YouTube-Aufruhr: Darum laufen Gronkh, LeFloid und andere Webstars gerade Sturm

(Special)

von Emily Schuhmann (16. September 2017)

Werbung wird verweigert, Videos verschwinden, YouTube hält sich bedeckt, YouTuber machen sich Sorgen um ihre finanzielle Zukunft und wir fragen uns: "Was geht denn da gerade eigentlich ab?"

Die Problematik

YouTube hat sich im Laufe der vergangenen Jahre von einer Ansammlung von Hobby-Filmchen zu einer Plattform entwickelt, mit der viele Menschen sogar ihren Lebensunterhalt verdienen. Diese größeren Videomacher ziehen teilweise einen Großteil ihrer Einnahmen aus der Werbung, die vor, während und nach ihren Videos geschaltet wird. Eine kürzlich umgesetzte Änderung in diesem Bereich lässt unter anderem einige dieser YouTuber jetzt um ihre Existenz fürchten:

Vom Beginn der Misere im März 2017 berichteten mehrere Zeitungen, darunter The Guardian. Zahlreiche große Firmen wie Pepsi oder Walmart distanzierten sich von YouTube, nachdem sie darauf aufmerksam gemacht wurden, dass ihre Werbungen vor rassistischen und extremistischen Videos liefen. Zunächst ja ein begrüßenswerter Schritt.

Als Reaktion darauf verschärfte Google, der Mutterkonzern von YouTube, allerdings den Algorithmus mit dem automatisch YouTube-Inhalte identifiziert werden sollen, die sich nicht für die Schaltung von Werbung eignen. Statt aber nur tatsächlich ungeeignete Videos zu demonetarisieren, werden direkt alle Videos, die sich mit sogenannten sensiblen Themen wie Krieg oder Politik beschäftigen, mit dem Werbebann belegt. Und das trifft einige YouTuber nicht nur hart, sondern auch ziemlich ungerechtfertigt.

Darunter auch diejenigen, deren Kanäle sich (mehr oder minder) objektiv mit Nachrichten und politischen Geschehnissen aus aller Welt beschäftigen. LeFloid beispielsweise beklagt, dass er eigentlich keinen Cent mehr mit seinen Videos verdient. Aber nicht nur das, manche werden sogar gesperrt und können so gleich überhaupt nicht mehr angeschaut werden.

(Quelle: YouTube, LeFloid)

Michael "Mtashed" Tash ist ein Betroffener mit knapp 160.000 Abonnenten. Über 100 seiner Videos wurden von der Monetarisierung ausgeschlossen, vermutlich da er sich ausführlich mit dem Shooter Destiny beschäftigt und deshalb häufig Waffen seine Thumbnails zieren.

Leider liegt der Algorithmus von YouTube oft völlig daneben und wirkt geradezu willkürlich. So wurde beispielsweise ein Let's Play zum eher humorvollen Edna bricht aus von Gronkh blockiert. Warum weiß man nicht, da YouTube sich nicht in die Karten schauen lässt. LeFloid stellt seinen Zuschauern die Frage, ob das bereits Zensur ist.

Die Reaktionen

Die Content Creators sind von diesen strengeren und teilweise willkürlich erscheinenden Aktionen verständlicherweise wenig begeistert, haben aber nur wenig Handhabe. Zwar können sie die manuelle Prüfung eines demonetarisierten Videos beantragen, aber das dauert, sorgt demnach für Verluste und ist bei jemandem, der mehrere Videos täglich hochlädt, kaum machbar.

Die "Let's Player"-Crew von Pietsmiet ist bisher wenig betroffen, dementsprechend differenziert kann Peter Smits die gesamte Situation betrachten, wie seine Antwort auf unsere Frage zeigt, ob YouTubes Vorgehen nachvollziehbar oder gar schon Zensur sei:

"Ich verstehe, warum der Algorithmus zuerst so programmiert wurde, dass er lieber zu viele als zu wenige Videos als "nicht werbekundenfreundlich" einstuft. Ein weiterer, öffentlicher Skandal, der potenzielle Werbepartner noch mehr verärgert, würde alles noch viel schlimmer machen. Auch für YouTuber würde es noch unangenehmer, denn im Zweifel bleibt dann gar nichts übrig, weil niemand mehr in die Plattform investieren will. Trotzdem ist der Frust natürlich verständlich, wenn eigene Videos falsch eingestuft werden. 'Zensur' ist meiner Meinung nach ein zu harter und unpassender Begriff."

(Quelle: YouTube, PietSmiet)

Er rät all seinen YouTube-Kollegen Folgendes: "Wenn man sich vorstellt mit den eigenen Videos zu Coca Cola oder einer anderen riesigen Firma zu gehen und die davon zu überzeugen, davor Werbung zu schalten, wie würden sie reagieren?"

