Test Agents of Mayhem: Gute Zutaten, jedoch falsche Zubereitung

von Thomas Stuchlik (15. August 2017)

Ein bisschen GTA, ein großes Helden-Aufgebot, eine futuristische Comic-Welt: Agents of Mayhem ist das neue "Open World"-Abenteuer der "Saint's Row"-Macher. Doch die Zutaten reichen sicher nicht zu einem Spielspaß-Hit.

Was passiert, wenn man einen GTA -Klon mit Comic-Stil und einer Prise Helden-Shooter verquickt? Es kommt ein Spiel wie Agents Of Mayhem heraus, das sich bei den Genregrößen bedient, aber nicht durchweg überzeugen kann. Da hilft auch nicht die abgedrehte Spiel-Story, in der die tapferen Kämpfer von Mayhem (die Guten) die Schergen von LEGION (die Bösen) und deren Anführer Dr. Babylon bekriegen.

Im Spiel verschlägt es euch ins futuristische Seoul, das mit hypermodernen Bauten und Infrastruktur wie eine kunterbunte Muster-Stadt ohne Makel wirkt. Abgesehen von den ständig auftretenden Feinden ist dem leider auch so. Denn die Metropole besitzt null Charakter. Jedes Eck wirkt gleich. Wegen der überschaubaren Größe der Open World habt ihr schnell alles gesehen. Die Bewohner wirken wie leblose Abziehbilder. Zwar lassen sich jegliche Zukunfts-Vehikel klauen, doch die übersimplifizierte Fahrphysik erdrückt jeden Fahrspaß im Keim. Ein wenig verwunderlich, denn die Entwickler von Volition können es besser, wie sie mit der "Saints Row"-Serie bereits bewiesen haben.

Ein Dutzend Helden

Auf die Einsätze in der offenen Spielwelt geht ihr mit einem wählbaren Dreier-Team. Per Steuerkreuz wechselt ihr jederzeit zwischen den Charakteren durch. Das ist einerseits praktisch, um erschöpfte Helden auszutauschen, andererseits habt ihr auf diese Weise Zugriff auf verschiedene aufladbare Spezialaktionen.

Die Helden haben jederzeit ihre Waffe und einen flotten Spruch parat.Die Helden haben jederzeit ihre Waffe und einen flotten Spruch parat.

Die Macher bedienen sich schamlos in der Klischee-Schublade der Superhelden. Satte zwölf sind davon per Rekrutierungsmission freischaltbar, jeder mit seinen eigenen Vorzügen. Da gibt es beispielsweise die zigarrenrauchende Söldnerin mit Maschinengewehr und einem Luftschlag als Spezialattacke. Oder Hollywood, den Prototypen eines Mustersoldaten, der mit Sturmwumme und Granaten angreift. Auch Unterweltler wie der Gang-Anführer Kingpin oder der Fernost-Yakuza Oni finden sich im Aufgebot. Zwischen Bogenschützin Rama und dem Sowjet-Muskelberg Yeti sollte letztlich für jeden Geschmack etwas dabei sein.

Zwischen den Missionen sucht ihr regelmäßig euer Hauptquartier auf, wo ihr die Agenten neu zusammenwürfelt und hochzüchtet. Mit genug Erfahrung schaltet ihr Fähigkeiten frei, die ihr in drei Gadget-Slots unterbringt. Außerdem wählt ihr dauerhafte Verbesserungen sowie Verbesserungskerne. Nicht zuletzt lasst ihr im Labor aus gesammelten Bauplänen neue Waffen fertigen. Schnell personalisiert ihr das Heldenaufgebot nach eigenen Vorlieben, ein wenig wie in einem Helden-Shooter Marke Paragon. Dieses Genre erfreut sich spätestens seit dem großen Erfolg von Overwatch weltweit größter Beliebtheit. Das Prinzip, mit Helden aus einer farbenfrohen und abwechslungsreichen Truppe in gut durchdachten Arealen gegeneinander anzutreten, zieht sich auch durch den Aufbau von Agents of Mayhem. Zumindest im Ansatz.

Konventioneller Ballerspaß

Die Aufträge folgen meist dem selben Schema. Ihr rast oder sprintet zum nächsten Einsatzpunkt und bekämpft anrückende Gegnerwellen. Dann hackt ihr zum Beispiel einen Computer auf Basis eines simplen Minispiels oder befreit auch mal eine Zielperson.

An den Einsatzorten lauern Gegnerwellen auf euch, die ihr mit etwas Akrobatik und Zielhilfe eliminiert.An den Einsatzorten lauern Gegnerwellen auf euch, die ihr mit etwas Akrobatik und Zielhilfe eliminiert.

Die Ballereien selbst sind jedoch gelungen – vor allem mit individuell aufgerüsteten Helden. Aus der Deckung heraus knallt ihr Feindsoldaten, Ninjakämpfer oder Kampfroboter weg. Lasst euch nicht umzingeln und nutzt regelmäßig eure erlernten Spezial- und Mayhem-Fähigkeiten. Nur mit Ausweichmanövern und Dreifach-Sprung entgeht ihr Feindfeuer. Passt dennoch auf, denn die Schießereien erstrecken sich öfter über mehrere Stockwerke in den offen angelegten Wolkenkratzern Seouls.

Standardmäßig unterstützt euch eine großzügige Zielhilfe, die Kopfschüsse einfach macht. Die Action geht flott von der Hand und bietet auch größere Zwischenbosse und Verfolgungsjagden auf. Dennoch hapert es an der Abwechslung, auch wenn ihr in optionalen Nebeneinsätzen zwischendurch mal Geiseln rettet, Außenposten einnehmt oder Vehikel besorgt. Doch die Spielwelt wirkt einfach zu klein und lässt es an vielschichtigeren Tätigkeiten mangeln.

Meinung von Thomas Stuchlik

Agents of Mayhem bemüht sich, witzige Bildschirm-Action zu liefern. Im Kern funktioniert das auch. Denn die brachialen Baller-Einlagen verlangen nach geschickter Spielweise. Schnell wechselt ihr zwischen Dauerfeuer, Deckung, Sprungmanövern oder Raketenbeschuss. Entsprechend chaotisch und explosiv geht es zur Sache, auch wenn das Ganze behäbiger als in gängigen Ego-Shootern abläuft. Doch genau hier bietet das Spiel den meisten Spielspaß.

Allerdings mangelt es am Drumherum. Der sterilen Open World fehlt es an Spieltiefe, Lebendigkeit und Größe. Auch die unspannende Story wird belanglos in Comic-Sequenzen erzählt. Die etwas profillosen Helden selbst gefallen mit ihren Fähigkeiten, aber kaum durch Charme und Witz. Wo ist denn der bissige Humor von Saint's Row geblieben? Dass neben der Solo-Kampagne etwaige Online-Modi fehlen, stört dabei weniger.

67

meint: Die "Open World"-Action im futuristischen Comic-Szenario liefert nette Ballereien und massig Helden, lässt es aber an Spieltiefe mangeln.

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Tags: Singleplayer   Open World  

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