Wir haben Politiker gefragt: Welche Spiele würden Sie Ihren Wählern empfehlen?

(Special)

von Matthias Kreienbrink (23. September 2017)

Am 24. September wird in Deutschland gewählt. Daher das Wichtigste direkt zuerst: Geht wählen! In Videospielen spielt ihr sehr oft für die gerechte Sache. Beim Wählen verhält sich das genauso.
Um euch zu zeigen, dass auch Politiker gerne zocken, haben wir die Parteien gefragt: Welche Videospiele würden Sie Ihren Wählern und Wählerinnen empfehlen? Hier sind die Antworten.

Auch auf der gamescom hatten die Parteien einiges zu sagen - ebenso wie der YouTuber Peter Smits.

Videospiele stehen nicht außerhalb dessen, was wir Politik nennen. Politiker sind nicht die "da oben", sondern Menschen wie du und ich. Und manchmal auch Spieler. Wir hoffen, dass die meisten von euch am Sonntag wählen gehen werden. Ebenso hoffen wir jedoch, dass ihr eure Wahl nicht nur davon abhängig machen werdet, wie eine Partei zu Videospielen steht.

Dennoch fanden wir die Frage spannend: Welche Spiele würden Politiker eigentlich ihren potenziellen Wählerinnen und Wählern empfehlen? Und warum? Aus diesem Grund haben wir allen demokratischen Parteien, die nicht in der Nähe des Rechtsradikalismus stehen, genau diese Frage gestellt. Die Antworten sind genauso unterschiedlich wie es die Parteien und ihre Programme auch sind. Die Aufzählung ist alphabetisch geordnet. Los geht's!

Bündnis 90/Die Grünen

Tabea Rößner, Sprecherin für Medien, Kreativwirtschaft und Digitale Infrastruktur: Anno 2205

Begründung:

Das Entwicklungsstudio von Anno 2205, Blue Byte, das zu Ubisoft gehört, hat seinen Sitz in Mainz in meinem Wahlkreis. Ich habe das Studio bereits mehrfach besucht und bin beeindruckt von der Optik des Spiels und der innovativen Neuerfindung der beliebten Anno-Reihe. Das zeigt: Erfolgreiche und große Spiele-Titel kommen auch aus Deutschland! Besonders gefällt mir auch, dass das Spiel auf eine Energiekrise der Menschheit in der Zukunft eingeht. Das ist auch uns Grünen wichtig: Wir brauchen innovative Lösungen, um auf umweltfreundliche und nachhaltige Energiequellen umzusatteln. Außerdem kann man in dem Spiel Sonnenblumenfarmen anlegen! Wenn das nicht Grün ist!

Corinna Rüffer, Sprecherin für Behindertenpolitik der Grünen-Bundestagfraktion: Popmundo

Begründung:

Popmundo ist ein Online-Rollenspiel, in dem die Spieler nach Ruhm in einer virtuellen Musikindustrie streben. Das Besondere an dem Spiel? Hinter jedem Charakter steckt ein realer Mensch. Die Community ist international. Man spielt also zum Beispiel mit Menschen aus Japan, Brasilien oder Schweden als würden sie einem gegenüberstehen. Die Community zeichnet sich durch Toleranz und Weltoffenheit aus. Ein Positivbeispiel der Globalisierung.

Sven-Christian Kindler, Haushaltspolitischer Sprecher: Tetris

Begründung:

Keep it classic. Bestes Spiel, wird nie langweilig. Man kann es schnell zur Zerstreuung zwischendurch spielen oder sich stundenlang darin verlieren. Der Soundtrack ist großartig. Wer Tetris gespielt hat, eignet sich vor allem gut als Umzugshelfer oder in allen anderen Situationen bei denen auf begrenzten Raum effizient verstaut werden muss.

Ulle Schauws, Ordentliches Mitglied im Ausschuss für Kultur und Medien: Perfect Woman

Begründung:

Das Spiel ist grafisch künstlerisch gestaltet und befasst sich mit der Problemlage, dass man als Frau vielen Ansprüchen gerecht werden muss. Es ist ein Tanzspiel für Xbox Kinect und thematisiert auf ironische Art und Weise die vielfältigen Ansprüche an eine Frau, um möglichst perfekt zu sein. So müssen Karriere, Privatleben, Familie und zahlreiche andere Ansprüche unter einen Hut gebracht werden und verschiedene aufeinander aufgebaute Level im Leben einer Frau absolviert werden. Die Darstellerinnen sind sehr divers und künstlerisch schön gestaltet und es ist sowohl thematisch, als auch grafisch kein 08/15 Indie Game.

