Vorschau Super Mario Odyssey: Fühlt sich so gut an wie es aussieht

von Micky Auer (20. September 2017)

Neue Konsole - neues Mario-Abenteuer. Das ist ein ungeschriebenes Gesetz, von dem Nintendo-Fans erwarten, dass es von Nintendo entsprechend eingehalten wird. Und: Das Spiel muss grandios werden. Klappt das?

Überraschung! Spoiler! Total unerwartet! Wer hätte das gedacht? Nie zuvor gesehen! Absolut innovativ! Seid ihr bereit für die folgende, absolut umwerfende Information?

In Super Mario Odyssey wird Prinzessin Peach von Bowser entführt!

AAAAAIIIIIIIEEEEEEH!!! Was für ein unglaublicher Plot-Twist, den niemand erwartet hätte!

Okay, die vollkommen flache Prämisse für Nintendos nächste Mario-Hüpferei hätten wir hiermit besprochen. Aber mal ganz ehrlich: Wenn interessiert's? Die tiefgreifende Geschichte ist es wohl kaum, die fleißige Mario-Enthusiasten seit etwa 30 Jahren bei der Stange hält. Vielmehr geht es um neue Ideen, technische Perfektion, spaßige Unterhaltung, Videospielkönnen in seiner reinsten Form.

Seit Super Mario Galaxy hat sich der Name Mario jetzt nicht mehr weltbewegend durch Innovation hervorgetan. Das will Nintendo mit Super Mario Odyssey ändern und greift spielerisch mal wieder so richtig in die Vollen. Wir durften im Europa-Hauptquartier in Frankfurt vor kurzem selbst Hand anlegen und ein paar Bereiche im Spiel ausprobieren.

Warum hüpft der Kerl eigentlich schon wieder?

Lasst uns gleich mal ein paar Dinge klarstellen: Formulierungen wie "Nintendos Vorzeigeklempner ..." werdet ihr offiziell nicht mehr finden, denn Mario, von dem hier die Rede ist, hat seinen Beruf an den Nagel gehängt und ist nun kein Klempner mehr. Was er mittlerweile beruflich so treibt, lässt Nintendo aber offen.

Was immer er auch tut, es lässt ihm offenbar genug Freiraum, um Prinzessinnen, nun ja, DIE Prinzessin, zu retten. Peach ist mal wieder von Bowser entführt worden. Auch dessen Pläne blieben bislang immer etwas nebulös. Prinzessinnen entführen - schön und gut, aber wozu eigentlich? Jetzt ist das auch endlich klar: Bowser will Peach heiraten. Uärgh.

Ratet mal, welcher Gumba sich umdrehen würde, wenn ihr "Mario!" in die Menge ruft!Ratet mal, welcher Gumba sich umdrehen würde, wenn ihr "Mario!" in die Menge ruft!

Da muss eingeschritten werden. Auf seiner Verfolgung des Bräutigams und der unfreiwilligen Braut sammelt Mario Power-Monde ein, die als Treibstoff für die namensgebende Odyssey dienen. Dabei handelt es sich um ein Multifunkions-Gefährt in Form eines Hutes. Gleichzeitig beschreibt der Name auch die wahre Odyssee durch die zahlreichen und abwechslungsreichen Welten, die Mario bereisen muss, um Peach zu retten.

Wie in jedem großen Mario-Spiel findet eine neue, integrale Spielmechanik Verwendung. In diesem Fall handelt es sich um die Mütze, die auf Gegner geworfen dafür sorgt, dass sich Mario in besagte Gegner verwandelt und somit auch Zugriff auf deren speziellen Fähigkeiten hat. So innovativ das klingen mag, so neu ist es gar nicht. Denkt mal kurz an Kirby. Der saugt schon seit Tag 1 seines Daseins Gegner ein, um ihre Fähigkeiten zu kopieren. Nun ja, zumindest hat Nintendo in diesem Fall bei sich selbst geklaut und der ganzen Mechanik auch noch einen spürbaren Mario-Anstrich verliehen.

