Maguss: Pokémon Go für Zauberlehrlinge?

(Special)

von Emily Schuhmann (21. September 2017)

"Der Zauberstab sucht sich den Zauberer." In der Welt von Harry Potter mag das so sein. In Maguss könnt ihr selbst entscheiden, ob ihr überhaupt einen Stab benutzen wollt.

Nach dem gigantischen Erfolg von Pokémon Go war es kein Wunder, dass aus allen Ecken Forderungen nach "Go"-Spielen zu anderen Universen laut wurden. Neben Game of Thrones war vor allem Harry Potter einer der häufigsten Wünsche. Was zu dieser Zeit die wenigsten wussten: bereits 2015 arbeiteten dänische Entwickler an einer Art Harry Potter Go.

Maguss Wand war eine App, mit der ihr zusammen mit einem Plastik-Zauberstab Duelle mit anderen Magiern ausfechten solltet. Die damit verbundene Kickstarter-Kampagne verfehlte ihr Ziel jedoch um mehr als die Hälfte.

Im Jahr darauf folgte der Wahnsinn um Pokémon Go, die Entwickler aus Kopenhagen versuchten im November mit einem überarbeiteten Konzept ihr Glück mit einer indiegogo-Kampagne und erhielten mit über 300.000 Euro mehr als das doppelte der geforderten Unterstützung.

Die neue App Maguss ähnelt Pokémon Go wesentlich mehr als ihr Vorgänger und wirkt vor allem professioneller. Ursprünglich plante der Entwickler eine offene Beta des Spiels bereits für diesen Sommer, doch verschob sie dann in den November. Ich habe mich in der geschlossenen Beta die letzten Wochen als Zauberer versucht und möchte euch hier von meinen Erfahrungen berichten.

Überraschend viel Rollenspiel

Ich bin mit Pokémon groß geworden, liebe die Spiele und auch so ziemlich alles, was es sonst noch dazu gibt, aber mit Pokémon Go werde ich einfach nicht warm. So interessant ich das Phänomen finde, es ist für mich zu weit von dem entfernt, was Pokémon für mich ausmacht. Über Maguss bin ich vollkommen zufällig gestolpert, mich haben einfach die Screenshots in Google Play angesprochen.

Auf den ersten Blick wirkt das Spiel tatsächlich wie ein Klon der erfolgreichen App von Niantic. Wäre dies der Fall, hätte es allerdings keinen Platz in der folgenden Bilderstrecke verdient:

Wer sich einen der "Closed Beta"-Keys gönnt, kann zuerst einen Charakter erstellen und einem von vier Orden beitreten. Wenn das Spiel voraussichtlich im Frühling offiziell als "Free to Play"-App erscheint, ändere ich meine Meinung vielleicht noch mal, aber spontan fiel meine Entscheidung auf die Highmoon Brootherhood. Erst später habe ich gelernt, dass diese Orden nicht nur kosmetischer Natur sind. Sie können gemeinsam Festungen einnehmen und dann deren Umkreis kontrollieren.

Düster und irgendwie mystisch

Was mich sehr positiv überrascht hat, ist der individuelle und für mich sehr ansprechende "Artstyle", also der künstlerische Stil, der sich durch das gesamte Spiel zieht. Monster, Menü, Gegenstände, Zauber und Charaktere; alles ist aus einem Guss. Das Spielgeschehen teilt sich auf zwei Bereiche auf, das Menü und die bereits erwähnte Karte, auf der ihr euch wie auch in Pokémon Go durch Schritte in der echten Welt fortbewegt. Auf ihr wimmelt es vor Symbolen, die sich in zwei Gruppen einteilen lassen.

Rosenwasser, Ingwer, Sandelholz und Co. könnt ihr in einem Kessel vermischen und so nützliche Tränke brauen.Rosenwasser, Ingwer, Sandelholz und Co. könnt ihr in einem Kessel vermischen und so nützliche Tränke brauen.

Zutaten sind logischerweise stationär, sobald ihr nah genug dran seid, könnt ihr sie einsammeln. Die verschiedenen Monster halten hingegen nicht still. Manchmal erweckt das für mich den Anschein, als würden sie vor mir wegrennen, ab und an ist aber auch das Gegenteil der Fall und ich muss mich überhaupt nicht bewegen um eines der Fabelwesen herauszufordern.

Wutschen und Wedeln

Das Kampfsystem ist noch lange nicht perfekt, aber es ist faszinierend. Aus einem Pool von unzähligen Zaubersprüchen und Flüchen könnt ihr euch sogenannte Decks zusammenstellen. Ein komplettes Deck beinhaltet zehn Gesten, denen ihr jeweils eine Aktion zuweisen könnt. Legt ihr euch mit einem Monster oder einem anderen Spieler an, könnt ihr nun diese Gesten nutzen, um fünf Aktionen zu registrieren. Euer Gegner tut dasselbe und im Anschluss werden die Zauber abwechselnd ausgeführt.

Noch nicht jede Bewegung wird exakt erkannt, aber das Spielprinzip fühlt sich neu und irgendwie aufregend an.Noch nicht jede Bewegung wird exakt erkannt, aber das Spielprinzip fühlt sich neu und irgendwie aufregend an.

Nach einem Sieg gegen einen Mitspieler steigt euer PvP-Rang, besiegt ihr ein mystisches Wesen winken Gold und Erfahrungspunkte als Belohnung. Damit könnt ihr euren Charakter weiterentwickeln, neue Zauber erlernen und Ausrüstung kaufen. Diese verändert übrigens tatsächlich das Aussehen eures Charakters und nicht nur dessen Werte. So macht die Jagd nach Monstern und damit neuen Gegenständen doppelt Spaß.

Gott sei dank kein Harry Potter

Es ist mehr als offensichtlich, dass das Spiel noch nicht fertig ist, aber ich sehe enorm viel Potenzial. Wäre es tatsächlich ein Harry Potter Go würde vermutlich die halbe Welt durchdrehen. Ein talentierter Künstler sorgte bereits kurzzeitig für einen Begeisterungssturm, weil er auf seinem Kanal Stargazer Media einen selbstgemachten Trailer hochgeladen hat.

(Quelle: Youtube, Stargaze Media)

Natürlich würde ich den Entwicklern den so quasi garantierten Erfolg gönnen, aber ich bin froh, dass Maguss eben kein vermutlich eher kindgerechtes Harry Potter Go ist. Es ist ein durchdachtes AR-Rollenspiel mit überraschend viel zu tun. Tägliche Missionen, Zutaten sammeln, Tränke brauen, Monsterjagd, Schatzsuche, Festungskämpfe und Dungeons, all das lässt mich voller Vorfreude auf die Veröffentlichung warten.

Auf den optionalen Bluetooth-Zauberstab verzichte ich jedoch gern ... das muss dann doch nicht sein.

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Tags: Beta   Fantasy   Free 2 play   Indie  

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