Test PES 2018: Freudenfest für Fußball-Taktiker

von Spieletipps-Team (15. September 2017)

Die alte Frage, ob denn nun PES 2018 oder Fifa 18 das bessere Fußballspiel ist, wird heute nicht geklärt. Aber PES zieht schon mal vor und legt die Messlatte recht hoch. Jedoch nicht in allen Bereichen.

Freundlich ausgedrückt könnte man von einem gewissen "Wiedererkennungswert" sprechen, wenn man sich den jährlich stattfindenden Auftritt der PES-Reihe ansieht. Der Tradition gemäß ist nun Pro Evolution Soccer 2018 am Start, das dem beiläufigen Betrachter nicht auf den ersten Blick vermittelt, ein gänzlich neues Spiel zu sein. Fans und Kenner wissen jedoch, dass die Neuerungen im Detail zu finden sind. So auch hier.

Wer die Serie kennt, wird vermutlich in PES 2018 schnell feststellen, dass die Spielgeschwindigkeit deutlich abgenommen hat. Nicht erschrecken: Das muss nicht zwingend etwas Schlechtes bedeutet. In diesem Fall führt es zum Beispiel dazu, dass die Animationen der Spieler-Modelle natürlicher wirken. Auch spielerisch macht sich das reduzierte Tempo positiv bemerkbar. Das bemerkt ihr zum Beispiel in der verbesserten Ballannahme, die mit wesentlich mehr Körpereinsatz erfolgt. Anstatt einfach nur eine Funktion zu sein, die von jetzt auf gleich ausgeführt wird, nehmen sich die virtuellen Spieler mehr Zeit und nutzen alle zulässigen Körperteile. Wie in echt.

Außerdem ganz vorne bei den Neuerungen mit dabei ist ein neues Kontrollsystem namens Real Touch+" . Das kommt vor allem zum Zug, wenn ihr im trauten Heim gegen Freunde antretet oder euch online behaupten wollt. Real Touch+ ist weder komplex noch kompliziert, jedoch erfordert die Beherrschung des Systems ein gewisses Maß an kreativem Denken.

So sieht's aus

Bei Licht betrachtet muss man schon zugeben, dass die PES-Reihe grafisch stets der Bombast-Präsentation der konkurrierenden Fifa-Serie hinterher hinkt. Das wiederum bedeutet noch lange nicht, dass PES 2018 nicht gut aussehen würde. Durch den Einsatz der erweiterten Fox-Engine treten viele Details ins Rampenlicht der Präsentation. Die Spielermodelle sind keine 08/15-Polygon-Vorlagen, sie tragen zum Beispiel individuelle Details wie Tattoos.

Nicht nur die Spielerfiguren glänzen in diesem Jahr mit vielen Details.Nicht nur die Spielerfiguren glänzen in diesem Jahr mit vielen Details.

Auch der Faltenwurf von Trikots passt sich den Bewegungen der Spieler an. Besonders auffällig ist aber der Einsatz von Lichteffekten. Dank dem neuen REAL Capture System, das noch von "Metal Gear"-Erfinder Hideo Kojima mitentwickelt wurde, präsentieren sich die Stadien in wirklich neuem und ansehnlichem Glanz.

Realitätsnähe beweist auch die Darstellung der Info-Daten: Alle relevanten Informationen werden wie bei einer echten Fußballübertragung laufend eingeblendet. Abseits der auffallend liebevoll gestalteten Optik freuen sich auch fachkundige Ohren. Fan-Gesänge wie zum Beispiel "Heja BVB" vermitteln noch stärker das Gefühl, als wärt ihr im Dortmunder Westfalenstadion. Oder aber ihr hört "You'll never walk alone" an Liverpools Anfield Road und seid sofort mittendrin. "Exkklusivrechte" lautet hier das Zauberwort. Die packende Stadionatmosphäre kommt vor allem in Spielen der Champions League voll zur Geltung.

Nahezu unverändert zeigt sich die Meisterliga, neu hingegen sind zum Beispiel die Vorbereitungsturniere. Das Transfersystem hat ebenfalls signifikante Verbesserungen erfahren. Die Verhandlungen, die im Zuge eines Transfers stattfinden, können jedoch schon mal für strapazierte Nerven sorgen. Um Missverständnissen vorzubeugen: Das ist nichts Schlechtes! Verhandlungen, in denen es um viel Geld geht, müssen nun mal hart sein. Als Dach-Funktion steht hier natürlich der Manager-Modus, der sich um die Transfers und Verträge der Spieler dreht. Der gesamte Modus ist in seiner Gesamtheit wirklich gelungen und sinnvoll integriert.

Nichts für Drauftreter

Der Online-Koop ermöglicht euch, mit drei menschlichen Mitspielern anzutreten. Aktuell konnten wir auf rein technischer Ebene keine gravierenden Probleme beim Online-Spiel feststellen. Diverse Lags und Wartezeiten sind eventuell unserer eigenen technischen Ausstattung geschuldet und müssen nicht zwingend auf die Online-Infrastruktur von PES 2018 zurückzuführen sein. Es gibt in dieser Hinsicht jedenfalls nichts zu bemängeln.

Der Spielablauf gestaltet sich stark taktikorientiert.Der Spielablauf gestaltet sich stark taktikorientiert.