Konstantin von Notz, Mitglied im Ausschuss für Digitale Agenda: Fifa

Begründung:

Fifa ist eine gute Ablenkung, um mal den Kopf raus aus der Politik zu bekommen und es bietet die Möglichkeit, dass die großartige Eintracht Frankfurt Deutscher Meister wird – zumindest digital.

Hier geht es zum Wahlprogramm von Die Grünen.

CDU/CSU

Leider kam von CDU/CSU keine Rückmeldung. Allerdings haben wir Generalsekretär Dr. Peter Tauber schon im April gefragt, welches sein eigenes Lieblingsspiel ist. Seine Antwort war The Elder Scroll 5 - Skyrim. Die Begründung könnt ihr hier nachlesen: /artikel/6935/1/

Hier geht es zum Regierungsprogramm der CDU/CSU.

Die Linke

Stefan Liebich, Mitglied des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages: GTA und Candy Crush

Begründung:

Wenn ich mal etwas mehr Zeit habe, verliere ich mich im "Grand Theft Auto"-Universum von Rockstar. Ich weiß, es geht dort ein wenig ruppig zu, aber ich kann in dieser ganz anderen Welt gut abschalten. Für die kleine Pause zwischendurch bevorzuge ich allerdings Candy Crush von King. Da habe ich es mittlerweile schon bis zum Level 1036 geschafft. Aber ob das für meine Wählerinnen und Wähler passt, muss schon jeder für sich selbst entscheiden. Das ist wie bei der Bundestagswahl.

Katja Kipping, Vorsitzende der Partei DIE LINKE: Civilization, Horizon Zero Dawn

Ich spiele zwar selbst höchstens mal Schach am Computer und sonst doch eher offline mit meiner Tochter, aber gute Freunde haben mir die Globalstrategiespiele aus der Civilization-Reihe empfohlen, was ich gern weitergebe. Bei Civilization ist es möglich auch ohne Krieg – etwa durch Diplomatie, eine herausragende Forschung oder eine beeindruckende Kultur (bei Civilization 5) – im Wettstreit zwischen den Staaten, eine gerechte Gesellschaft aufzubauen und als Siegerin aus dem Spiel hervorzugehen. Auch wenn ich mir persönlich wünschen würde, dass Sid Meier einen Civilization-Teil herausbringt, der es ermöglicht, auch die nationalstaatlichen Kategorien, auf denen das Spiel basiert, zu überwinden. In der realen Welt sollte natürlich nicht der Wettbewerb zwischen den Staaten die internationalen Beziehungen prägen, sondern das Prinzip der internationalen Solidarität. Schließlich treten wir als Linke in unserem Wahlprogramm für friedliche Konfliktlösung, konsequente Abrüstung und eine gerechte Weltwirtschaftsordnung ein.

Eine Freundin von mir schwärmt zudem für das Action-Rollenspiel Horizon Zero Dawn. Das Spiel hebt sich von anderen Spielen aus dem Genre durch eine starke weibliche Hauptcharakterin ab, die nicht unnötig sexualisiert wird. Als Linke setzen wir uns für einen Feminismus ein, der sozial gerecht ist, sexuell selbstbestimmt und stereotypische Rollenbilder aufbricht. Das findet man auch in Horizon Zero Dawn.

Niema Movassat, Mitglied im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: This War of Mine

Begründung:

Das Spiel ist schon etwas älter, von 2014. Seine Thematik ist aber hochaktuell. Ein Computerspiel, das Krieg mal nicht aus der Perspektive von Soldaten und Kämpfern erzählt, sondern aus Sicht der Opfer des Krieges. Chefautor Miechowski sagte bei der Vorstellung des Spieles, dass dieses Antikriegsspiel „keinen Spaß machen soll“. Um was geht’s? Man muss das Überleben von Zivilisten in einem Kriegsgebiet sichern. Dem Spiel merkt man an, dass es versucht, möglichst nah an der Realität von Kriegen zu bleiben. Wie kommt man an Nahrung? Wie beschafft man Arzneimittel? Was tut man bei Verletzungen? Es geht um den Alltag im Kriegsgebiet – ein wenig wie ein Sim, der im Kriegsgebiet ist und überleben will. Dazu passt, dass die Figuren im Spiel ihre Bedürfnisse und Gefühle in Texteinblendungen mitteilen. Das Spiel bringt die Figuren aber auch in Lebensgefahr – wenn man raus muss, um Lebensmittel zu besorgen und überall Scharfschützen warten. Das Spiel zwingt den Spieler auch zu schwierigen moralischen Fragen eine Entscheidung zu treffen: Stoppt man einen Soldaten, der versucht sich an einer Frau zu vergehen und riskiert man damit sein eigenes Leben? Hilft man einem Bettler oder überlässt man ihn sich selbst und damit möglicherweise dem Tod? Das Spiel macht wahrlich keinen Spaß. Und doch ist es spannend. Weil es die Kriegsrealität versucht abzubilden. In Zeiten zahlloser sinnfreier Spiele ist dies ein sehr erwachsenes Computerspiel. Krieg macht eben keinen Spaß – Krieg bedeutet gerade für Zivilsten einen Kampf ums Überleben. Das macht dieses Spiel deutlich.

