Test Project Cars 2: Feinste Rennkost für Profis und Fortgeschrittene

von Thomas Stuchlik (18. September 2017)

Mit ihrem zweiten Rennspielteil fordern die Slightly Mad Studios die Spieler bis ans Limit. Wie kompromisslos und motivierend es bei Project Cars 2 zugeht, erfahrt ihr hier im Test.

Project Cars 2 nimmt es erneut mit den Genre-Altmeistern Gran Turismo und Forza Motorsport auf. Die Rechnung geht auch diesmal auf, denn die Rennsimulation bietet nicht nur spannenden Motorsport, sondern kann mehr als die Vorbilder. Denn wo sonst rast ihr zu allen vier Jahreszeiten über 60 Strecken bei wechselhaften Bedingungen zwischen Sonne und Schneesturm?

Der umfangreiche Karriere-Modus bildet genreüblich die erste Anlaufstelle im Spiel und kommt diesmal ohne Rennkalender aus. Stattdessen wählt ihr eine beliebige der 29 angebotenen Klassen aus und arbeitet euch durch sechs Rennkategorien hoch. Dabei wird feinster Motorsport geboten – vom Kart über Formel Renault bis zum Indycar, vom Clio-Cup über GT3-Wettbewerbe bis zu LMP-Prototypen und Langstrecken-Meisterschaften. Jede der Meisterschaften erstreckt sich über mehrere Rennwochenenden samt Training und Qualifying. Zwischendurch absolviert ihr Herstellerfahrten und Einladungs-Events mit modernen oder klassischen Vehikeln.

Keine Kompromisse

Das anspruchsvolle Fahrverhalten in Teil Zwei verlangt nach echtem Können. Denn standardmäßig sind Brems- und Lenkassistent abgeschaltet, was Profis freut, Anfänger aber überfordert. Im direkten Vergleich ist ein Gran Turismo Sport deutlich einsteigerfreundlicher. Bei Project Cars 2 ist die Spielphysik dagegen auf knallharte Realitätsnähe getrimmt.

Ihr rast nicht nur gegen ein großes Fahrerfeld, sondern auch zu jeder Tageszeit.Ihr rast nicht nur gegen ein großes Fahrerfeld, sondern auch zu jeder Tageszeit.

Entsprechend sensibel solltet ihr mit den meist PS-starken Fahrzeugen umgehen. Mit dem Controller ist das geradezu ein Kunststück, mit einem Lenkrad samt Force Feedback dagegen eine Wohltat. Nur mit viel Gefühl wuchtet ihr die Vehikel um die Kurven. Allerdings dürft ihr in jedem Wettbewerb nicht nur Fahrhilfen zuschalten, sondern auch die Gegnerschwierigkeit (und sogar deren Aggressivität) beliebig justieren – nicht nur bei selbsterstellten Veranstaltungen, sondern auch in der Karriere.

Wie im Vorgänger steht euch ein großes Fahrerfeld von 30 und mehr Kontrahenten entgegen. Gerade beim Start verwickeln diese euch in enge Duelle Rad an Rad. Die gut agierenden Computergegner gehen notfalls aus dem Weg, fordern aber auch mal den Blechkontakt heraus. Lasst euch nicht reizen, denn schnell hagelt es Zeitstrafen fürs Rempeln oder das Abkürzen der Strecke.

Zu jeder Jahreszeit

Neben massig Motorsport auf dem Asphalt geht es auch Offroad zur Sache: Beim Rallycross duelliert ihr euch mit wenigen Konkurrenten auf kleinen Kursen. Dank ständig wechselndem Untergrund sind gute Driftkünste bei Vor- und Finalrunden gefordert. Außerdem führt euch das Spiel aufs Glatteis. Ihr rutscht über frostige Teststrecken in Schweden oder wechselt beliebig die Jahreszeiten.

Beim Rallycross stehen harte Duelle auf Asphalt und Schotter an.Beim Rallycross stehen harte Duelle auf Asphalt und Schotter an.

Jede der Rennstrecken lässt sich im Frühling, Sommer, Herbst und Winter befahren, einige sogar mit verschneiter Fahrbahn. Hier ist vollstes Können am Lenker gefordert. Nicht minder fies sind Wetterbedingungen, die ihr beliebig bei Solo- und Online-Veranstaltungen justiert. Jede Witterung von sonnig über leichten Regen bis Wolkenbruch lässt sich einstellen. Dabei kämpft ihr nicht nur mit schlechterer Sicht und der Gischt des Vordermanns, sondern auch mit Aqua-Planing in den Wasserpfützen.

Das Aufgebot an über 60 Pisten ist erstaunlich, denn hier finden sich klassische Rennstrecken wie der Nürburgring ebenso wie Fantasiekurse. Ein echter Hingucker sind auch die Straßenetappen entlang der kalifornischen oder südfranzösischen Küste. Als fahrbares Material ist alles vorhanden, was Rang und Namen hat. Von Mercedes bis Porsche, von Aston Martin bis Ferrari. Jedes Vehikel lässt sich genauestens auf die Bedingungen abstimmen, allerdings nicht aufrüsten.

Meinung von Thomas Stuchlik

Das Dark Souls der Rennspiele? Seid ihr auch nur einen Moment unkonzentriert, haut euch Project Cars 2 sprichwörtlich eins in die Fresse. Vor allem der Einstieg fällt schwer, angesichts des höchst anspruchsvollen Fahrverhaltens und der sensiblen Controllersteuerung (besser mit Lenkrad!). Allerdings lohnt es sich hier nicht locker zu lassen! Mit vielen Übungsrunden erlernt ihr jeden Zentimeter der Strecken und besteht letztlich gegen die aufmerksamen Gegner. Jedes Rennen bleibt deshalb spannend und nervenaufreibend bis zur letzten Kurve.

Auch in Atem halten euch die wechselhaften Bedingungen mit Regen, Schnee oder Nachtfahrten. Schade nur, dass der sonst so dramatische Rennzirkus so nüchtern mit kleinteiligen Menüs präsentiert wird. Technisch besticht das Geschehen auch auf Konsole mit 60 Bildern pro Sekunde, die manchmal jedoch einbrechen. Auf der Xbox One müsst ihr mit 900p leben, auf der PS4 gibt es 1080p, auf der PS4 Pro letztlich auch 4K-Auflösung. Project Cars 2 ist sicher nicht für jedermann geeignet, doch erfahrene Raser erleben hier packenden Motorsport samt dickem Umfang.

86 Spieletipps-Award

meint: Das knackige Rennspektakel offeriert realitätsnahe Fahrphysik am Limit samt großem Wagen- und Streckenaufgebot.

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Tags: Multiplayer   Singleplayer  

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