Test Dishonored - Der Tod des Outsiders: Kein Sprung ins kalte Wasser

von Spieletipps-Team (18. September 2017)

Ein schönes Spiel und eine schöne Fortsetzung haben die Marke Dishonored dennoch nie so richtig in die vordersten Ränge des Spielerinteresses gebracht. Kann das die Standalone-Erweiterung "Der Tod des Outsiders" ändern?

Mit Standalones ist das so eine Sache. Im Normalfall funktionieren sie, ohne, dass der Spieler das oder die Hauptspiele dazu besitzen muss. Gespielt haben sollte er sie allerdings dennoch, ansonsten wird ihm oft ein Rätsel bleiben, wer die Protagonisten sind, welche Rolle sie im Gesamtzusammenhang einnehmen und was sie motiviert. Nicht anders verhält es sich auch bei Dishonored - Der Tod des Outsiders.

Vielleicht ist es in diesem Fall sogar noch etwas wichtiger, denn Entwickler Arkane Studios führen mit Der Tod des Outsiders geschichtlich genau das weiter, was sie bereits mit Dishonored - Die Maske des Zorns und der Fortsetzung Dishonored 2 - Das Vermächtnis der Maske etabliert haben. Schade nur, dass nicht nur die Stärken der Reihe mit in die Weiterführung eingeflossen sind.

Vorkenntnisse sind nicht verkehrt: Schaut mal in die Bilderstrecke, um euch mit den Vorgängern vertraut zu machen.

Ihr übernehmt im Spiel die Rolle der Billie Lurk. Kenner der ersten beiden Teile wissen, dass es sich bei der Dame um eine ehemalige Assassine handelt, deren Geschichte bereits Teile der Haupthandlung getragen hat. Jetzt steht sie im Mittelpunkt und soll für ihren einstigen Mentor Daud einen Mord ausführen, und zwar niemand geringeren als den Outsider. Genau den mysteriösen, mächtigen Mann mit den schwarzen Augen, der in der Lage ist, anderen Menschen magische Kräfte zu verleihen. Daud behauptet, der Outsider sei für die Verderbtheit der Welt verantwortlich und muss daher sterben.

Ihr dürft viel tun, doch ist der Weg zu schmal

Nach dieser durchaus nach Bombast und Pathos schmeckenden Prämisse dürft ihr euch natürlich eine entsprechend voluminöse und detaillierte Erzählung erwarten. Dumm nur, dass genau das nicht geschehen wird. Der Spielinhalt besteht aus einer Aneinanderreihung an Missionen. Die Hintergründe eures Handelns werden mit nur wenigen Sätzen recht oberflächlich bedacht.

Billie Lurk in Pose. Trotz des starken Szenarios bleiben die Persönlichkeiten der Figuren etwas auf der Strecke.Billie Lurk in Pose. Trotz des starken Szenarios bleiben die Persönlichkeiten der Figuren etwas auf der Strecke.

Im Spiel findet ihr Briefe und hingekritzelte wie ausgefertigte Notizen, die zumindest noch ein wenig mehr Hintergründe bieten. Rein geschriebenes Wort ohne charakterliche Darstellung lässt aber eine gewisse Bindung zu den Figuren vermissen. Leider bleibt Billie nur eine Figur mit einem Namen und einer Aufgabe, wird jedoch nicht zu einer Persönlichkeit mit einer einnehmenden Historie.

Kenner der Vorgänger werden sicherlich eine Verbindung des neuen Erzählstrangs mit den Hauptteilen etablieren können. Bei jenen unter euch, die sich zum ersten Mal an einem Spiel aus der Dishonored-Reihe versuchen, ist die Gefahr groß, dass ihr keine Ahnung habt, was hier eigentlich abgeht. Was erschwerend hinzukommt: In Dishonored dreht sich viel um Kulte, magische Praktiken und nicht zuletzt den geheimnisvollen Outsider. Diese ohnehin schon schwer verdaulichen Komponenten werden auch seit jeher kryptisch und gerne mal ein wenig verworren präsentiert. Insgesamt setzt das die Einstiegshürde in keiner Weise herunter.

Nun könnte einem das eigentlich egal sein, würde es sich um ein x-beliebiges Spiel handeln, an das man halt keinen Gedanken mehr verschwenden sollte. So ist es aber nicht, denn die Welt von Dishonored ist schon seit Teil 1 ein unglaublich fantasie- und liebevoll gestaltetes Konstrukt aus Steampunk-Elementen und okkulten Geschichten und Legenden. Das ändert sich auch nicht in der Der Tod des Outsiders.

