Test Life is Strange - Before the Storm: Ein ernüchternder Auftakt voller Widerworte

von Michael Krüger (01. September 2017)

Knapp zwei Jahre nach der letzten Episode des Vorgängers, bringt euch Square Enix zurück nach Arcadia Bay, doch nicht mehr aus der Feder von Dontnod. Nun zeigt sich, ob der Entwicklerwechsel eine gute Entscheidung war.

Life is Strange schaffte es viele Spieler zu überraschen. Die zunächst relativ harmlose Geschichte rund um das junge Mädchen Max, das mithilfe von übernatürlichen Kräften die Zeit manipuliert, überzeugte durch unbequeme Themen und eine stilsichere sowie intensive Darstellung.

Nun erzählt Life is Strange - Before the Storm in Form eines Prequels die Vorgeschichte der Ereignisse. Ohne Max, dennoch mit vielen bekannten Gesichtern. Im Zentrum der Handlung steht Max' beste Freundin Chloe Price, die nach dem Tod ihres Vaters sowohl mit ihrer Trauer als auch den typischen Sorgen eines Teenager-Mädchens zu kämpfen hat. Ihre Superkraft? Ein loses Mundwerk.

Teeny-Sorgen statt Mysterium

Ohne große Umschweife wirft euch die erste Episode von Life is Strange - Before the Storm direkt in den rebellischen Alltag von Chloe. Diese scheint sich nicht für viel zu interessieren, außer Selbstzerstörung und lauter Musik. So besteht eure erste Aufgabe darin, euch Zutritt zu einem Underground-Konzert zu verschaffen.

Chloes Mutter ist gewohnt besorgt um ihre Kleine.Chloes Mutter ist gewohnt besorgt um ihre Kleine.

Tragische Ereignisse wie der Tod einer Mitschülerin oder der nahende Sturm wie im ersten Teil, fehlen in der ersten Episode von Before the Storm. Die Handlung konzentriert sich im Grunde nur auf Chloe, ihre Probleme mit dem neuen Freund ihrer Mutter und darauf, wie sie Rachel Amber kennenlernt. Eine Figur, die in der ersten Staffel eine zentrale Rolle spielt.

Die Geschichte wird zwar relativ unterhaltsam erzählt, doch schafft dies kaum den Mangel an Brisanz auszugleichen. Zwar gibt sich die Erzählweise große Mühe ein Gefühl von Tragik zu vermitteln, doch nimmt sie sich dafür eigentlich zu wenig Zeit. Selbst wenn ihr euch lange mit den jeweiligen Umgebungen abgebt und jeden Informationshappen in euch aufsaugt, gewinnen nur wenige Aspekte der Handlung an Gewicht.

"Selber doof!"

Dieser Umstand äußerst sich auch spielerisch. Natürlich ist es schwierig eine Geschichte zu erzählen, deren Ausgang ihr als Spieler bereits kennt. Auch der Umstand, dass ihr dieses Mal keine Superkraft euer eigen nennt, nimmt den Mechaniken ein gutes Stück Spannung. Das versucht Entwickler Deck Nine zu lösen, indem Chloe an entscheidenden Stellen Wortgefechte bestreitet. Im Grunde keine schlechte Idee, doch die Ausführung wirkt eher banal als clever.

Mittels Nachplappern kriegt man scheinbar auch die stärksten Typen klein.Mittels Nachplappern kriegt man scheinbar auch die stärksten Typen klein.

Befindet ihr euch gerade in einer dieser Konfrontationen, ist es eure Aufgabe, auf bestimmte Schlüsselwörter in der Aussage eures Gegenübers zu achten und zu reagieren. Greift ihr diese nun in eurer Antwort auf, erhaltet ihr einen Punkt und nähert euch dem Erreichen eines Sieges. Dadurch entsteht allerdings weniger der Eindruck, Chloe wäre eine geschickte Wortakrobatin, sondern viel mehr das Gefühl, dass sie den Leuten auf nervige Art das Wort im Mund umdreht. Das mag schon recht typisch für einen Teenager sein, doch spielerisch ist es nicht gerade ergiebig.

Von Seiten der Darstellung ist zu erkennen, dass sich Deck Nine viel Mühe gegeben haben, die Präsentation des Vorgängers zu erhalten, während sie technisch an Qualität zulegen. Dabei bleibt allerdings auch eine gewisse Portion Charme auf der Strecke. Die generelle Optik wirkt nun arg glatt und die Figuren teilweise immens steif. Die Stimmen sind in Ordnung, allerdings erneut nur auf Englisch verfügbar. Wirklich gelungen ist dafür wieder einmal der Soundtrack. Hier beweisen die Entwickler ein gutes Gespür für die Auswahl der Stücke und setzen bewusst auch mal Pausen, um die Bilder für sich sprechen zu lassen.

Meinung von Michael Krüger

Der Auftakt zu Life is Strange - Before the Storm lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück. Irgendwie bin ich froh, wieder in Arcadia Bay zu sein und bekannte Gesichter zu sehen. Manche Aspekte, die mir schon an Life is Strange gefallen haben, finde ich auch hier wieder. Trotz mancher Kritikpunkte finde ich einen emotionalen Zugang zu den Figuren und lasse mich auf die emotionale Reise ein. Doch das Erzähltempo und die teilweise aufgesetzt wirkenden Mechaniken verhindern eine vergleichbar intensive Tragik. Chloe ist deutlich undifferenzierter als es Max war und wirkt im Vergleich eindimensional, was automatisch zu weniger moralischen Konflikten führt. Es macht zwar Spaß, die Rolle des rebellischen Teenagers zu spielen, doch bietet das Erlebnis wenig Spielraum.

Glücklicherweise handelt es sich bei Awake nur um die erst von insgesamt drei Episoden, so dass es in den kommenden Folgen sicher noch Überraschungsmomente gibt. Trotz der Kritikpunkte hat Life is Strange - Before the Storm auch jetzt schon ein paar schöne Ideen und macht Lust drauf, den Rest der Handlung zu erleben, wenn auch nicht im gleichen Ausmaß wie die Geschichte von Max.

72

meint: Die neue Staffel startet unerwartet holprig und wirkt noch etwas wenig durchdacht. Dennoch macht sie neugierig auf den weiteren Verlauf der Handlung.

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Tags: Singleplayer   Episoden  

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