Vorschau The Evil Within 2: Mehr Mainstream, mehr Horror

von Micky Auer (26. September 2017)

Sebastian Castellanos, Hauptfigur aus The Evil Within, kommt nicht zur Ruhe. Beim Anspieltermin für den zweiten Teil konnten wir die Weiterentwicklung der Marke unter die Lupe nehmen.

The Evil Within 2 ist kein lauwarmer Aufguss. Das sollte spätestens seit der gamescom 2017 bekannt sein, wo es einen Abschnitt in spielbarer Form gab. Erneut waren wir in den heiligen Hallen von Bethesda und haben uns in eine weitere Ecke einer schwer kranken Psyche verirrt.

Dort angekommen mussten wir nicht nur um unser Überleben kämpfen, sondern haben auch vielerlei Dinge am Spiel festgestellt, die uns positiv in Erinnerung geblieben sind. Unsere stärksten Eindrücke haben wir mitgenommen, um sie euch hier zu präsentieren.

Die wunderbare Welt des STEM

Zur Auffrischung: Bereits erwähnter Sebstian Castellanos, seines Zeichens angesehener Polizeiermittler, ist Hauptfigur und Überlebender von The Evil Within. Ob das gut ist, sei dahingestellt. Sein Leben liegt in Trümmern. Der Sebastian, den ihr im zweiten Teil erlebt, ist jedoch eine andere Person: Anstatt vollkommen verwirrt und ziellos durch die STEM-Welt zu irren, hat er eine Mission. Er ist ein Vater, der seine Tochter retten will.

Irgendwas stimmt ganz und gar nicht in Union. Zu viel Feuer und Tod machen sich breit.Irgendwas stimmt ganz und gar nicht in Union. Zu viel Feuer und Tod machen sich breit.

Aber was ist eigentlich STEM? Dabei handelt es sich um eine Maschine, die es ermöglicht, mehrere Personen in ein gemeinsames Bewusstsein zu transferieren. Sie verbindet den Geist verschiedener Menschen in einer alternativen Welt, in der ein Individuum das Zentrum bildet und somit diese Welt erbaut und alles darin kontrolliert.

Hinter dem ganzen Aufwand steht eine Organisation namens Mobius. Das Ziel: STEM soll dazu genutzt werden, sie zu den neuen Herrschern über die Menschheit zu machen. STEM sei der Schlüssel zu Frieden und Ordnung. An dieser Stelle sei angemerkt, dass Mobius bis zu diesem Zeitpunkt rein gar nichts zu Aspekten wie Frieden und Ordnung beigesteuert hat. Im Gegenteil.

Nun gibt es eine neue STEM-Welt namens Union, in deren Zentrum Lily steht. Ja, DIE Lily. Sebastians vermisste Tochter. Grund genug für einen verzweifelten Vater, sich erneut in die Fänge des Wahnsinns zu begeben. Union sollte ein idyllischer Ort sein, doch etwas Schreckliches geschieht dort. Denn STEM-Welten brauchen ein Herz, um zu bestehen. Da Lily selbst in dieser Welt vermisst wird, fängt sie an zu zerfallen, so wie auch Lilys Geist zerfällt.

Ein Konzern mit Weltbeherrschungsfantasien. Verbotene Experimente an Körper und Geist. Alles läuft aus dem Ruder, alle sterben einen grausamen Tod ... Kommt euch das Szenario bekannt vor? Das könnte in groben Zügen auch Resident Evil sein. Das ist nicht weiter verwunderlich, da "Resident Evil"-Erfinder Shinji Mikami an The Evil Within 1 und 2 beteiligt ist. Im aktuellen Fall als ausführender Produzent. Tatsächlich fühlt sich das Ergebnis jedoch mehr wie ein Hybrid aus The Evil Within und Silent Hill an.

Eine grauenvolle Welt wird offener

An der grundlegenden Steuerung und den damit verbundenen Abläufen ändert sich nicht viel. Ihr steuert Sebastian aus der Verfolgererspektive, wehrt euch gegen Angreifer hauptsächlich mithilfe von Schusswaffen und löst Rätsel in eurer unmittelbaren Umgebung. Körperliche Fähigkeiten und die Effektivität eurer Waffen könnt ihr durch den Einsatz einer grünen Substanz, die besiegte Gegner hinterlassen oder die ihr unterwegs einsammelt, mehrfach verbessern.

Bitte recht freundlich: Dieser Herr wird wohl noch für so manchen Albtraum verantwortlich sein.Bitte recht freundlich: Dieser Herr wird wohl noch für so manchen Albtraum verantwortlich sein.

Die auffälligste Änderung hier: Es gibt neu gestaltete Skill Trees. Die erfüllen zwar den gleichen Zweck wie die Übersichtslisten im Vorgänger, jedoch bieten sie auf den ersten Blick eine klarere Darstellung der Verbesserungsmöglichkeiten. So lässt sich die Charakterentwicklung auch komfortabler planen.

Trotz einer Vielzahl unterschiedlicher Waffen solltet ihr nicht dem Irrtum unterliegen, dass The Evil Within 2 ein Shooter ist, in dem ihr euch mit Waffengewalt aus jeder Situation befreien könnt. Nun ja, theoretisch könntet ihr das schon, es ist aber nicht empfehlenswert. Eure Umgebung reagiert auf euer Handeln. Wer aus allen Rohren ballert, zieht die Aufmerksamkeit weiterer Gegner auf sich. Wer richtig, richtig gut in Action-Spielen ist, wird die daraus resultierende Übermacht auch noch in die Knie zwingen, allen anderen sei der leisere Weg angeraten. Munition gibt es gerade am Anfang auch nicht gerade im Überfluss.

