Secret of Mana: Wie viel "rosa Brille" mischt sich in die Vorfreude?

(Special)

von Micky Auer (11. September 2017)

Die Ankündigung des Remakes von Secret of Mana hat für ordentlich Wirbel unter den Fans gesorgt. So auch bei uns! Aber sind wir nach 23 Jahren der Verklärung auch uns selbst gegenüber noch ehrlich?

Am 24. November 1994 kam in Deutschland eines der bekanntesten Rollenspielabenteuer aller Zeiten auf den Markt. Es handelte sich um Secret of Mana aus der Werkstatt von Square Enix (damals noch Square) für das Super Nintendo Entertainment System. Es gab viele Schreie der Verzückung, als vor kurzem angekündigt wurde, dass Secret of Mana ein komplettes Remake erhält.

Secret of Mana blieb den Spielern aus vielen positiven Gründen im Gedächtnis: Hübsche Grafik, für damalige Verhältnisse tolle Effekte, grandiose Spiel- und Kampfmechanik, liebenswerte Charaktere, unvergesslicher Soundtrack und eine witzige, letzten Endes jedoch herzzerreißende Geschichte.

Es gibt ein paar Spiele, die - egal, wie lange es her ist, dass sie gespielt wurden - sofort für feuchte Augen sorgen. Sei es, weil sie ein Teil der Kindheit einer ganzen Generation sind, sei es, weil sie zum Zeitpunkt ihres Erscheinens bei einer großen Gruppe von Menschen den richtigen Nerv getroffen haben. Secret of Mana ist eines davon. Aber mal ganz ehrlich: Ist das alles aus heutiger Sicht noch so, wie es 1994 war? Und wie viel Wert haben solche nostalgischen Erinnerungen für die aktuelle Generation von Spielern, die mit dem Original noch nie was zu tun hatten?

Wir betrachten dieses Thema heute aus zwei Blickwinkeln und fassen uns dabei selbst an die Nase. Was bleibt nach so langer Zeit von einer schönen Erinnerung zurück, wenn man die Substanz, aus der sie entstanden ist, nochmal bei Licht betrachtet? Und was bedeutet das im Hinblick auf das bevorstehende Remake? Lasst uns die Tür in die Gedanken zweier Kollegen öffnen:

Micky Auer: Ich war damals dabei

Tatsächlich habe ich Secret of Mana gespielt, noch bevor es in Deutschland auf den Markt kam. Auf dunkelsten Importwergen habe ich mir die US-Version besorgt und sie per Adapter gespielt. Sogar das Multitap von Hudson habe ich mir damals besorgt (eine Hardware-Peripherie, die den Anschluss von vier weiteren Controllern erlaubte), um gemeinsam mit meinen Geschwistern zu dritt gleichzeitig ein Rollenspiel zu bezwingen (mein Bruder, der Vierte im Bunde, war dazu verdonnert zuzusehen, weil er der Jüngste von uns ist).

"Oh mein Gott, die Karte zoomt und dreht sich ja!" - Momente wie dieser waren es, die uns damals total verzückt haben."Oh mein Gott, die Karte zoomt und dreht sich ja!" - Momente wie dieser waren es, die uns damals total verzückt haben.

Ich war längst kein Kind mehr, als ich das Spiel zum ersten Mal vor Augen hatte, daher fällt in meinem Fall schon mal der starke "Es ist ein Teil meiner Kindheit"-Faktor weg. Übrigens: Falls ihr euch nun fragt: "Kein Kind mehr in den 90ern? Wie alt ist der Kerl eigentlich?" - Hier ist die Antwort.

Etwas ähnlich Starkes setzte sich aber an diese Stelle: Selten zuvor hat ein Videospiel uns Geschwister so sehr gemeinsam vor den Bildschirm gebracht. Zu dem Zeitpunkt habe ich schon nicht mehr bei unseren Eltern gewohnt, daher waren diese Momente der Gemeinsamkeit umso kostbarer. Klar, im Vordergrund stand natürlich: "Der Bruder ist ausgezogen und hat seine ganze geile Spielesammlung mitgenommen. Los, lasst ihn uns besuchen und zocken!" - Ja, ist so. Ich hätte es auch nicht anders gemacht.