Diese Mechanik ist übrigens kein nutzloser, wenngleich unterhaltsamter Zeitvertreib. Ihr braucht diese Funktion zwingend, um im Spiel voranzukommen und die verwinkelt gestalteten Levels bis auf die letzte Ecke zu erkunden. Im Zuge der Anspielrunde durften wir das in zwei der Welten ausprobieren. Gleich vorweg: Wie in der Branche üblich, ist es uns nicht gestattet über eine Vielzahl der Funktionen, Möglichkeiten und Optionen im Spiel zu berichten, auch wenn wir sie eventuell gesehen haben. Das ist auch irgendwo verständlich, denn nicht nur möchte Nintendo euch nicht den Spaß verderben, sondern sich auch vor potenziellen Nachahmern schützen. Wir bitten daher um Verständnis.

Schlaraffenland und Urlaubsparadies

Stichwort: Abwechslung. Das Abenteuer beginnt im Hutland. Im Laufe der Anspiel-Session dürfen wir auch ins Schlemmerland und Küstenland reinschauen. Das ist nur ein Bruchteil der anwählbaren Levels, aber schon hier zeigt sich die Vielfalt der Gestaltung und die Umsetzung von spielerisch witzigen und nützlichen Ideen.

Das Schlemmerland ist ein wahrhaft psychedelischer Farbtraum. Und Mario darf Rettiche pflücken, wie schon in Super Mario World 2!Das Schlemmerland ist ein wahrhaft psychedelischer Farbtraum. Und Mario darf Rettiche pflücken, wie schon in Super Mario World 2!

Die Namen sind natürlich Programm. Im Hutland stolpern wir noch alle paar Schritte über hilfreiche Meldungen, die uns die zwar komplexe, aber stets intuitive Spielmechanik erläutern. Mario-Profis werden sich abgesehen von den Neuerungen ohnehin sofort zu Hause fühlen, denn bekannte Techniken wie Dreifachsprung, Stampfsprung und Rückwärtssalto aus geduckter Haltung beherrschen sie - ebenso wie Mario - im Schlaf. Ganz klar, dass diese Möglichkeiten wieder mit von der Partie sind.

Das Küstenland ist ein sonnendurchflutetes Urlaubsparadies komplett mit weißen Stränden und kristallklarem Wasser. Die Suche nach den Power-Monden findet wirklich im gesamten Level statt, das heißt, ihr werdet auch Ausflüge unter Wasser absolvieren, wo Luftblasen dafür sorgen, dass euch nicht die Puste ausgeht. Die Stimmung in diesem Abschnitt erinnert sofort an Super Mario Sunshine und sein tropisches Szenario.

Im Schlemmerland angekommen zeigt sich, dass ihr in einem Mario-Spiel der abgefahrenen Sorte angekommen seid. Rein spieltechnisch gestaltet sich dieser Abschnitt auf einem ähnlich hohen Niveau wie der bisher gesehene Rest des Spiels, gestalterisch seid ihr aber in einer Umgebung unterwegs, die ebensogut aus Alice im Wunderland stammen könnte. Ihr befindet euch in einem beinahe komplett essbaren Level, in dem ihr euch mit sprechendem Besteck unterhaltet. Alles dreht sich um die Zubereitung von irgendwelchen Eintöpfen, die Verwandlungen, die ihr dank Mützenwurf erlebt, sind teils so dermaßen überraschend, dass wir sie euch wirklich nicht spoilern wollen.

Marios Switch-Einstand wird Eindrücke hinterlassen

Obwohl es sich bei Super Mario Odyssey um ein astreines 3D-Mario handelt, ist es den Entwicklern gelungen, ein klassisches 2D-Spielgefühl zu erschaffen. Und das ist wirklich beeindruckend! Woran machen wir das fest? Da wäre zum einen die Exaktheit der Steuerung. Auch wenn bisherige 3D-Marios dahingehend immer besser geworden sind, so fehlte dennoch immer dieses kleine Bisschen Genauigkeit, das Spieler zuvor schon in den 2D-Episoden so hoch geschätzt haben. Egal, ob die Steuerung nun wirklich diesen Sprung nach vorne gemacht hat oder nicht: Es fühlt sich definitiv so an.

