Test Chromagun: Spiel hui, Anfang pfui

von Daniel Kirschey (31. August 2017)

Portal, aber mit Farben und alter Grafik aus Deutschland. Hört sich erst einmal nicht so toll an ... ABER!

Rätselspiele aus der Ego-Perspektive sind eher selten. Aber nicht so rar gesät, dass allgemeine Trauer ausbrechen würde, wenn eines der wenigen erscheint und dieses dann echt mies ist. Wer bei sich daheim Portal, Portal 2 und auch das famose The Talos Principle stehen hat, ist nicht auf einen drittklassigen Versuch irgendeines Entwicklers angewiesen.

Die Frage stellt sich dann auch bei jedem Spiel, das neu erscheint: "Warum sollte ich dafür meine Lebenszeit opfern?" Das klingt etwas hart, meistens läuft es aber darauf hinaus. Die meisten Beenden ein Spiel nach ein paar Minuten, wenn es hässlich ist, sich nicht gut steuert und das Spielprinzip Langeweile auslöst. Manchmal ist es aber besser, diese Intention zu unterdrücken. Manchmal muss dann auch ein Test genau dies ansprechen und Spieler dazu aufrufen: Spielt weiter! Gebt dem Spiel eine Chance! So ein Fall ist Chromagun.

Nicht hübsch, aber trotzdem nicht ausschalten

Chromagun zeigt seine eher unschöne Seite direkt zu anfang. Weiße Wände, texturiger Himmel, der hinter den Fenstern klebt und eine Dame, die grafisch etwa aus dem Jahr 2010 stammt. Wirklich hübsch ist Chromagun nicht. Hier sind wir an dem Punkt, an dem ausgerufen werden muss: Lasst euch davon nicht abschrecken!

Chromagun ist ein typisches Spiel der Kategorie: Die Grafik erfüllt ihren Zweck und schon in Kürze pfeift ihr darauf, dass das Spiel nicht zur Speerspitze der Grafikelite gehört. Denn im Gegensatz zu vielen Spielen, bei denen "Style over Substance" - zu Deutsch: "Mehr Schein als Sein" - bei Spielern gut ankommt, weil doch die Grafik "so geil" ist, bietet Chromagun etwas, was für ein Spiel viel wichtiger ist: eine echt gute Spielmechanik.

Fesselnde Rätsel

Chromagun schafft es nämlich ein einfaches Spielprinzip einzuführen und dieses gekonnt und stetig zu erweitern. Im ersten Rätselraum angekommen, erhaltet ihr die Chromagun, nach der das Spiel benannt ist. Eine Erzählerstimme aus dem Off begleitet euren Weg. Egal ob auf Deutsch oder Englisch - die Snychonisation und die Texte sind erstaunlich gut.

Ratet mal, wie ihr die Farbe Lila hinbekommt.Ratet mal, wie ihr die Farbe Lila hinbekommt.

Die Farbpistole verschießt - Überraschung - Farbe. Statt Portale zu verschießen, oder Spiegel und Laser anzuordnen, färbt ihr Dinge ein. Ein Workerdroid in Gelb getunkt schwebt automatisch zu einer gelben Wand und wird von dieser angezogen. Das ist das einfache Prinzip. Schnell bekommt ihr heraus, dass zwei gelbe Wände in einem Raum das Verhalten der Droiden beeinflussen. Schon mit nur einer Farbe sind eine Menge Rätsel möglich. Dann kommt die Farbe Blau und schließlich Rot hinzu. Die Grundfarben - für alle, die der Farbenlehre in der Schule überdrüssig waren. Aus denen könnt ihr andere Farben mischen.

Ihr kommt wohl jetzt selbst drauf. Unterschiedliche Droiden und unterschiedliche Farben mit unterschiedlichen Raumaufteilungen gleich ziemlich viel Rätselspaß. Hier glänzt Chromagun von seiner besten Seite. Die Rätsel sind fordernd und das Knacken dieser ist schlicht befriedigend. Wenn ihr den etwas zähen Tutorial-Anfang überwunden habt, erwartet euch ein Puzzlespiel, dessen Rätselprinzip und Rätsel-Design durchaus in einer Liga mit Portal 2 liegen. Da schaut ihr dann auch gerne über die etwas sterile Präsentation und die vielen Ladebildschirme hinweg.

Meinung von Daniel Kirschey

Ich bin echt froh, nicht nach dem Anfang des Spiels die PS4 ausgemacht zu haben. Der Anfang hinterlässt erst einmal keinen guten Eindruck. Das Spiel ist nicht besonders hübsch und der erste Haufen an Rästelräumen zieht sich. Doch zum Glück sind die Rätsel im Verlauf des Spiels schlicht großartig. Wenn ich erstmal in die Rätsel-Welt von Chromagun eintauche, dann passt es. Der berüchtigte Funke springt über. Das liegt am Spielprinzip.

Denn mit einfachen Mitteln werden immer komplexere Rätsel erstellt, die immer wieder neue Aspekte einbeziehen. So wird es auch nicht langweilig. Nach ungefähr sechs Stunden war ich durch. Und der Ersteindruck war schon seit fünf Stunden verschwunden und ist glänzenden Rätselaugen gewichen.

76

meint: Nicht dem ersten Eindruck trauen: Gutes Rätsel-Design hebt das Spiel über die mäßige Grafik hinaus.

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Tags: Science-Fiction  

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