Test Mittelerde - Schatten des Krieges: Ziemlich beste Ork-Freunde

von Michael Krüger (05. Oktober 2017)

Der Herr des Lichts ist zurück und hat noch einige offene Rechnungen. Um diese zu begleichen, formiert er eine Armee hinterlistiger Orks. Ein einzigartiger Krieg steht bevor.

Das Sommerloch hat nun definitiv ein Ende und der erste "Open World"-Kracher des Herbstes steht bereit und lockt mit unzähligen Stunden Unterhaltung. Mittelerde - Schatten des Krieges erscheint für PS4, Xbox One und PC und setzt die Messlatte des Vorgängers weiter nach oben.

Talion ist zurück! Und was noch wichtiger ist: Das Nemesis-System ist wieder mit von der Partie. Die Mechanik, die bereits Mittelerde - Mordors Schatten zu einem besonderen Spiel machte, ist nun sowohl umfangreicher als auch deutlich ergiebiger. Zufällig ausgewürfelte Ork-Hauptmänner warten darauf, von euch auseinandergenommen zu werden und bestrafen euer Scheitern noch nach dem Tod.

Doch anstatt euch einfach nur noch mehr originelle Orks niederzumetzeln, formt ihr nun aus ihnen eure eigene kleine Armee und stürmt feindliche Festungen. Das klingt nach jeder Menge Spaß und sieht - wie nicht anders zu erwarten - verdammt gut aus. Was Mittelerde - Schatten des Krieges sonst noch zu bieten hat, verrät der Test.

Ambitionierte Ziele eines Waldläufers

Habt ihr den Vorgänger nicht gespielt, dürfte sich der Einstieg in Mittelerde - Schatten des Krieges etwas holprig anfühlen, denn die Geschichte beginnt nach dem Ende des ersten Teils. Erneut schlüpft ihr in die Rolle von Talion, der gerne als Grabwandler bezeichnet wird. Eigentlich müsste er nämlich längst tot sein. Da er aber den Geist des Elbenfürsten Celebrimbor in sich trägt, verfügt Talion über besondere Kräfte. Einen Teil dieser Macht verliert ihr zu Beginn direkt, was spielerisch für einen etwas gemächlicheren Start sorgt und euch zumindest Zeit gibt, erst einmal einen Teil der Spielmechaniken zu erlernen.

Spinnenfrau Kankra spielt ein undurchschaubares Spiel mit euch.Spinnenfrau Kankra spielt ein undurchschaubares Spiel mit euch.

Die Stadt Minas Ithil wird von Ork-Horden überrannt. An der Seite der letzten überlebenden Menschen infiltriert ihr feindliche Lager, lichtet die gegnerischen Reihen und versucht, das Schlimmste zu verhindern. Dabei begegnen euch direkt schon ein paar interessante Charaktere, die euch teilweise auch im weiteren Verlauf der Handlung immer wieder über den Weg laufen. Dadurch fühlt sich die Handlung angenehm lebendig an.

Trotz der Tatsache, dass es sich bei Mittelerde - Schatten des Krieges um ein "Open World"-Spiel handelt, bleibt die Geschichte stets präsent. Durch umfangreiche Zwischensequenzen und regelmäßige Story-Missionen rückt der rote Faden nie zu weit in den Hintergrund. Viele der zusätzlichen Inhalte erweitern die Erzählung sogar und liefern interessante Informationen. Nebenbei überraschen immer wieder Wendungen in der Handlung.

Talion - Die Kampfmaschine

Wie auch schon in Mittelerde - Mordors Schatten dreht sich auch in Mittelerde - Schatten des Krieges alles um das Schlachten von Orks. Die grundlegenden Kampfmechaniken wurden dabei übernommen und durch neue Fähigkeiten erweitert. Per Knopfdruck schlägt Talion mit seinem Schwert auf Gegner ein, kontert Angriffe, betäubt seine Widersacher und exekutiert, was das Zeug hält. Fühlt ihr euch zu Beginn gerade im Kampf gegen größere Horden noch arg unterlegen, findet ihr nach wenigen Stunden einen angenehmen Kampfrhythmus, der nicht nur eingängig, sondern unheimlich spaßig ist.

