AMD Threadripper oder Core i9: Braucht man viele Kerne zum Zocken?

von Stephan Schünke (15. September 2017)

Seitdem AMD den Threadripper und Intel den i9 angekündigt haben, sind viele Spieler ganz heiß auf die neuen Prozessoren. Während AMD mit seinen 800 bzw. 1000 Euro je Prozessor noch einigermaßen erschwingliche Preise bietet, geht Intel mit seinem Spitzenmodell bis an die 2000 Euro Grenze ran. Aber auch der blaue Gigant bietet Preise im Bereich des Rippers. Wir klären heute, ob ihr so viele Kerne überhaupt braucht und was beim Zocken entscheidend ist.

Vorwort: Die Grafikkarte bleibt am wichtigsten

Da wir in diesem Artikel lediglich die Leistungsfähigkeit des Prozessors und dessen Stellung beim Gaming ergründen, gehen wir nicht weiter auf die Grafikkarte ein. Wie wir wissen, ist der Grafikbeschleuniger beim Zocken das wichtigste Bauteil und sollte immer mit Bedacht und ausreichend Leistung gewählt werden. Möchtet ihr beispielsweise in 4K spielen, sollte es mindestens eine Geforce GTX 1080 sein. Genauso verhält es sich bei geringeren Auflösungen und maximalen Grafikdetails, denn hier hat der Prozessor nur wenig zu melden. Erst bei Hintergrundberechnungen kommt der Prozessor stärker ins Spiel, genauso wie beim Streaming oder Aufnehmen.

Die Grafikkarte solltet ihr bei einem Gaming-PC nicht unterschätzen. Denkt immer daran: Die Grafikkarte sollte immer 1/3 des gesamten PC-Preises ausmachen.Die Grafikkarte solltet ihr bei einem Gaming-PC nicht unterschätzen. Denkt immer daran: Die Grafikkarte sollte immer 1/3 des gesamten PC-Preises ausmachen.

Der Kampf der Chipgiganten

Nachdem AMD seinen Ryzen vorgestellt hat, sah sich Intel in Zugzwang und schob möglichst schnell seine neue Core i9 Serie hinterher. In zahlreichen Tests konnte der Mainstreamprozessor Ryzen 7 sogar die professionellen und 1000 Euro teuren Core i7 68xx und 69xx Modelle hinter sich lassen. Wie zahlreiche Magazine berichteten, plante Intel seine Veröffentlichung seiner Core i9 Reihe erst viel später, doch nun ging alles ganz schnell. Und tatsächlich konnte auch der erst kürzlich vorgestellte Threadripper in Anwendungen am Core i9 vorbeiziehen, wenn auch nicht überall. Denn vor allem in Games war Intels Prozessor noch einige Schrittlängen voraus, was auch an der jahrelangen Optimierung der Softwareentwickler liegt. Dennoch, das Comeback des amerikanischen Unternehmens ist „Real“. In Kürze sollte dann auch das 2000 Euro teure Flaggschiff von Intel folgen, das dem halb so teuren Threadripper 1950X das Fürchten lehren soll.

Threadripper und Core i9: Ein kurzer theoretischer Überblick

Den Threadripper aber auch den Core i9 gibt es in verschiedenen Ausführungen und Versionen. Während bei AMD der 1900X, 1920X und der 1950X über 8 bis 16 Kerne sowie 16 bis 32 Threads verfügen, bringt Intel CPUs mit 10 bis 18 Kernen sowie 20 bis 36 Threads auf die Bühne. Die Taktung bei Intel reicht dabei von 2,6 GHz (4,2 GHz Turbo / i9 7980XE) bis zu 3,3 Ghz (4,3 Ghz / i9 7900X). Bei AMD takten die einzelnen Prozessoren zwishcen 3,4 GHz (Threadripper 1950X) und 3,8 GHz (Threadripper 1900X). Wie ihr sehen könnt, sind die Taktfrequenzen bei Modellen mit weniger Kernen höher als bei mehr Kernen. Das liegt vor allem daran, dass mehr Kerne gleichzeitig mehr Strom aufnehmen und in Wärme umwandeln, als weniger Kerne. Daher können die kleineren Modelle auch auf höhere Taktungen zurückgreifen, was sie oftmals in Spielen sogar schneller macht als die großen CPUs.

Spiele lieben hohe Taktungen

Wie viele Spielebenchmarks zeigen, arbeiten zahlreiche Spiele wunderbar mit wenigen Prozessorkernen und hohen Taktfrequenzen zusammen. Das liegt zum Teil vor allem auch daran, dass die Prozessorentwicklung der letzten Jahre überaus uninteressant war. Intel war dominierend auf dem Markt und AMD hinkte lange Zeit hinterher. Auch wenn letzterer Mit der Bulldozer Architektur (AMD FX-Reihe) versuchte mehrere Kerne zu etablieren, scheiterte es an der Architektur aber auch an der Singlecore-Leistung. Nahezu jeder Intel Prozessor konnte die schwächeren AMD Modelle mit seiner hohen Leistung schlagen. Das veranlasste Entwickler dazu überwiegend die Spiele für Intel Systeme zu optimieren. Erst mit der Einführung der Ryzen-Architektur konnte AMD die Einzelkernleistung anpassen. Dennoch konnte Ryzen noch nicht aufschließen, was immer noch an der aktuellen Entwicklungslage liegt. Spiele verstehen lieben wenig Kerne, mit hohen Taktfrequenzen. Sichtbar ist das vor allem daran, dass selbst ein Core i5 7600 oftmals in Spielen noch schneller ist als ein AMD Ryzen 1700, der allerdings in Programmen weit davon zieht. Denn viele Anwendungen wie beispielsweise Photoshop oder Sony Vegas nutzen mehrere Kerne problemlos aus und können daher auch davon profitieren. Auch ein i7 7700K ist in zahlreichen Games oftmals schneller als ein viel teurer i9 7900X, was ebenso als Beweis reicht.

Auch die starke Intel Architektur ist ein wesentlicher Grund, warum AMD noch nicht derart stark zum Zug kommen konnte, doch wird sich das zukünftig auch ändern.

Kerne nicht ganz unwichtig

Aber achtet dennoch darauf, dass ihr heutzutage nur noch Systeme mit mindestens vier Prozessorkernen oder wenigstens vier Threads kauft. Manche Spiele werden von den Entwicklern bereits von vorn herein als Multicorefähig angegeben und benötigen zwingend mehrere Kerne, auch wenn sie diese gar nicht ausnutzen. Intel und AMD haben das auch erkannt und bieten schon für wenig Geld vier Threads oder gar vier echte Kerne an. Auf Seiten von Intel wäre das der 60 Euro teure Pentium G4560 und bei AMD erhaltet ihr für rund 100 Euro den Ryzen 1200.

Die Zukunft wird Kernlastig

Doch die Entwicklung zeigt immer mehr, Kerne immer wichtiger werden. Nicht nur für Spiele sondern auch für multiple Anwendungen. Während ein Core i7 7700 in Spielen noch markant vor einem Ryzen 1700X liegt, kann der AMD Prozessor vor allem im Streaming überzeugen, denn die 8 Kerne und 16 Threads sind wahre Multitasking-Wunder. Nicht nur, dass die Qualität der Streams höher sein kann, auch die Framerate liegt über einem Intel Prozessor. Mit der neuen Coffee Lake Plattform des blauen Riesen könnte sich dies aber auch schon wieder ändern, denn Intel schläft nicht und schiebt demnächst die ersten bezahlbaren Prozessoren mit sechs Kernen und mehr hinterher.

Tags: Hardware  

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