"Gamer sind Personen"

(Kolumne)

von Matthias Kreienbrink (23. August 2017)

Auf so einer Messe wie der gamescom steht die Show im Mittelpunkt. Vergessen wird dabei aber etwas, dass „Gamer“ keine homogene Masse sind. Schön, dass diese Zwischentöne in der Wahlkampfarena mitschwangen.

Die Politik hat die gamescom gefunden. Und damit auch die „Gamer“. So könnte man den Umstand etwas polemisch umreißen, der dieses Jahr auf der gamescom vorzufinden ist. Nicht nur hat Kanzlerin Angela Merkel (CDU) die Messe eröffnet, auch fand zur Eröffnung des gamescom congress eine Podiumsdiskussion statt, nämlich die Wahlkampfarena. Politiker von CDU, SPD, Die Linke, Grüne und FDP nahmen an dieser teil. Geführt wurde die Diskussion von Colin Gäbel von den Rocket Beans, Florian Mundt alias LeFloid und Peter Smits von PietSmiet.

Freilich wurden hier einige Allgemeinplatze von den Politikern abgehandelt: Natürlich müsse man Games viel mehr fördern. Ja, Glasfaserkabel auch auf dem Land, das sei ein sehr wichtiges Thema. Und natürlich wollen alle auch eine Digitalisierung der Schulen und Universitäten, einen selbstverständlicheren Umgang mit Spielen und anderen digitalen Themen.

Alle waren sie sich also einig, dass Videospiele ein wichtiges Thema sind, sowohl kulturell als auch wirtschaftlich.

Neben den Allgemeinplätzen – die, nicht falsch verstehen, durchaus auch wichtig sind, zeigen sie doch ein Engagement dieser Politiker – gab es jedoch auch ein paar sehr interessante Momente. So wurde etwa die Frage in den Raum gestellt, wie man denn „Gamer“ als Politiker ansprechen könne. Darauf antwortete Michael Kellner (Bündnis 90/Die Grünen) prompt mit dem Satz "Es gibt nicht 'die Gamer'. Gamer sind Personen."

Michael Kellner: "Es gibt nicht 'die Gamer'. Gamer sind Personen.Michael Kellner: "Es gibt nicht 'die Gamer'. Gamer sind Personen.

So eine Aussage mag zunächst selbstverständlich klingen. Doch ist sie das in unserer Industrie nicht. Zu oft wird vergessen, dass wir alle Menschen mit ganz unterschiedlichen Ansichten, Hobbys und Leidenschaften sind. Für sehr viele Menschen sind Videospiele nur ein Thema von vielen. Und diese Menschen kann die Politik daher auch als Personen ansprechen, als Bürger. Nicht als „Gamer“. Auch Peter Tauber (CDU) sieht das so. Er sagte, dass wohl nur ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung seine Wahl allein davon abhängig macht, wie eine Partei zu Videospielen steht, forderte aber gleichzeitig die Industrie auf, energischer für ihre Interessen einzutreten, nicht immer nur in der Defensive gegenüber der Politik aufzutreten.

Auch Matthias Höhn (Die Linke) sah diese Diversität als den großen Vorteil. Kaum ein Medium könne die Menschen so verbinden wie Videospiele. Wenn etwa Menschen auf der ganzen Welt zusammen spielen würden, durch ihre liebsten Spiele miteinander verbunden sind. Da geht Spielen unweigerlich immer über Grenzen.

Gerade auf einer so großen Messe wie der gamescom geht schnell unter – übertönt von allem Pomp, aller Show – dass wir keine eingeschworene Masse sind, nicht nur unkritische Konsumenten von Videospielen. Da passte es, dass Hubertus Heil (SPD) die drei "T" einforderte: Technik, Toleranz und Talent. Nur wenn Deutschland eine offene Gesellschaft habe, könnten auch Talente hierher gezogen werden. Talente wiederum, die dann der deutschen Videospielbranche stark helfen könnten. Für diese Offenheit können „Gamer“ sorgen. Indem sie sich öffnen und nicht abschotten.

Übrigens: Damit ihr nicht den Überblick verliert, haben wir alle wichtigen Meldungen von der gamescom für euch gesammelt und fein säuberlich nach Datum sortiert. Folgt einfach diesem Link.

Tags: Gamescom 2017   Politik  

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