Indie Arena Booth: Vom Bretterverschlag zum Indie-Paradies auf der gamescom

(Special)

von Emily Schuhmann (14. August 2017)

Trotz einer geklauten Hebebühne namens Helga und Angst um Bier auf teuren Geräten, hat sich die Indie Arena Booth zur größten Ausstellungsfläche für Indie-Games in ganz Europa gemausert.

Die Indie-Szene steckt bei uns noch immer in den Kinderschuhen. Wir sind bekannt dafür uns übermäßig mit Landwirtschaftssimulatoren oder ähnlichen Spielen zu beschäftigen. Planen und Bauen assoziiert die Welt nur allzu gern mit der deutschen Mentalität. Das wir Geheimtipps und kleine Kunstwerke, wie sie nur in dieser Sparte existieren, sehr zu schätzen wissen, scheint für viele oft unbegreiflich. Wir bei spieletipps gehören zur stetig wachsenden Fan-Gemeinde solcher Spiele und deshalb unterstützen wir die Indie Arena Booth als Medienpartner.

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Schon bald werden auf der gamescom 2017, derweltgrößten Spielemesse in Köln, allerlei interessante Projekte vorgestellt, aber als kleiner Entwickler ohne große Geldmittel ist es so gut wie unmöglich, ein Fleckchen auf der Messe zu ergattern. Warum die Indie Arena Booth nur durch Zufall entstanden ist, was es mit Hebebühne Helga auf sich hat und warum die Arena dieses Jahr fast nicht zustande gekommen wäre, darüber haben wir uns mit Jana Reinhardt, eine der Gründerinnen der Indie Arena, unterhalten.

Wie alles begann

Die Indie Arena an sich hat eigentlich nicht direkt etwas mit der Booth auf der gamescom zu tun. 2013 haben einige befreundete Entwickler festgestellt, dass es in Deutschland absolut keine Kommunikationsplattform für Macher unabhängiger Spiele gibt. Jana Reinhardt, Martin Nerukar und Oliver Eberlei gründeten deshalb die Indie Arena.

Bis heute muss man sich dort um die Aufnahme bewerben, da die Community nicht unkontrolliert wachsen soll. Die Anforderungen sind aber erfüllbar: Bewerber müssen lediglich ein eigenes Spiel vorweisen können. Egal wie groß oder klein, der kreative Funke soll erkennbar sein.

Kreativität und einzigartige Konzepte stehen bei der Indie Arene Booth im Mittelpunkt. Das ganze verpackt in eine Art Spielhalle.Kreativität und einzigartige Konzepte stehen bei der Indie Arene Booth im Mittelpunkt. Das ganze verpackt in eine Art Spielhalle. (Quelle: Indie Arena Booth)

Ein Zufall sorgte dafür, dass sie eine Plattform zur Präsentation ihrer Spiele bekamen. Bei der gamescom 2013 sprang jemand ab und Oliver Eberlei wurde gefragt, ob er nicht einspringen möchte. Da die 40 Quadratmeter für das kleine Studio Hammerlabs viel zu groß gewesen wäre, nutzte er das Forum der Indie Arena.

Bei einem Sitzkreis warf er einfach mal die Frage in die Runde, wer denn Bock auf einen Auftritt auf der gamescom hätte. Die erste Booth entstand dann in Eigenregie im Garten mit Holz aus dem Baumarkt und bis heute sind einige dieser Teile auf jeder Messe am Start. Teils aus praktischen Gründen und zum Teil als Talisman.

Immer größer?

Und bisher scheinen die Glücksbringer tatsächlich ihre Arbeit zu machen. Jana erzählt, dass ihr schlimmstes Erlebnis eine Party am Nachbarstand war. Bei jedem schwankenden Becher zwischen teurer Hardware schwitzten die Veranstalter Blut und Wasser. Auch das Verschwinden von Hebebühne Helga sorgte zwischenzeitlich für Aufregung. Jana ist bis heute überrascht, dass bei all den teuren Geräten ausgerechnet eine Hebebühne abhanden kam.

Dieses Jahr ist die Indie Arena Booth so groß wie noch nie zuvor, aber vergangenen Herbst sah es eher so aus als würde sie dieses Jahr gar nicht stattfinden. Viele stiegen aus, aber die Position so nah am Abgrund brachte die Verbliebenen näher zusammen. Sie rauften sich zusammen, gründeten sogar eine Firma unter dem Namen Indie Arena und bewarben sich um EU-Förderungen - mit Erfolg. Das ermöglicht dem Team dieses Jahr, über 1.000 Quadratmeter mit Spielen zu füllen.

Die Entwickler dieser Spiele haben sich bei der Indie Arena beworben und wurden dann von einer Jury ausgewählt. Newcomer und kleinere Projekte werden in einer Art Arcade gezeigt. Größere Teams dürfen sich mit eigenen Ständen auf der Ausstellungsfläche kreativ austoben. Erstmals gibt es dieses Jahr auch einen einsehbaren Bereich, in dem Youtuber und Journalisten Livestreams machen können.

Auf die Frage wie die Zukunft aussieht, ob sie vielleicht noch größer werden wollen, musste Jana lachen: "Wir wissen ja noch nicht einmal wie sich 1.000 Quadratmeter anfühlen. Vielleicht überfordert uns das total."

Höhepunkte und hohe Erwartungen

Auch dieses Jahr kann die Booth wieder mit Schmuckstücken und innovativen Ideen punkten. Zu Janas Highlights zählt dieses Jahr vor allem Frostpunk. Nach This War of Mine, das durch seine starke Message punktete, sind die Erwartungen bei dieser frostigen Aufbau-Simulation groß. Abgesehen davon steht bei Jana auch Tiny Tanks ganz weit oben auf der Liste. Entwickelt wurde dieses Spiel von den Freiwilligen, die teilweise seit Jahren beim Aufbau des Standes helfen.

Die vorgestellten Spiele stammen nicht nur aus Deutschland, auch Russland, Singapur und Südafrika sind beispielsweise vertreten. Die Finnen hinter Trine sind dieses Jahr mit ihrem neuen Spiel Nine Parchments vor Ort. Bei diesem Multiplayer-Spiel schlüpft ihr in die Rolle von Zauberlehrlingen, die ihre Ausbildung abkürzen wollen und deshalb auf Abenteuerreise gehen.

Einer der großen Namen dieses Jahr ist Dead Cells. Zwar erschien es bereits vor einigen Monaten, aber die Begeisterung für das Spiel ist ungebrochen. Ihr kontrolliert eine Ansammlung von Zellen, die tote Körper in Besitz nimmt und kämpft euch so als Untoter durch monsterverseuchte Level. Und das waren nur zwei der über 80 Spiele, mit denen die Indie Arena Booth bei der diesjährigen gamescom aufwartet.

Tags: Gamescom 2017   Indie  

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