Größere Horden Orks zu verkloppen, liegt Talion im Blut.Größere Horden Orks zu verkloppen, liegt Talion im Blut.

Der Einstieg ist allerdings, wie auch bei der Handlung, zunächst etwas holprig. Ein gewisser Wille, zu trainieren und sich jeden Aspekt der Mechaniken zu verinnerlichen, ist unumgänglich. Dafür werdet ihr dann mit wunderbar flüssigen Kämpfen belohnt, die sich richtig gut anfühlen und großartig aussehen. Im Grunde bedient ihr euch aus einem stetig wachsenden Arsenal und lasst eurer Kreativität freien Lauf. Je weiter ihr voranschreitet, umso abgefahrener werden die Manöver. Selbst Serien aus Schleich-Tötungen gehen euch nach ein paar Stunden von der Hand, als hättet ihr noch nie etwas anderes gemacht.

Neue Fähigkeiten zu erlernen ist hilfreich, aber auch motivierend. Hierfür ist der erweiterte Skilltree verantwortlich, der euch reichlich Spielraum beim Freischalten neuer Tricks lässt. Nicht nur die Anzahl der Fertigkeiten ist überragend. Jede davon kann nämlich mit einer von mindestens zwei Verbesserungen erweitert werden. Das Tempo eures Fortschritts ist dabei gerade schnell genug, um euch das Gefühl von steigender Stärke zu vermitteln, gleichzeitig aber auch langsam genug, um euch nie zu übermächtig zu machen.

Die Erzählung steht trotz ausufernder Spielwelt stets im Mittelpunkt. Der folgende Trailer gibt euch Einblick in die Hintergründe der Geschichte.

Nemesis 2.0

Ja, der Umfang von Mittelerde - Schatten des Krieges ist wahrlich enorm. Je nachdem, wie viele Nebenaufgaben ihr erledigt, werdet ihr den zweiten Akt vermutlich erst nach zehn bis zwölf Stunden erreichen. Und hier geht das eigentliche Spiel erst los. Denn eine der wesentlichen neuen Mechaniken steht euch erst ab diesem Zeitpunkt zur Verfügung.

Manche Orks verfolgen euch sogar noch nach ihrem Tod.Manche Orks verfolgen euch sogar noch nach ihrem Tod.

Bereits im Vorgänger konntet ihr erlegte Hauptmänner rekrutieren, um feindliche Reihen zu infiltrieren. Doch nun baut ihr im Grunde ganze Armeen auf und erobert gemeinsam mit bezwungenen Orks gegnerische Festungen. Das sogenannte Nemesis-System ist dadurch nicht nur um einiges umfangreicher, es ist auch noch viel unterhaltsamer. Erneut verfügen Hauptmänner sowohl über witzige Namen, merkwürdige Persönlichkeiten und ein besonderes Aussehen, als auch über eine ganze Reihe von Stärken und Schwächen, die ihr euch im Kampf zunutze macht. Auch diese kommen beim Erobern einer feindlichen Anlage und vor allem während eurer Vorbereitung des Angriffs zum Tragen.

Zwischen euch und dem Anführer einer Burg liegt ein weiter Weg. Wie ihr diesen beschreitet und welche Taktiken ihr wählt, ist euch überlassen. So lasst ihr beispielsweise einen eurer rekrutierten Hauptmänner in einem Duell gegen einen anderen Ork kämpfen, um sich zu beweisen. Gewinnt er, erweist er sich als würdig und wird zur Leibwache eines Häuptlings ernannt. Greift ihr diesen nun an, fällt ihm euer Spitzel in den Rücken, was den Kampf deutlich erleichtert. Ist ein Häuptling erst einmal beseitigt, fehlt der Festung eine Abwehrmaßnahme, wie beispielsweise Belagerungstürme oder Giftspeier.

