, um nach 26 Jahren noch einmal mein Glück zu versuchen. Wenn ich dazu aber auch noch eine hübsch aufgemachte Neuauflage präsentiert bekomme, bin ich natürlich gleich wieder vorne mit dabei! Meine Ängste, bezüglich einer "Verschlimmbesserung" sind nach dem ersten Anspielen auch ausgeräumt. Ja, Metroid - Samus Returns ist bunt, sieht aber längst nicht wie das Erbrochene eines Regenbogen-Einhorn-Feen-Ponys aus.

Insgesamt reiht sich mein Ersteindruck von Samus Returns genau dort ein, wo er meiner Meinung nach hingehört: In eine großartige und prägende Spielereihe, die seit ihrem Erscheinen das Vorbild für Produktionen in allen möglichen Genres ist. Jetzt noch ein wenig an der Steuerung feilen und ich bin gerne bereit, wieder nach verlorenen Chozo-Artefakten zu suchen.

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Tags: Science-Fiction   Remake   Retro  

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