Test Monster Hunter Stories: So genial spielt sich die RPG-Variante

von Michael Krüger (07. September 2017)

Ein kindlicher Look, rundenbasierte Kämpfe und eine gewohnt umfangreiche Spielwelt - Capcom bricht mit Traditionen der hauseigenen Serie und öffnet sie für ein jüngeres Publikum.

Nachdem japanische Spieler bereits seit längerem ihre Zeit in der Welt von Monster Hunter Stories verbringen dürfen, ist nun auch der westliche Markt an der Reihe. Auch wenn wesentliche Merkmale bisherigen Spielen wie Monster Hunter 4 Ultimate oder Monster Hunter Generations ähneln, wird schnell klar, dass es sich bei Monster Hunter Stories um ein anderes Konzept handelt.

Wie der Name schon vermuten lässt, liegt der Fokus dieses Mal nämlich auf der Handlung. Zusätzlich soll ein bunterer Anstrich mit großäugigen Figuren auch jüngere Spieler begeistern und Lust auf die Monster-Jagd machen. Diese ist nun weniger actionlastig, sondern orientiert sich spielerisch an 3DS-Spielen wie Pokémon - Mond und Yo-Kai Watch.

Die Formel wirkt schon auf dem Papier recht ansprechend und der Name Monster Hunter schürt ebenfalls direkt Hoffnung auf einen weiteren Klassiker für Nintendos Handheld. Doch damit geht auch eine nicht zu unterschätzende Verantwortung einher. Immerhin wollen auch eingefleischte Fans der Serie auf ihre Kosten kommen.

Der Name ist Programm

Als eines der wenigen Kinder im Dorf Hakuma, steht für euch bereits früh fest, dass ihr ein Rider werden wollt, sobald ihr älter seid. Dieser spezielle Beruf erlaubt euch das Zähmen von Monstern, im Spiel auch gerne "Monsties" genannt, und befähigt euch gemeinsam mit solchen in den Kampf zu ziehen. Anders als bei den meisten anderen Spielen der Reihe, nimmt sich Monster Hunter Stories viel Zeit dafür, die Handlung zu erzählen.

Gezähmte Monster kämpfen an eurer Seite.Gezähmte Monster kämpfen an eurer Seite.

Dazu gehören gewohnt bezaubernde Zwischensequenzen und so mancher handlungsrelevanter Schicksalsschlag. Ohne allzu große Sprünge findet die Geschichte stets angemessene Motivationsgrundlagen für euer Handeln und setzt euch in regelmäßigen Abständen neue Charaktere vor die Nase, die sowohl wichtig für den weiteren Verlauf, als auch oftmals liebenswert und charmant sind.

Hier und da macht sich auch der serientypische Humor bemerkbar, der wie nicht anders zu erwarten, des Öfteren auch mal etwas nerven kann. Das bleibt allerdings im Rahmen, was wohl auch davon abhängt, wie viele Wortspiele mit Katzen-Begriffen ihr ertragt. Fest steht: Die Geschichte ist nicht nur für die jüngeren interessant genug, um ihr zu folgen. Und da sie euch in passenden Abständen in frische Gebiete führt, besteht kaum ein Risiko für Langeweile.

Unterhaltsam, doch nicht vollständig konsequent

Wie eingangs erwähnt, hebt sich Monter Hunter Stories von seinen Vorgängern vor allem durch das Kampfsystem ab. Kommt es zu einem Gefecht, steht ihr gemeinsam mit einem Monstie eurer Wahl einem oder mehreren Feinden gegenüber und wählt aus einer Reihe von Aktionen die vielversprechendste aus. Neben klassischen Elementen, wie der Verwendung von Objekten oder dem Austauschen des Kampfpartners, konzentrieren sich die Kämpfe hauptsächlich auf ein Prinzip, das ähnlich wie Schere-Stein-Papier funktioniert.

In Städten warten neben den Story-Quests auch Nebenmissionen.In Städten warten neben den Story-Quests auch Nebenmissionen.

Dabei versucht ihr einerseits durch gesammelte Erfahrungswerte und andererseits durch geschicktes Raten vorherzusehen, ob euer Gegenüber als Nächstes einen Kraft-, Geschwindigkeits-, oder Technikangriff ausführt. Entsprechend eurer Vermutung wählt ihr die stärkere Reaktion. Das funktioniert die meiste Zeit über recht gut, allerdings könnt ihr nur für euren Charakter den Angriff manuell bestimmen. Was euer Monstie vorhat, unterliegt zum Teil dem Zufall.