Der Aufbau der eigenen Ork-Armee hat schon fast etwas von Pokémon-Sammelkarten.Der Aufbau der eigenen Ork-Armee hat schon fast etwas von Pokémon-Sammelkarten.

Das ist allerdings nur eine Möglichkeit, euch den Sturm auf eine Burg zu erleichtern. Gefolgsleute lassen sich verbessern oder mit neuen Waffen ausstatten, und habt ihr etwas Kleingeld übrig, führen sie beim großen Angriff besondere Verbündete auf das Schlachtfeld. Euer Spielraum ist gigantisch und davon profitiert das gesamte Spielerlebnis. Ihr könnt sogar die Festungen anderer Spieler angreifen, um euch weitere Boni im Spiel zu verdienen. Doch keine Angst. Diese Kämpfe sind für den Angegriffenen eher symbolischer Natur. Werdet ihr auf diesem Weg attackiert, hat das keinen Einfluss auf den Rest des Spiels. Eine nette Idee ist es dennoch, da ihr so eure sorgfältig rekrutierte Ork-Bande zur Schau stellen könnt.

Neue Orks könnt ihr übrigens auch aus Kisten gewinnen (Loot Boxes. Ja, es gibt sie wirklich.). Diese lassen sich sowohl für die Spiel-Währung als auch für echtes Geld erwerben. Auch wenn die zusätzlichen Boni hin und wieder gelegen kommen, will diese Mechanik eigentlich keinen richtigen Sinn ergeben und täuscht nur bedingt darüber hinweg, dass unbedingt Mikrotransaktionen eingebaut werden sollten. Glücklicherweise könnt ihr sie aber auch einfach ignorieren und euch den wichtigen Inhalten des Spiels zuwenden.

Charismatische Orks? Check!

Zweifellos sah schon Mittelerde - Mordors Schatten fantastisch aus, auch wenn es etwas an Abwechslung mangelte. Diesen Fehler machen die Jungs und Mädels von Entwickler Monolith allerdings kein zweites Mal. Jedes der Gebiete, die ihr freischaltet, verfügt über eine eigene Fauna und dank der unterschiedlichen Ork-Stämme sogar über Variationen in Sachen Gebäude und Kriegskunst. Die Spielwelt ist dicht besiedelt und bietet hier und da großartige Kulissen.

Ork Brûz bringt euch sicher öfters zum Schmunzeln.Ork Brûz bringt euch sicher öfters zum Schmunzeln.

Auch die Zwischensequenzen können sich sehen lassen. Die Charaktere sind glaubhaft und viele der gezeigten Schlachten sind Tolkiens Werk würdig. Hier sind auch die Gesichtsanimationen hervorragend und sorgen für ein kinoreifes Erlebnis. In der Spielwelt selbst sind sie dafür häufig etwas steif oder bewegen erst gar nicht die Lippen. Ein Detail, das zu verschmerzen ist, aber dennoch erwähnt werden sollte. Auch die Tatsache, dass eure aktuelle Ausrüstung in Einspielern nicht zu sehen ist, zählt in diese Kategorie. Die Qualität der Darstellung entschädigt aber auch das.

Besonders schön ist dafür der Umstand, dass alle Figuren im Spiel vertont und sogar lokalisiert sind. Die Deutsche Synchro ist gut gelungen und liefert hier und da sogar amüsante Momente. Ein paar der Orks sind nämlich richtige Spaßkanonen und bringen in angemessenem Maß eine schöne Portion Humor aufs Schlachtfeld. Da ihr immer wieder auf neue Hauptmänner trefft, wird das Spielerlebnis dadurch umso kurzweiliger.

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Tags: Fantasy   Open World   Singleplayer   Herr der Ringe  

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