Test Everybody's Golf: Bogey trotz Parade-Abschlag

von Michael Krüger (30. August 2017)

Die fröhliche Golf-Videospielreihe von Sony feiert ihr zwanzigjähriges Jubiläum und debütiert auf der PlayStation 4. Ambitionierter denn je und mit jeder Menge Inhalten im Gepäck. Doch treffen alle Entscheidungen das Green?

Everybody's Golf ist der neueste Ableger einer waschechten PlayStation-Traditionsserie. Jede von Sonys Konsolen wurde bislang mit einer eigenen Fassung bedacht und Hoffnungen auf eine großartige neue Version sind angesichts der modernen Technik der PS4 durchaus berechtigt.

Das Motto des neuesten Teils scheint "Mehr von allem!" zu lauten. Neben gewohnt unterhaltsamen Golf-Partien eröffnen frische Interaktionsmöglichkeiten mit anderen Spielern, ein Multiplayer-Modus, der fast eines MMOs würdig ist und zusätzliche Beschäftigungen, wie Angeln und Golfkart-Fahren, großes Potential. Ob am Ende ein beständiges Spielerlebnis dabei herauskommt, zeigt ein Auge aufs Detail.

Viel zu tun als frischgebackener Golfer

Habt ihr bislang noch keine Golfspiele angerührt, dürfte sich der Einstieg von Everybody's Golf für euch etwas holprig anfühlen. Im Grunde werdet ihr nämlich recht schnell ins kalte Wasser geworfen. Da sind dezente Vorkenntnisse sicher nicht verkehrt, denn ohne eine Art Tutorial nehmt ihr im Einzelspieler-Modus direkt an Turnieren teil.

Auch die Windrichtung ist für einen gelungenen Abschlag entscheidend.Auch die Windrichtung ist für einen gelungenen Abschlag entscheidend.

Die Lernkurve ist ab hier allerdings angenehm. Selbst wenn ihr die ersten Plätze deutlich über Par und damit auf einem der letzten Ränge abschließt, stellen sich schon bald erste Erfolge ein und ihr erkennt, worauf es beim Schlagen ankommt.

Hier hat sich im Vergleich zu den Vorgängern etwas geändert. So besteht jeder Schwung, nachdem ihr die Richtung und den Schläger bestimmt habt, aus drei interaktiven Kommandos (sprich: ihr drückt auf Knöpfe). Das erste beginnt den Schwung, das zweite bestimmt die Stärke und das dritte entscheidet, wie gut ihr den Ball trefft. Das bedarf etwas Eingewöhnung, da euch besonders der Abschluss bei Fehlern hart bestraft. So kann es vorkommen, dass ihr perfekt die gewünschte Stärke justiert, doch den Schlag am Ende derart versemmelt, dass der Ball komplett in die falsche Richtung fliegt. Umso befriedigender sind gelungene Meisterschüsse. Und die gelingen bereits nach wenigen Runden Übung.

So stetig wie die Lernkurve, ist auch der Verlauf eurer Karriere. Doch auch mindestens so langsam. Immer dann, wenn ihr genügend neue Zuschauer für euch begeistert habt, wartet ein Gegenspieler, vergleichbar mit einem Endboss. Habt ihr davon eine ausreichende Anzahl besiegt, erreicht ihr den nächsten Rang und schaltet neue Golfplätze frei.

Rein für sich genommen, ist das Tempo des Einzelspieler-Modus genau richtig. In angenehmen Abständen schaltet ihr neue Schläger, Fähigkeiten und Aktionen frei, so dass es eigentlich nie wirklich langweilig wird. Problematisch ist da eher der Umstand, dass ihr im Mehrspieler-Modus nur die im Singleplayer erhaltenen Plätze nutzen könnt, was die Auswahl zu Beginn empfindlich einschränkt. Doch das ist nicht die einzige fragwürdige Entscheidung in Sachen Multiplayer.