Endlich ist der Tag gekommen, an dem ihr es den Hammer-Brüdern mit gleicher Münze heimzahlen dürft! (Hier eher: Pfannen-Brüder)Endlich ist der Tag gekommen, an dem ihr es den Hammer-Brüdern mit gleicher Münze heimzahlen dürft! (Hier eher: Pfannen-Brüder)

Zum anderen ist da der Ideenreichtum, der sich so dermaßen dicht präsentiert und eine Klasse für sich darstellt. Fast hat man den Eindruck, dass jedem Mitarbeiter, der mit einer neuen, tollen Idee um die Ecke gekommen ist, vorher ein Pony versprochen wurde. Es sind vielleicht nicht immer Einfälle, die es nicht schon in der einen oder anderen Form zu sehen gab, aber sie sind immer auf irgendeine Weise besonders inszeniert. Ein Beispiel:

Im Küstenland trefft ihr auf die altbekannten Hammerbrüder, die natürlich keine Gelegenheit auslassen, um irgendwelchen Kram nach euch zu werfen. An einer Stelle betritt Mario eine Höhle. Das Spielgeschehen wird ad hoc in die 2D-Seitenansicht versetzt, die gesamte Grafik gestaltet sich wie das 8Bit-Original, komplett mit fiesen Hammerbrüdern auf erhöhten Plattformen, die erratisch rumspringen und noch mehr Zeug nach euch werfen! Der Abschnitt ist nur wenige Schritte lang, dann geht es wieder nach draußen und die nächste Idee wartet auf euch.

Und so geht es weiter. Beinahe stakkatoartig fliegen euch die Einfälle der Entwickler um die Ohren. Gleichzeitig habt ihr immer genug Spielraum, um euch auf eine Aufgabe, eine Sprungpassage oder einen Kampf zu konzentrieren. In all dem Gewusel pro Abschnitt gibt es immer einen roten Faden, den ihr verfolgen könnt, aber wirklich nicht verfolgen müsst! Denn es gibt auch so unsagbar viel Sammelkram zu finden, dass ihr wirklich genau vorgehen müsst, damit ihr nichts verpasst. Nintendo ist seinem Ruf gerecht geworden und hat wirklich dafür gesorgt, dass Super Mario Odyssey zu dem wird, was sich die Firma schon seit jeher auf die Fahne geschrieben hat: Ein Spiel, dass dazu da ist, gespielt zu werden.

Meinung von Micky Auer

"Ach ne, nicht schon wieder ein 3D-Mario. Aus dem Alter bin ich nun wirklich raus." Ja, denkste. Nix da. Nintendo hat sich mit Super Mario Odyssey hinterrücks an mich rangeschlichen, mich überrumpelt und - nach einigen Jahrend der Abstinenz - wieder zum Mario-Fan gemacht.

Ich weiß nicht so recht, wo ich Odyssey einordnen soll. Es fühlt sich ein wenig wie ein "Best of Mario" an, bewahrt aber gleichzeitig seine eigene Identität. Ein klein wenig kommt mir dieser Innovationsschub wie Super Mario Galaxy vor, nur noch ein klein wenig intensiver und dichter.

Ich darf an dieser Stelle leider nicht verraten, wie viel Zeit ich in die beiden anspielbaren Abschnitte investiert habe, aber glaubt mir: Es war viel und mir wurde dabei nicht einmal langweilig. Was mich ebenfalls überrascht hat: Super Mario Odyssey ist ganz schön fordernd! Es spricht den Videospieler in mir an, der seinerzeit auf NES uns SNES pixelgenaue Sprünge mit Anlauf vollführt hat, um ans Ziel zu kommen.

Das ist hier zwar nicht 1:1 übernommen worden, stattdessen wird das Prinzip zeitgenössisch präsentiert. Alle Vorteile einer 3D-Umgebung und -Steuerung gepaart mit der Herausforderung einer 2D-Hüpferei mit gleichzeitiger einfacher Übersicht ist ein Kunststück. Klarerweise kann hier noch lange keine endgültige Bewertung erfolgen, aber ich erlaube mir mal eine gewagte Prognose:

Super Mario Odyssey hat das Zeug dazu, das beste Mario-Spiel aller Zeiten zu werden.

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Tags: Shigeru Miyamoto  

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