So sieht der Werbetrailer für das Originalspiel aus den 90ern aus. Der Sprecher beweist in etwa so viel Leidenschaft wie eine Scheibe Toastbrot.

Was aber daraus enstanden ist, war mehr als eine Runde Mario Kart, mehr als ein paar Matches in Street Fighter 2, mehr als mal schnell Bomberman gezockt. Wir haben diese Treffen zelebriert, waren vorher gemeinsam Einkaufen und haben uns mit ungesundem Junk Food und Getränken eingedeckt, um dann die ganze Nacht vor der Konsole zu verbringen. Ein Rollenspiel mit 40 Stunden Spielzeit gemeinsam aktiv zu spielen, das gab es vorher noch nicht.

Diese immens wichtige Erfahrung fehlt wohl den meisten Leuten, die das Spiel einfach nur für sich selbst erlebt haben und nicht auf diese nostalgische und schöne Erinnerung zurückgreifen können. Was bleibt also noch übrig?

Von der Zeit überholt

Den Moment, als ich das SNES eingeschaltet habe und zum ersten Mal die Titelmelodie von Secret of Mana gehört habe, werde ich nie vergessen. Die anfänglich so stille und fragile Komposition besticht durch eine einfache, aber eingängige Melodie. Nach dem Intro zeigt der Sound-Chip in der Konsole was er kann und donnert mit aller Gewalt einen dramatischen Klangbogen in meine Erinnerung, der mich bis heute verfolgt. Wir sprechen vom SNES. Quasi die Hälfte der "orchestralen Erfahrung" entstand im Kopf des Zuhörers. Die Technik war beeindruckend, kann aber nicht mal annähernd mit heutigem Standard mithalten.

Eine Szene aus den ersten Momenten im Spiel. Noch seid ihr allein unterwegs. Schon bald habt ihr zwei Mitstreiter an eurer Seite.Eine Szene aus den ersten Momenten im Spiel. Noch seid ihr allein unterwegs. Schon bald habt ihr zwei Mitstreiter an eurer Seite.

Dann die kunterbunte Welt, die durch Grafikeffekte beeindruckte, die man als Konsolenspieler vorher kaum kannte: Wolken, die über den Himmel der Spielwelt zogen, warfen Schatten auf die Welt darunter. Bestimmte Gegner oder Objekte wurden transparent. Ab einem gewissen Punkt im Spiel konnte man per Kanone oder per Flugtier über die Landschaft reisen, die Dank "Mode 7"-Effekt stufenlos gezoomt und gedreht wurde. Es war alles mit jeder Menge "Wow!" verbunden.

Dinge, die jedem Spieler heutzutage maximal ein "Wie schlecht ist das denn?" entlocken würden.

Und da stelle ich mir nun die Fragen: Ist denn all das, was ich damals so faszinierend gefunden habe, nur noch ein Relikt? Ein Erinnerungsfragment? Hat Secret of Mana wirklich ein Remake verdient? Wollen die Spieler heute sowas überhaupt noch sehen? Bleibt letzten Endes wirklich nur noch hübsche Musik und ein "nettes Kampfsystem" zu einer "netten Story" übrig?

Die Antwort lautet: Ja.

Und ist das so schlimm?

Die Antwort lautet: Nein.

Nach der Entfernung aller rosa gefärbten Erinnerungen bleibt ein Spiel übrig, das auch heute noch das Potenzial hat, zu begeistern, zu unterhalten und zu verzaubern.

Es mischt sich große Hoffnung in meine Erwartung für das Remake. Nicht nur die Hoffnung, dass es gut wird, sondern auch die Hoffnung, dass es dem Spiel erneut gelingt, so viele Spieler wie damals auf seine Seite zu ziehen. Ebenso wie die Hoffnung, dass ich mit meiner Gegenüberstellung von damals und heute einfach nur falsch liege.

Weiter mit: Wenn man nicht von Anfang an dabei war ...

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Tags: Remake   Multiplayer   Retro  

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