Spaßig, aber nicht ganz fair

Eines vorweg: Der Mehrspieler-Modus geizt nicht mit unterhaltsamen Ideen und Momenten. Alleine schon die Revierkämpfe, in denen ihr mit eurem Team gegen eine andere Mannschaft antretet und dabei versucht, möglichst viele Löcher zu schlagen, sind für sich genommen gelungen. Hier wechseln sich rasante Fahrten im Golfkart mit taktischen Diskussionen über die Reihenfolge der Löcher und natürlich angespannten Golf-Partien ab.

Besiegte Computer-Gegner verbessern eure Charakterwerte.Besiegte Computer-Gegner verbessern eure Charakterwerte.

Doch wie bereits angedeutet, läuft hier nicht alles rund. So gibt es ein Item, das euch schnelle Warps erlaubt. Habt ihr genügend davon auf Lager, seid ihr anderen Spielern gegenüber im Vorteil. Dadurch ist es möglich, sich spielentscheidende Boni mit echtem Geld zu kaufen, was den Spaß beizeiten trübt.

Ein anderer Aspekt wirkt ebenfalls nicht ganz zu Ende gedacht. Ihr verbessert euren Charakter nämlich durch Spielen. Gelingen euch beispielsweise viele starke Schüsse mit einem bestimmten Schläger, steigt mit diesem eure Kraft. Für den Einzelspieler-Modus ist das ein sinnvolles Fortschrittssystem, das recht analog zu realen Trainingserfolgen verläuft. Im Mehrspieler-Modus entsteht dadurch allerdings häufig ein Ungleichgewicht. Gerade, wenn ihr gegen geübte Spieler antretet und diese dann aufgrund größerer Spielzeit den Ball weiter als ihr schlagen können, stellt sich schnell Frust ein.

Das ist vor allem deswegen schade, weil der Mehrspielermodus mit seiner großen und offenen Lobby eine echte Bereicherung darstellt. Selbst wenn ihr ganz alleine spielt, habt ihr dennoch das Gefühl Teil einer großen Gemeinschaft zu sein, wenn überall um euch herum andere Spieler ihren Beschäftigungen nachgehen. Überhaupt liegt im sonnigen Gemüt von Everybody's Golf dessen größte Stärke. Spaß steht klar im Vordergrund und das seht ihr sowohl an der detaillierten Spielwelt, als auch an den vielen Möglichkeiten im Charaktereditor, mit dessen Hilfe ihr im Handumdrehen eine knuffige Anime-Version von euch selbst bastelt.

Meinung von Michael Krüger

Größere und offenere Spielfelder, mehr Aktivitäten, ein ideenreicher Mehrspieler-Modus und eine langlebige Einzelspieler-Erfahrung. Viel mehr hätte ich mir von einem neuen Ableger der Reihe nicht wünschen können und Everybody's Golf bedient diese Anforderungen zu einem großen Teil. In der Feinabstimmung mangelt es jedoch etwas an cleveren Entscheidungen, so dass nicht alle Aspekte des Spiels ihr Potential voll ausschöpfen.

Für mich persönlich stellt das kein unüberwindbares Problem dar, da ich sowieso den Einzelspieler-Modus bevorzuge. Solltet ihr vorrangig auf Multiplayer-Partien aus sein, dürftet ihr über die eine oder andere Spaßbremse stolpern. Auch die Optik ist zumindest von Seiten der Qualität noch ausbaufähig. Zumindest sind nun die Plätze deutlich größer und erlauben euch auch dann euer Spiel fortzusetzen, wenn der Ball mal auf einem benachbarten Fairway landet. Insgesamt ist Everybody's Golf eine spannende Weiterentwicklung, wenn auch nicht alles im Spiel so richtig sinnvoll erscheinen will.

75

meint: Gewohnt bunt und fröhlich erweitert Everybody's Golf in mancherlei Hinsicht den Horizont des Genres, schafft jedoch nicht den Abschlag zur Massentauglichkeit.

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Tags: Singleplayer   Multiplayer  

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