Ins Auge fallen vor allem die mit sehenswerten Details angereicherten Innenbereiche. Egal ob PC oder Konsole, sowohl technisch als auch gestalterisch präsentiert sich auch dieser Teil der Dishonored-Reihe wieder wie ein optisches Gedicht, das seinen ganz eigenen Stil gekonnt präsentiert. Schade nur, dass die hübsche Verpackung nicht auf Dauer davon ablenken kann, dass der Inhalt etwas zu kurz gekommen ist.

Alles gut an der spielerischen Front

Der Tod des Outsiders mag zwar mit nachvollziehbarer Motivation und tiefgründiger Erzählung geizen, jedoch setzt er spielerisch auf ähnlich hohem Niveau an, wie er es grafisch bereits auf den ersten Blick liefert. Drei neue Kernkräfte stehen euch diesmal zur Verfügung: Weitsicht ermöglicht die Erkundung der Umgebung auf größere Distanzen. Gleichzeitig könnt ihr dabei Sammelobjekte und Gegner markieren. Platztausch stellt ein nicht ganz so klassisches Teleporter-Prinzip zur Disposition und mit Trugbild setzt ihr euch Gesichter von Wachen auf, um unerkannt feindliche Bereiche zu infiltrieren.

Spielerisch orientiert sich die Erweiterung an den Hauptspielen.Spielerisch orientiert sich die Erweiterung an den Hauptspielen.

Es stellt sich jedoch die große Frage, ob ihr hier den eher beschwerlichen und konzentrierten Weg der Schleicherei und Täuschung beschreiten wollt. Denn Das Chaos-System aus den Vorgängern existiert nicht mehr. Für jene, die dieses Prinzip noch nicht kennen: Euer Vorgehen hatte in den bisherigen Serienteilen Konsequenzen. Oft kam es zu brachialen virtuellen Massenmorden seitens der Spieler, wenn ihre Deckung schon wieder aufgeflogen ist und sie keinen Bock mehr hatten, nochmal die Wege von vorne zu beschleichen. Stattdessen griff so mancher zu roher Gewalt.

Die Möglichkeit bestand schon immer, jedoch hatte dies im weiteren Spielverlauf halt seine Konsequenzen und zog entsprechende Änderungen nach sich. Da dies nun wegfällt, bleibt die Art des Vorgehens einzig und allein eine Frage der persönlichen Präferenz. Einerseits wird dadurch zwar etwas spielerischer Tiefgang weggenommen, andererseits öffnet sich die Mechanik und bietet mehr Handlungsspielraum für alle Spielertypen, ohne, dass sie für ihr bevorzugtes Vorgehen abgestraft werden.

Straffer, geradliniger, schnörkelloser

Wer neu in die Welt von Dishonored einsteigt, den wird Der Tod des Outsiders in Sachen Charakterentwicklung nicht weiter überraschen. Alte Hasen hingegen werden festellten: Wo sind die Talentbäume? Zwar gibt es noch immer Knochenartefakte, mit deren Hilfe Charakterattribute angepasst werden können, doch die Runen, die in den Talentbäumen Anwendung fanden, sind passé. Das mag jetzt auf den ersten Blick wie eine schwere Unterlassungssünde wirken, ist im Angesicht der kürzeren Spieldauer jedoch eine kluge Entscheidung.

Eindrücke wie dieser geben die Atmosphäre der Dishonored-Spiele gekonnt wieder.Eindrücke wie dieser geben die Atmosphäre der Dishonored-Spiele gekonnt wieder.

Was bleibt, sind zahlreiche Nebenaufgaben. Statt wie bisher in der Spielwelt verteilt zu sein, sind diese jetzt aber am Schwarzen Brett zu finden. Stilsichererweise natürlich am Schwarzen Brett ... am Schwarzmarkt. Diese Aufträge dienen in erster Linie dazu, das Geschehen etwas abwechslungsreicher zu gestalten. Netter Nebeneffekt: Durch die Bewältigung dieser Aufgaben erhaltet ihr Geld zum Kauf von neuen Ausrüstungsgegenständen.

Für circa 30 Euro bekommt ihr etwa sieben Stunden Spielzeit. Der Wiederspielwert nach Abschluss der Kampagne beschränkt sich auf einen "New Game Plus"-Modus, der euch die Fähigkeiten aus Dishonored 2 eröffnet.

Unterm Strich bleibt eine vor allem optisch und spielerisch gelungene Standalone-Erweiterung, die jedoch in erzählerischer Hinsicht ein wenig schwach auftritt. Dishonored-Fans wird das vermutlich nicht weiter stören, da allein die Aussicht auf einen weiteren Ausflug in die Steampunkt-Welt für Freude sorgt. Die neue Fähigkeiten rechtfertigen die Erweiterung durchaus.

85 Spieletipps-Award

meint: Optisch und spielerisch ein sauberes Stück Arbeit. Erzählerisch bleiben leider Geschichte und Charaktere etwas auf der Strecke.

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Tags: Singleplayer  

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