Zufall spielt generell eine etwas zu große Rolle in den Gefechten, so dass sie zwar eigentlich immer Spaß machen, aber gleichzeitig das letzte Quantum Taktik vermissen lassen. Das ist vor allem deshalb schade, weil die Werkzeuge für großartige Kämpfe eigentlich alle vorhanden sind. Kombo-Angriffe, die ihr gemeinsam mit eurer Bestie ausführt, sind beispielsweise nicht nur effektiv, sie erfordern auch strategische Planung. Diese Tiefe wäre insgesamt mit Sicherheit konstanter, gäbe es weniger Zufallselemente.

Solides Gesamtpaket

Auch die Aufgaben lassen zuweilen etwas an Konsequenz vermissen. Immerhin handelt es sich bei Monster Hunter Stories um ein ordentlich umfangreiches Spiel. Dass ein Großteil eurer Missionen aus den üblichen Sammelaktionen besteht, passt da einfach nicht ganz reibungslos ins Konzept. Das bedeutet aber nicht, dass das Spiel keinen Spaß macht. Selbst wenn ihr gerade nur eine bestimmte Anzahl an Monstern erlegen müsst oder auf der Suche nach einem speziellen Rohstoff seid, ist Monster Hunter Stories ein spaßiges Unterfangen. Mehr Abwechslung wäre dennoch schön gewesen.

Die Weitsicht ist teilweise verblüffend hoch.Die Weitsicht ist teilweise verblüffend hoch.

Das gilt zum Beispiel auch für die Monsteraufzucht. Diese besteht nämlich lediglich daraus, dass ihr aus einem Mini-Dungeon ein Ei klaut und dieses zum Brüter bringt. Nun tippt ihr mit dem Finger ein paar Mal auf das Ei und schon habt ihr ein neues Monstie. Natürlich erscheinen diese Mechaniken nicht sinnlos, doch aufgrund ihrer repetitiven Natur nutzen sie sich viel zu schnell ab.

Glücklicherweise stellen diese Elemente nur einen Teil des Gesamtkonzepts dar. Einen Großteil eurer Zeit verbringt ihr mit Entdeckungstouren, dem Kennenlernen neuer Figuren und teilweise ordentlich schweißtreibenden Boss-Kämpfen, die nicht nur spielerisch zu den Höhepunkten gehören, sondern auch von Seiten der Präsentation.

Über viele Spiele wird gesagt, sie seien der optische Zenit des 3DS und auch Monster Hunter Stories verleitet teilweise zu solchen Aussagen. Fest steht: Es gehört zu den hübscheren Spielen für Nintendos Handheld und bietet in manchen Abschnitten eine ungewöhnlich hohe Sichtweite. Während der 3D-Modus zuweilen stark verpixelt aussieht, überzeugt Monster Hunter Stories vor allem in 2D durch eine saubere Optik, kräftige Farben und eine durchweg charmant designte Spielwelt, inklusive knuddeliger Fellnasen und verspielten ...

... Monsties.

Meinung von Michael Krüger

So sehr ich die Serie liebe, war mir die Steuerung eigentlich immer ein wenig zu fummelig auf dem 3DS. Umso glücklicher bin ich über die Ankündigung des PS4-Ablegers Monster Hunter World. Dieses hinterlässt mit Sicherheit eine Lücke auf Nintendos Handeld und da kommt Monster Hunter Stories gerade recht, um diese zu füllen. Das Kampfsystem mag nicht perfekt sein, doch ist es ergiebig und bei weitem nicht so anstrengend für die Finger wie die Action-Kämpfe der Vorgänger. Hinzu kommt eine niedliche und oft spannende Geschichte und eine sauber abgestimmte Mischung bewährter Elemente der "Monster Hunter"-Reihe.

Für alle, denen Monster Hunter bisher zu trocken war, oder die Spiele wie Pokémon und Yo-Kai Watch mögen, dürfte Monster Hunter Stories der nächste Pflichtkauf für den 3DS sein. Doch auch hartgesottene Fans der Reihe werden wohl Gefallen an der etwas bunteren und knuddeligeren Version finden.

87 Spieletipps-Award

meint: Trotz kleinerer Kritikpunkte an den Kämpfen und der Auswahl der Aufgaben ein gelungenes Abenteuer, das gleichermaßen Neulinge und Veteranen der Reihe erfreut.

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Tags: Singleplayer   Fantasy   Koop-Modus  

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