Natürlich ist es verständlich, dass ein Unternehmen keine Werbepartner riskieren will und deshalb lieber einmal zu oft als zu selten eingreift. Ebenso nachvollziehbar ist allerdings der Groll der Creator über absolut nicht nachvollziehbare Sperrungen. Gronkh, einer von Deutschlands bekanntesten Gaming-YouTubern, hat mittlerweile die Faxen dicke, nachdem sogar der Mitschnitt seines gamescom-Livestreams auf Eis gelegt wurde. Sein bitterer Kommentar: "Aber klar, Menschen umarmen und Community passt einfach nicht mehr zu YouTube. Schade."

Einige Zuschauer zeigen sich hingegen sogar erfreut darüber, dass die "geldgierigen Nichtstuer" endlich von der Plattform verschwinden. Die Kommentarbereiche sind voller Menschen, die scheinbar nicht begreifen, dass YouTuber ab einem gewissen Level beziehungsweise einem gewissen Qualitätsanspruch eben doch ein Beruf ist und mit viel Arbeit verbunden ist, die sich auch rechnen muss.

Die Alternativen

Gronkh äußerte schon öfter seinen Unmut über die Richtung in die sich YouTube entwickelt und er ist einer derjenigen, die sich jetzt verstärkt nach einer neuen Plattform umsehen. Mittlerweile hat er einige Videos bereits auf einer Seite hochgeladen, deren Name immer häufiger auftaucht: Vidme ist ein Portal, das von seinen Machern als Mischung aus YouTube und Reddit beschrieben wird.

Dabei handelt es sich aber keinesfalls um eine neue Seite, sie existiert tatsächlich schon seit 2014. Nach Aussagen der Plattformbetreiber verzeichnete Vidme allein in der ersten Septemberwoche 2017 einen Nutzeranstieg von 100.000 – maßgeblich verursacht durch deutsche User.

Vidme lockt unter anderem mit Clickbait-Verbot, einer redditähnlichen Kommentarstruktur und der Möglichkeit Spenden anzunehmen und bezahlte Abos anzubieten.Vidme lockt unter anderem mit Clickbait-Verbot, einer redditähnlichen Kommentarstruktur und der Möglichkeit Spenden anzunehmen und bezahlte Abos anzubieten.

Eine alternative Einnahmemethode für alle, die auf YouTube bleiben wollen, ist das in Amerika bereits wesentlich häufiger genutzte System von Patreon. Hier können mit einer Art Abo-Modell unterschiedliche Projekte finanziell unterstützt werden. Beispielsweise Kanäle, die vielleicht nur einmal im Monat längere, arbeitsintensive Videos veröffentlichen.

Selbstloses Geben ist als verlässliche Einnahmequelle aber immer so eine Sache. Und wenn die an die Unterstützung verknüpften Belohnungen nicht stimmen, sehen viele keinen Grund für etwas zu zahlen, was zuvor kostenlos war. Diese Rewards bedeuten dann meist Mehrarbeit, was den oft geringen Zusatzverdienst wieder schmälert.

Die Zukunft?

Anscheinend willkürliche Sperrungen und Demonetarisierungen lassen viele YouTuber mit Sorge in die Zukunft schauen, besonders da sich YouTube mit Äußerungen und Hilfe zurückhält und lediglich auf die manuelle Überprüfung verweist, um den Algorithmus lernen zu lassen.

In einem offiziellen Statement erklärt das Unternehmen:" Unsere Experten überprüfen eingereichte Videos, die in den letzten sieben Tagen mehr als tausendmal aufgerufen wurden." Ungelistete Videos können nur von Kanälen mit mehr als 10.000 Abonnenten zur Überprüfung eingereicht werden. Diese Zahlen machen vor allem kleineren Kanälen Sorgen, aber das größere Problem liegt an anderer Stelle: Beanstandungen dauern zu lang und zu viele Fragen bleiben offen.

Einer der Kommentatoren hat das gleiche Video in zwei Sprachen zur Überprüfung eingereicht. Die englische Variante wurde freigeschaltet, die spanische blieb ohne Erklärung blockiert.Einer der Kommentatoren hat das gleiche Video in zwei Sprachen zur Überprüfung eingereicht. Die englische Variante wurde freigeschaltet, die spanische blieb ohne Erklärung blockiert.

Bleibt zu hoffen, dass YouTube zukünftig an seiner Kommunikationspolitik schraubt und vielleicht sogar eine Lösung findet, mit der profesionelle Videomacher und Werbekunden gleichermaßen glücklich sind. Denn nur die Zukunft kann zeigen, ob Vidme und Patreon eine echte Alternative für den einen oder anderen Kanal darstellen könnten. Und eine Rückkehr von YouTube zu den Wurzeln als reine Hobby-Film-Plattform kann sich niemand ernsthaft wünschen, auch wenn das in den Kommentarspalten teilweise so scheint.

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