PewDiePie & Co: Das große Problem der YouTuber!

(Kolumne)

von Matthias Kreienbrink (12. September 2017)

Eigentlich möchte man ja gar nicht mehr drüber schreiben, über PewDiePie und seine rassistischen und antisemitischen Äußerungen, die er freilich stets relativiert und sich dann halbherzig entschuldigt. Doch das Thema betrifft ja nicht nur PewDiePie, sondern ist ein systemisches Problem bei vielen YouTubern.

Zunächst ist festzuhalten, dass einige wenige YouTuber eine sehr große Reichweite haben. Ob sie diese Reichweite "verdient" haben ist nebensächlich und das kann wohl nur jeder für sich beantworten. Sie haben sie jedenfalls.

Mit dieser Reichweite kommt auch eine Verantwortung. Je mehr Menschen ein YouTuber erreicht, desto klarer sollte ihm oder ihr eigentlich sein, dass sie sich schon ein paar Gedanken machen sollten über das, was sie da verbreiten. Dafür gibt es in Deutschland eigentlich den Rundfunkstaatsvertrag - auch für Streamer.

In diesem Punkt zeigt sich auch ein wenig die Problematik im Konzept des "YouTubers". Denn YouTuber wird man nicht durch eine Ausbildung, ist man nicht am Ende eines Lernprozesses. YouTuber wird man, wenn man die richtigen Videos zum richtigen Zeitpunkt macht, die passende Persönlichkeit hat, die richtigen Leute anspricht - also auch durch großes Glück. Ich möchte den bekannten Persönlichkeiten YouTubes damit keinesfalls ihre Leistung absprechen. Denn gerade das Aufrechterhalten eines erfolgreichen Kanals bedeutet sehr viel Arbeit, es braucht Ausdauer, neue Ideen, Geschick, eine Strategie.

Viele deutsche YouTuber sind sich ihrer Verantwortung bewusst und handeln dementsprechend.

Redakteure, Moderatoren und andere Menschen mit großer Reichweite wurden in den meisten Fällen dazu ausgebildet. Sie haben gelernt, dass sie eine Verantwortung ihrem Publikum gegenüber tragen. Dass ihre Worte und Taten eine Auswirkung haben. Ebenso arbeiten diese Menschen oftmals unter einer kritischen Instanz, die hinter ihnen steht und sie prüft, wie zum Beispiel ein Verlag oder eine Medienanstalt. Sie haben den Luxus, dass ihre Inhalte nicht einfach ohne Filter an ein Millionenpublikum gesendet werden. Dieser Filter besteht aus anderen Personen des Fachs, die im Zweifelsfall Einspruch erheben. Selbstredend kann auch dieses Sicherheitssystem mal nicht funktionieren, auch ein Redakteur etwa kann durchaus mal über die Strenge schlagen. Aber im Gegensatz zum YouTuber muss diese Person in den meisten Fällen auf viele kritische Stimmen NICHT gehört haben, um soweit zu kommen.

(Quelle: YouTube, HYPERBOLE)

Ihr denkt, dass das N-Wort nicht schlimm ist? Dann schaut euch dieses Video an.

Was vielen YouTubern fehlt, sind diese kritisierenden Menschen, die ihre Inhalte vor der Veröffentlichung prüfen. Die schauen, ob sie der Verantwortung gerecht werden. Dadurch, dass viele YouTuber einfach sehr viele Inhalte produzieren müssen, um relevant zu bleiben, können sie schnell die kritische Distanz zu ihren eigenen Inhalten verlieren. Der Abgleich mit dem, was sie sagen wollten und dem, was sie wirklich sagen, kann schnell untergehen.

Vielleicht wäre ja sogar eine Art Verbund von YouTubern, die sich selbst einen gewissen Qualitäts-Kodex auferlegen, gar keine schlechte Idee. Denn beim neuesten Ausfall von PewDiePie werden einige Stimmen von anderen YouTubern laut. Diese beschweren sich darüber, dass so eine Person wie PewDiePie dafür sorgt, dass es anderen YouTubern schwerer gemacht wird. Sie fürchten, dass YouTube weitere Restriktionen einführen wird. Mit einer gewissen Qualitätssicherung würde es gar nicht erst so weit kommen.

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