Yakuza Kiwami: War das Remake nötig?

(Kolumne)

von Daniel Kirschey (08. September 2017)

Überall Remakes - Lohnt es sich eigentlich, die alten Kammellen nochmal aufzuwärmen? Gerade bei einem so nischigen Spiel wie Yakuza Kiwami ist die Frage berechtigt.

Ab und zu lässt man sich als Spiele-Redakteur auf ein Experiment ein. Nicht jeder kann immer alles spielen. Einige Spiele und ihre ganzen Serien gehen einfach unter. So erging es mir mit der Yakuza-Reihe. Bis vor kurzem habe ich keinen Teil gespielt. Ich wusste, die Reihe ist in Japan beliebt, im Westen nischig, aber wird von Fans hochgehalten.

Irgendwann soll Yakuza 6 für die PlayStation kommen. Mit dem sechsten Teil einzusteigen, ist unbefriedigend. Für mich zumindest und vor allem dann, wenn dauernd Kumpels erzählen, wie wichtig die Handlung in den Yakuza-Spielen ist. Die PS2-Version spielen? Yakuza hat mich durchaus gereizt, jedoch nicht so, dass ich es auf der PS2 spielen will. Jetzt sind in kurzer Zeit hintereinander Yakuza Zero und Yakuza Kiwami erschienen. Prequel und Remake des ersten Teils. Der perfekte Moment, um in die Yakuza Welt abzutauchen.

Das Experiment

Deshalb das Experiment: Mit der Frage im Kopf "War das Remake nötig?" habe ich den ersten Yakuza-Teil gespielt. Neben einigen Hardcore-Fans bin ich - als jemand, der die Serie nicht kennt - wohl die Zielperson dieses Remakes. Wie funktioniert ein Spiel, das im Kern ein Spielprinzip aus der Vergangenheit vertritt, im Jahr 2017 auf der PS4? Und kann es auch noch nach elf Jahren ähnlich überzeugen wie früher? Der Test beginnt.

Zuerst habe ich mir mal die Unterschiede der beiden Versionen angeschaut. Ich wollte wissen, was sich verändert hat. Im Video bekommt ihr davon einen Eindruck:

Es ist durchaus erstaunlich wie nah die Entwickler dem Original gekommen sind, oder? Die Spielmechanik scheint nicht wirklich verändert worden zu sein.

Erzählrhythmus

Was jedoch am Beginn des Spiels sofort auffällt: Der Erzählrhythmus ist gewöhnungsbedürftig. Es ist ähnlich wie wenn ihr ältere Serien oder Filme mit modernen vergleicht. Hat irgendjemand von euch in letzter Zeit Akte X geschaut? Die Folgen kommen einem geradezu träge vor. Action ist rar gesät. Den Dialogen wird mehr Raum geschenkt. Es gibt keine hektischen Schnitte.

Sieht auf jeden Fall schick aus. Die Erzähltechnik lässt sich aber nicht aus einem Bild herauslesen.Sieht auf jeden Fall schick aus. Die Erzähltechnik lässt sich aber nicht aus einem Bild herauslesen.

Oder nehmt einen alten "James Bond"-Film und schaut euch im Vergleich dazu "Ein Quantum Trost" an. Da ist mir besonders der Anfang in Erinnerung geblieben. Die wilde Verfolgungsjagd zweier schwarzer Wagen und alles so schnell geschnitten, dass die Hektik und die Geschwindigkeit eingefangen wurden - nur wusste ich irgendwann nicht mehr, welcher Wagen nun wen verfolgt.

Yakuza Kiwami geht wie die Original-Version den gemächlicheren Weg. Sega nimmt sich Zeit die Charaktere vorzustellen. Anfangs kann das öde wirken. Ich soll als Kazuma Kiryu einen Ring besorgen, den klaut mir ein Dieb, den ich dann zwei- bis dreimal verfolgen muss. Er hat den Ring einem Pfandleiher verkauft. Dort angekommen, brauche ich mehr Geld.

Das leiht mir dann ein Yakuza-Kumpel, den ich in den Straßen Tokios treffe. Zurück in den Laden. Jetzt will der Verkäufer mehr Geld haben. Wieder zum Yakuza-Kumpel - nochmal anhauen. Wieder zurück in den Laden - endlich halte ich den Ring in den Fingern. Dann folgt die Szene, wie ich ihn Haruka, einer alten Freundin, schenke.

Charaktere, die interessieren

Während des Spielens schießt einem dann schon der Gedanke "War das alles nötig?" durch den Kopf. Wir sind heute "schnellere" Spiele gewöhnt.

Die Darstellung einer japanischen Großstadt sieht nach wie vor faszinierend aus.Die Darstellung einer japanischen Großstadt sieht nach wie vor faszinierend aus.

Doch als dann später Haruka - Achtung, Spoiler! - fast vergewaltigt wird und Kiryu deshalb Yakuza-Befehle missachtet und sogar den Mord am Yakuza-Boss auf sich nimmt und in den Knast wandert, um einen Freund und Haruka zu retten, weiß ich warum. Haruka ist in dem Moment nicht nur irgendein Mädchen. Welcher Mann würde so einen so enervierenden Aufwand auf sich nehmen, einen Ring für sie zu kaufen, wenn die Beziehung unwichtig wäre?

Nach zehn Jahren Knast kommt Kiryu- ähnlich wie Franz Biberkopf aus Berlin Alexanderplatz - in eine ihm fremde Welt, in der Freunde zu Fremden geworden sind. Es sind keine zwei Stunden vergangen und die Handlung hat mich schon eingefangen. Ich will wissen wie es weitergeht. Also auch 2017 - der erste Teil von Yakuza funktioniert noch.

Zurück zur Frage: "War das Remake nötig?" Ihr könnt euch sicherlich die Antwort schon denken: Ja! Denn Yakuza funktioniert heute immer noch. Gute Geschichten sind zeitlos. Und ohne das Remake, hätte ich die tragische Geschichte um Kiryu wohl nie erfahren. Die Möglichkeit ein älteres Spiel in neuem Gewand auf einer aktuellen Konsole zu zocken, das ich vor Jahren verpasst habe, habe ich gerne. Deshalb verstehe ich auch nicht, warum sich immer so viele über Remakes aufregen.

Aber das ist wohl eine andere Geschichte.

Jetzt eigene Meinung abgeben

Kommentare anzeigen

Need for Speed - Payback: Das sagt die Community zum neuen Teil

Need for Speed - Payback: Das sagt die Community zum neuen Teil

Zahltag bei Electronic Arts. Mit Need for Speed - Payback will der Publisher die Marke in neuem Glanz erstrahlen lassen. (...) mehr

Weitere Artikel

Second Life: Noch 600.000 aktive Spieler jeden Monat

Second Life: Noch 600.000 aktive Spieler jeden Monat

Second Life erschien bereits 2003 und sollte seinen Nutzer ein namensgebendes "zweites Leben" in einer virtuellen Welt (...) mehr

Weitere News

Newsletter

Mit diesem Formular kannst du den Spieletipps.de Newsletter kostenlos abonnieren.

Yakuza Kiwami (Übersicht)