AMD oder Intel: Core i5/i7 oder Ryzen zum Zocken oder Streamen?

von Stephan Schünke (20. August 2017)

Könnt ihr euch noch an die Zeit erinnern, in der AMD den besten Ruf unter den Prozessoren hatte? Als ein Athlon 64 3500+ einen Intel Prozessor problemlos hinter sich gelassen hat? Einige von euch werden das nicht mehr wissen, doch war der CPU-Markt früher spannend und stets voller Wandlung. In den vergangenen zehn Jahren hingegen domminierte der blaue Riese und AMD konnte nicht mehr aufholen. Doch nun veröffentlichte der Chip-Gigant den Ryzen, mit dem nicht nur Gamer sondern auch professionelle Anwender ihren Spaß haben. Wir wollen euch heute einmal die Unterschiede aufzeigen und euch erklären, welcher Prozessor der passende für euch ist.

Vorwort: Fanboy-Schalter ausschalten

Bevor ihr euch an diesen Artikel wagt, ist es wichtig, dass ihr den „Fanboy-Schalter“ ausschaltet und das Thema allumfassend betrachtet. Achtet immer darauf, dass es nahezu egal ist, was auf der Verpackung steht, denn qualitativ hochwertig sind beide Lager. Sinnvoll ist es stets, das Beste für sein Geld zu bekommen und das ist in beiden Lagern möglich, auch wenn Intel in einigen Bereichen aktuell stark zu kämpfen hat. ACHTUNG: Den AMD Ryzen Threadripper sowie den Core i9 werden wir hier nicht mit aufführen, da es sich dabei überwiegend um professionelle Prozessoren handelt.

Die wesentlichen Unterschiede

Intel hat in den letzten Jahren seine Prozessoren nur dezent weiterentwickelt. Große Leistungssprünge gab es von der alten "Sandy Bridge"-Reihe (2000er) nicht mehr. Nur in Sachen Leistungsaufnahme und Grafikeinheit hat der blaue Riese im Laufe der Zeit spürbare Verbesserungen eingeführt. Um die Leistung zu steigern erhöhte Intel in den letzten Jahren fast ausschließlich den Takt. Zwar gab es ein paar Verbesserungen hier und da, jedoch kamen keine interessanten Neuerungen hinzu. Es blieb jahrelang bei zwei und vier Kernen mit oder ohne Hyper Threading.

AMD hat nach dem Fiasko mit dem Bulldozer allerdings gelernt (8000er Reihe) und verbesserte Ryzen nicht nur in Sachen Leistungsaufnahme, sondern spendierte dem Prozessor auch mehr Kerne mit zusätzlichen Threads. Das hat den Vorteil, dass ihr einen Prozessor mit guter Single-Core-Leistung erhaltet, der gleichzeitig zahlreiche Aufgaben bewältigen kann.

Prozessorkerne Intel: 2, 4 und 4 mit 8 Threads (SMT – Simultanious Multithreading)

Prozessorkerne AMD Ryzen: 4, 6, 8 (fast alle mit SMT)

Für die günstigen PCs – Intel und AMD

Für PCs bis zu 500 und 600 Euro stehen von Intel und auch AMD nur zwei sehr interessante Prozessoren zur Auswahl. Auf der Seite von Intel konnte der Pentium G4560 bereits in zahlreichen Tests seine Muskeln spielen lassen. Ausgestattet mit zwei echten CPU-Kernen und zwei weiteren Threads durch SMT ist er ein wahrer Alleskönner für günstige PCs. Er ist nur wenige Prozent langsamer als der doppelt so teure Core i3 7100 und dient hervorragend als günstige Spiele-CPU. Selbst in Verbindung mit einer Geforce GTX 1080 erreicht er zum Beispiel in Battlefield 1 auf maximalen Einstellungen rund 70 bis 80 Frames auf einem 64er Server.

AMD bietet in der Preisklasse von rund 60 Euro keine CPU an, denn der neue Ryzen 3 1200 spielt im Bereich der Core i3 Prozessoren mit. Er kostet rund 100 bis 110 Euro und bringt noch einmal etwas mehr Power mit, dank seiner vier echten Prozessorkerne. Das macht den kleinen Ryzen vor allem für Youtuber mit einem kleinen Budget wieder attraktiv, da er dank der echten Kerne etwas mehr Multitasking beherrscht. Aber auch in Spielen kann er den Pentium locker hinter sich lassen und liegt gleichauf mit dem etwas teureren Core i3 7100.

