Videospiel-Journalisten müssen keine guten Spieler sein - oder?

(Special)

von Matthias Kreienbrink (17. September 2017)

Vor einigen Tagen brach in den Sozialen Medien und auf Reddit eine Debatte los. Müssen Videospiel-Journalisten eigentlich gute Spieler sein? Aufhänger war das lustig gemeinte Video eines US-Kollegen, der sich beim Cuphead-Spielen ein wenig anstellte. Selbstredend war das viel heiße Luft. Doch die Frage scheint viele Gemüter zu bewegen: Müssen Videospiel-Journalisten sogenannte Hardcore-Gamer sein, um über Spiele schreiben zu dürfen? Wir möchten dem Nachgehen und haben einige Journalisten und Journalistinnen gefragt.

Matthias Kreienbrink, Redakteur bei spieletipps und Freier Journalist für Zeit Online, Tagesspiegel und taz.

Ein Gedankenspiel. Videospiele werden nicht nur als Produkt, als Ware wahrgenommen, sondern als Kunst.

Gäbe es die Frage dann, ob jemand "gut" in dieser Kunst sein muss, um über sie schreiben zu können? Noch heute sehen viele Videospiel-Journalisten lediglich als Produkt-Tester. Als eine Instanz, die zu entscheiden hat, ob eine Ware eine Kaufempfehlung bekommt oder nicht. Federführend wäre dabei der kapitalistische Gedanke, aus einem Produkt alles rausholen zu müssen. Freilich müsste eine solche Person das Produkt gründlich getestet haben, um anderen sagen zu können, ob sie kaufen sollten, oder nicht. So eine Person müsste wohl auch einigermaßen gut in dem Spiel sein, müsste seine Grenzen austesten können.

Ein weiteres Gedankenspiel. Über Videospiele kann man ganz unterschiedlich schreiben.

Man kann sie analysieren, mit anderen Medien vergleichen. Man kann sie historisch betrachten, gesellschaftskritisch, psychologisch. Dafür brauchen die Autoren und Autorinnen ein Wissen, das sie sich angeeignet haben. Sie müssen studiert haben, oder sich selbst so weit gebildet haben, um Hintergründe, Einflüsse oder Bedeutungen zu erkennen und zu beschreiben. Dafür müssen diese Autoren und Autorinnen nicht die Mechaniken des Spiels perfekt beherrschen können. Sondern beim Spielen seine Texte und Kontexte verstehen.

Noch ein Gedankenspiel. Journalisten schreiben nicht nur über Spiele, sondern auch über die Umstände, in denen sie entstehen.

Wie werden Videospiele hergestellt? Unter welchen Bedingungen wird gearbeitet? Wie funktionieren Publisher, mit welchen Maßnahmen verkaufen sie Spiele - als Produkte? Als Kulturgut? Das sind lauter Fragen, die sich dem Videospieljournalismus auch stellen. Um diese zu beantworten, bedarf es der Recherche und eines kritischen Hinterfragens. Nichts davon wird besser, wenn der Artikel von jemandem geschrieben wurde, der gut spielen kann.

Ein letztes Gedankenspiel. Videospiel-Texte werden nicht nur für sogenannte Pro-Gamer geschrieben, sondern für ein breites Publikum.

Videospiele sind schon lange keine Nische mehr. Sie werden von einem großen Publikum als kulturelles Phänomen wahrgenommen. Und so finden es inzwischen auch viele Nicht-Spieler interessant, über Videospiele zu lesen. Diese Menschen werden nicht von Spiele-Tests angesprochen. Sie interessieren sich auch nicht dafür, ob der Autor oder die Autorin gut in dem Spiel waren. Sie wollen wissen, was das Spiel zu sagen hat. Welche Diskurse in ihm stecken. Oder wie es sich anfühlt.

Nach diesen Gedanken möchten wir nun noch andere Videospieljournalisten und -journalistinnen zu Wort kommen lassen. Weiter geht es auf Seite 2.

Weiter mit: Meinungen anderer Journalisten

Inhalt

Kommentare anzeigen

Promis privat: Hättet ihr gedacht, dass diese Persönlichkeiten Gamer sind?

Promis privat: Hättet ihr gedacht, dass diese Persönlichkeiten Gamer sind?

Auch bekannte Persönlichkeiten aus Film, Fernsehen, Musik und Sport sind im Grunde Menschen wie du und ich ... (...) mehr

Weitere Artikel

Das erscheint in der Kalenderwoche 51

Das erscheint in der Kalenderwoche 51

In genau einer Woche ist Weihnachten. Falls ihr noch das eine odere andere Spiel für die Ferien, den Urlaub oder d (...) mehr

Weitere News

Newsletter

Mit diesem Formular kannst du den Spieletipps.de Newsletter kostenlos abonnieren.

zurück zur Special-Übersicht