Hier geht es zum Wahlprogramm von Die Linke.

FDP

Nicola Beer, Generalsekretärin der Freien Demokraten: Deponia, League of Legends

Begründung:

Ich selbst komme zeitlich leider nicht zum Spielen, aber meine beiden Söhne sind richtig gut dabei – und erlauben mir immer wieder, ihnen über die Schulter zu schauen. Ich habe jetzt bei meinen Jungen nachgefragt: Empfehlen würden sie das Point-and-Click Adventure Chaos auf Deponia vom deutschen Entwickler Daedalic Entertainment. Dies ist ein Spiel für eine jüngere Zielgruppe mit vielen charmanten Dialogen und liebevoll gestaltete Screens und Charakteren. Derzeit spielen meine Jungs aber hauptsächlich das MOBA League of Legends. Wichtig ist aber auch zu betonen, dass mir das Thema als Politikerin wichtig ist: Ich habe die diesjährige gamescom besucht und dort auch an einem Panel teilgenommen. Dort habe ich deutlich gemacht, dass Games nicht nur ein wertvoller Spaß und Freizeitbeschäftigung sind, sondern auch Wissensvermittlung, Teamfähigkeiten oder den Sportgedanken in den Vordergrund stellen. Das müssen wir mit der Politik fördern.

Hier geht es zum Wahlprogramm der FDP.

Piratenpartei

Anja Hirschel, Spitzenkandidatin der Piratenpartei Deutschland zur Bundestagswahl: Deponia/Professor Layton/World of Goo

Begründung:

Zunächst empfehle ich die Point-and-Click Reihe Deponia von Daedalic die Spaß und kuriose Rätsel mit einer spannenden Story verbindet und auf verschiedensten Plattformen läuft. Für etwas jüngere Spieler halte ich die Rätsel um Professor Layton von Nintendo für geeigneter, was aber nicht heißen soll, dass es Erwachsenen nicht auch Spaß machen würde. Ein Spiel, das sich durch seine Einzigartigkeit nur schwer einordnen lässt (wenn auch nicht mehr ganz neu): World of Goo. Schwarze kichernde Bälle zu gewagten Konstruktionen zusammenbauen macht sehr viel Spaß und ist dank intelligenter Physik-Engine eine wirkliche Herausforderung.

René Pickhardt, Spitzenkandidat der Piratenpartei Deutschland zur Bundestagswahl: Online-Schach

Begründung:

Schach ist ein wunderbares Spiel. Mit Hilfe von offenen Standards kann man auf offenen Schachservern mit Open Source Schach-Software über das Internet eines der meist gespielten und ältesten Spiele der Welt spielen. Darüber hinaus ist es möglich, Partien live zuzuschauen oder auch mit Open Source Schachprogramme zu analysieren. Schach ist ein wunderbares Beispiel, an den man sehen kann, wie unser technologischer Fortschritt zu mehr Völkerverständigung ohne nennenswerte Kosten für jeden einzelnen führt.

Hier geht es zum Wahlprogramm der Piratenpartei.

SPD

Sören Bartol, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion: Civilization 6

Begründung:

Es ist empfehlenswert, weil es als Strategiespiel sehr vielseitig ist und damit die Nutzer auf anspruchsvolle Weise herausfordert, komplexe Situationen zu lösen. Diese umfassen alle Facetten, die die Entwicklung einer neuen Lebenswelt ausmachen. Es wird nie langweilig, sondern ist Spannung pur.

Lars Klingbeil, netzpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion: Fifa

Begründung:

Mir gefällt vor allem die Komplexität des Spiels und die immer realistischere Darstellung, hinter der ein enormer technologischer Entwicklungsaufwand steckt. Besonders spannend finde ich das zunehmende Engagement von Bundesligisten im E-Sport. Dadurch entsteht eine spannende Verbindung zwischen klassischen Sportvereinen und professionellem Gaming. Beides bestärkt sich dabei gegenseitig: Vereine sprechen neue, junge Zielgruppen an und E-Sportler erhalten wertvolle Unterstützung durch Mentaltrainer oder sportmedizinische Betreuung.

Hier geht es zum Regierungsprogramm der SPD.

Videospiele und Politik - das sind keine getrennten Sphären. Das erkennt man schon alleine daran, dass sich einige Videospiele explizit mit Politik auseinandersetzen. Welche das sind, seht ihr in der Bilderstrecke.

Tags: Politik  

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