Fazit: Möchtet ihr lediglich spielen und habt wenig Budget, dann greift zum Pentium, denn dieser bietet die beste Leistung für wenig Geld. Wer Spiele aufnehmen will, der kann hingegen problemlos den Ryzen 1200 nutzen, der mit seinen vier Kernen noch etwas mehr Performance bietet.

Mittelklasse und High-End PCs zum Aufnehmen und Streamen

Plant ihr einen einfachen Spiele-PC mit dem ihr alle aktuellen Spiele problemlos zocken könnt, dann ist ein Core i5 die beste Lösung. Eine hohe Singlecore Performance sowie vier Prozessorkerne reichen für alle aktuellen Spiele aus. Und als wäre das nicht genug, wird fast jeder Core i5 sogar mehr als oder ansatzweise so viel FPS erzeugen können wie ein Ryzen, da Spiele von dem hohen Takt profitieren.

Anders sieht es aus, wenn ihr mit eurem PC streamen möchtet. Hier empfehlen wir eindeutig mindestens einen Ryzen 1500X, der dank seiner acht Threads wunderbar für Streamer geeignet ist. Natürlich bietet ein Core i7 7700 die gleiche Anzahl, jedoch kostet dieser auch fast das Doppelte. Möchtet ihr keine Kompromisse eingehen und die beste Streaming-Leistung erhalten, dann ist ein Ryzen 5 1600 oder sogar ein Ryzen 7 von Vorteil Wir haben den Test bereits gemacht und verglichen einen Ryzen 1700X mit einem Intel Core i7 7700K beim Streaming. Als Spiel nutzen wir Battlefield 1, das wunderbar mit mehreren Kernen skaliert. Während Intels Prozessor zusammen mit einer Geforce GTX 1080 Ti rund 90-110 FPS erreichte und im Streaming durchweg zu 100 Prozent ausgelastet war, schaffte der Ryzen konstant über 130 FPS mit einer Auslastung von rund 40 bis 50 Prozent.

Singlecore Performance vs. Multicore Performance

AMD bietet mit seinem Ryzen einen Prozessor an, der Intel in Sachen Singlecore-Leistung nicht in allen Belangen das Wasser reichen kann. Das zeigten in den letzten Monaten zahlreiche Tests. Das macht den Ryzen etwas schwächer für Spiele, da diese zur aktuellen Zeit noch sehr takthungrig sind und nur sehr selten mehrere Kerne ausnutzen. Wer allerdings viel Multicore Performance benötigt, wie beispielsweise beim Streamen von Gameplay oder beim Rendern von Videos, der kommt um einen Ryzen kaum herum. Schon ein Ryzen 7 1700, der günstiger als ein Core i7 7700 von Intel ist, schlägt diesen um Längen. Möchtet ihr hingegen nur spielen, so könnt ihr bedenkenlos zu einem Intel Prozessor greifen, der in vielen Spielen deutlich stärker ist als ein Ryzen.

Wollt ihr mehr oder nur spielen?

Abschließend können wir sagen, dass ihr die richtige CPU anhand des Anwendungsgebietes wählen solltet. Ein Intel Prozessor dominiert auch aktuell noch bei den meisten Spielen und erreicht dank seiner hohen Singlecore Performance die höchste Framerate. Das verdankt er seinem hohen Takt, der allerdings auch für hohe Temperaturen sorgt, was ihr besonders beim Core i7 7700 sehr gut sehen könnt.

Soll der PC für mehr herhalten, dann lohnt sich ein AMD Ryzen 5 oder 7, der mit 8, 12 oder sogar 16 Threads für Streamer und Youtuber wunderbar geeignet ist. Er rendert schneller als jeder Intel Core i7 und bringt reichlich Leistung für das Streaming mit zu euch nach Hause, ohne dabei an Spieleleistung zu verlieren. Natürlich müsst ihr euch damit abfinden, dass ein Ryzen rund 5 bis 10 Prozent weniger FPS generiert, was bei hohen Framerate-Zahlen (jenseits von 100) etwa 5 bis 10 FPS ausmachen kann.

Tags: Hardware  

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