Ein gern gesehener Rückkehrer in die PES-Reihe ist der Zufallsmodus, der schon seit langer Zeit nicht mehr zum Tragen kam. In diesem Modus könnt ihr aus vorher definierbaren Pools zufällig Spieler auswählen lassen, mit denen ihr dann eure Wunschmannschaft zusammenbastelt. Schade, dass ausgerechnet dieser Spaßbringer nur offline verfügbar ist.

So stark wie nie zuvor steht diesmal das Konzept "Taktik" im Vordergrund. Die Gegner-KI ist nicht besonders vorherseh- respektive berechenbar. Jedes Spiel stellt euch vor neue taktische Herausforderungen und verlangt nach einer individuellen Herangehensweise. Entsprechend umfangreich sind auch die strategischen Möglichkeiten, die euch das Spiel zur Verfügung stellt. Im Laufe einer Partie könnt ihr zu jedem Zeitpunkt die statistischen Werte des laufenden Spiels einsehen und darauf basierend eure Taktik entsprechend anpassen.

Das muss noch verbessert werden

Das alte Lied: Lizenzen. Ein Thema, das leider auch nach wie vor einen herben Einschnitt in PES 2018 darstellt. Nur drei Bundesligisten stehen zur Auswahl: Schalke 04, Red Bull Leipzig und Borussia Dortmund. Zwar werdet ihr auf große Spielernamen wie Toni Kroos und Cristiano Ronaldo stoßen, jedoch dürfen ihre tatsächlichen Clubs nicht genannt werden. Anstatt Real Madrid werden daher frei erfundene Namen wie MD White verwendet. Das mag auf den ersten Blick nicht allzu dramatisch wirken, jedoch geht ein gutes Stück an Intensität verloren, wenn FC Barcelona auf Real Madrid trifft und keinerlei offensichtliche Assoziation zu den tatsächlichen Namen vorliegt.

Schicke Stadien, jedoch verliert die Atmosphäre durch fehlende Lizenzen und schwache Kommentatoren.Schicke Stadien, jedoch verliert die Atmosphäre durch fehlende Lizenzen und schwache Kommentatoren.

Und dann wären da noch die Kommentatoren. Marco Hagemann und Hansi Küpper geben sich auch in PES 2018 wieder die Ehre. Dem Kommentatoren-Duo kann man außerhalb der Videospiel-Umgebung durchaus ordentliche Arbeit nachsagen. In PES 2018 hingegen ... nun ja. Schaut euch dieses Beispiel an und entscheidet selbst: "Das ist der Hurrikan himself, Harry Kane." Autsch. Noch mehr "cringe" und Schmerz werden dadurch hinzugefügt, dass sich gerade zu den so wichtigen Taktiken die Kommentare ständig wiederholen.

Im Gegenzug werden zu wenige Spieler genannt, stattdessen wird auf den allgemeineren und leichter zu verabeitenden Begriff "Team" zurückgegriffen. Das macht die Arbeit im Tonstudio zwar simpler, verfehlt aber das Ziel, wenn es um die Verbesserung des Produkts geht. Denn in solchen Fällen ist selten klar, welche der spielenden Mannschaften nun tatsächlich gemeint ist. Hagemann und Küpper sind dahingehend aber wohl von jeglicher Schuld freizusprechen. Die nicht vorhandene Chemie und fehlende Kommentatoren-Atmosphäre ist eher technischen und schreiberischen Unzulänglichkeiten geschuldet.

Meinung von Spieletipps-Team

Es kann wohl reinen Gewissens behauptet werden, dass PES 2018 viel eher die Hardcore-Fußballfans anspricht als die eher actionhungrigen Casual-Spieler. Das scheint auch Publisher Konami zu wissen, zu verinnerlichen und auch entsprechend umzusetzen. PES 2018 präsentiert sich gekonnt taktiklastig, glänzt durch neue grafische Spielereien und sinnvoll verbesserten Animationen.

Gerade in Sachen Präsentation und Spielgeschehen befindet sich die Produktion von Konami schon jetzt mindestens auf Augenhöhe mit der Fifa-Konkurrenz. Im Gegensatz zu vielen anderen Spielen, die im Laufe der Zeit gewisse Abnutzungserscheinungen zeigen, kommt hier das Geschehen umso mehr in Fahrt, je besser ihr eure Taktiken einsetzt und eure Spielzüge beherrscht. PES 2018 ist eine Spielerfahrung, die mit eurer eigenen Weiterentwicklung wächst und an Unterhaltungswert zunimmt.

Das wird jedoch nicht jeden ansprechen. Tatsächlich braucht ihr einiges an Einarbeitungszeit, um das Spiel in all seinen positiven Aspekten wirklich genießen zu können. Dieser Geduldsfaktor ist mit Sicherheit bestimmend, wenn es um die Art von Spieler geht, deren Aufmerksamkeit Konami auf sich ziehen will. Ein nach wie vor großer Wermutstropfen ist das Fehlen der großen Lizenzen. Das wird sich jedoch wohl in absehbarer Zeit nicht ändern. Wenn ihr euch daran nicht stört und ihr eine gewisse Fußball-Romantik mitbringt, ist PES 2018 jedoch vermutlich für euch eines der besten Spiele des Jahres.

88 Spieletipps-Award

meint: Gekonnt präsentiertes, taktisch starkes Fußball-Drama. Erfordert etwas Einarbeitungszeit, belohnt aber sorgfältige Spieler für ihre Geduld.

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Tags: Singleplayer   Multiplayer  

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