Während im ersten Teil recht überschaubare Örtlichkeiten auf euch warteten, ist Union schon beinahe eine Open World. Ein neues Tool erleichtert euch die Navigation: Der Kommunikator fängt Funkfetzen auf, denen ihr dann gezielt nachgehen könnt. Auf diese Weise findet ihr kleinere Quests im großen Handlungsbereich von Union. Diese Neuerung mag dem Meinstream-Verlangen nach offenen, frei erkundbaren Welten geschuldet sein. Die Umsetzung stellt natürlich in einem atmosphärisch so dichten Spiel wie The Evil Within 2 ein gewisses Risiko dar. Denn anstatt von Höhepunkt zu Höhepunkt zu hetzen, könnt ihr euch jetzt euren Weg freier gestalten.

Die gute Nachricht: Es funktioniert. Alle Quests, die wir anspielen konnten, waren in die Handlung eingebettet und wirkten weder deplatziert noch aufgesetzt. Aufgrund der zeitlichen Begrenzung in der Demo konnten wir längst nicht alle Bereiche erforschen. Daher ist auch nicht klar, wie groß der offene Bereich nun tatsächlich ist und ob ihr zu einem späteren Zeitpunkt wieder dahin zurückkehren könnt. Wenn dem so ist und der Aufbau sowie die Umsetzung von Zusatzquests so bleibt, ist das zwar kein großer spielerischer Gewinn, jedoch auch keinesfalls ein Verlust. Manche Spieler werden diesen Schritt durchaus begrüßen.

Optische Verwirrspiele und Gänsehautfaktoren

Es hat sich etwas getan, in The Evil Within 2. Die Darstellung, die Technik, die gesamte Dynamik ist anders als im Vorgänger. Wichtig dabei: es wirkt tatsächlich fast alles besser. So ganz erschließt sich uns aber nicht, woran das nun liegt. Das Spiel wirkt insgesamt feingeschliffener und nicht ganz so träge, wenngleich Sebastian immer noch den Eindruck vermittelt, als bräuchte er drei Schritte, um einen Meter zurückzulegen.

Der Einsatz von Licht und Schatten offenbart oft noch mehr Grauen.Der Einsatz von Licht und Schatten offenbart oft noch mehr Grauen.

Grafisch wirkt die Welt schärfer, detaillierter und dementsprechend düsterer. Der Einsatz von Schockeffekten hielt sich in der Demo noch zurück. Stattdessen wurde auf subtilere, jedoch nicht minder effektive Horror-Elemente gebaut. Ein spoilerfreies Beispiel: Ihr befindet euch an einem verfallen, düsteren Ort, der zwar unheimlich wirkt, jedoch keine direkte Gefahr darstellt. Auf den ersten Blick eine Sackgasse. Doch löst ihr das damit verbundene Rätsel, verändert sich das Szenario hinter eurem Rücken. Ihr dreht euch um und die Welt, die euch umgibt, bietet nun ein völlig anderes Bild. Meist ein wesentlich grauenvolleres.

Auch die ständig auftauchenden Kameras sind Bausteine eines psychologischen Verwirrspiels. Geschickt gesetzte Lichteffekte und optische Tricks sorgen für ein stets bedrohliches Gefühl. Daneben gibt es aber auch richtig brachiale und überaus eklig wirkende Optik mit deftigen Splatter-Effekten und jeder Menge Blut, Eingeweiden und nicht näher definiertem Schleim.

The Evil Within 2 mäandert zwischen Frontalangriffen auf euren Magen und hinterhältigen Attacken auf eure Psyche. Der Autor dieser Zeilen ist durchaus abgebrüht was Horror und Psychoterror in erzählenden Medien aller Art betrifft, tatsächlich stieß er in der Demo auf ein paar Überraschungen und gibt zu, an so manchen Stellen von klassischer Gänsehaut heimgesucht worden zu sein.

Gerade in Boss-Kämpfen macht sich das Gefühl breit, einem übermächtigen Gegner ausgeliefert zu sein, der halt wirklich nur ein Ziel verfolgt: Euch zu töten. Und das auf besonders bestialische, grausame und schmerzhafte Weise. Wie aus dem ersten Teil gewohnt gestaltet sich auch der in der Demo gespielte Boss-Kampf nur bedingt wie ein actiongeladenes Feuergefecht. Eher präsentiert sich die Szene wie ein erbitterter Überlebenskampf, in dem ihr die Umgebung zu eurem Vorteil nutzt und den richtigen Moment abwartet, eure Chance nutzt und gezielt zuschlagt. Dass dabei ständig ein riesiges, bizarres Monstrum schreiend, gurgelnd und fauchend hinter euch her ist, macht die Dringlichkeit und Tödlichkeit der Situation nur deutlicher.

Meinung von Micky Auer

Um es vorab klarzustellen: Ich mochte The Evil Within, es hat mich aber in vielen Belangen gestört. Das träge Spielgefühl, die auch irgendwie träge wirkende Grafik, die träge Erzählstruktur ... Ich empfand alles als irgendwie träge! Wer hätte DAS gedacht? Tatsächlich habe ich gar nicht damit gerechnet, dass das Spiel jemals einen Nachfolger erhalten sollte. Wie gesagt: Ich mochte es, aber ich empfand auch, dass es nicht zwingend weitergeführt werden müsste.

Jetzt hingegen, nachdem ich zwei längere Abschnitte in The Evil Within 2 gespielt habe, gibt es für mich wieder Grund genug, mich tatsächlich darauf zu freuen! Die gesamte Produktion wirkt in sich geschlossen runder und technisch besser. Zwar hätte ich auf die offen gestalteten Abschnitte verzichten können, doch sehe ich auch ein, dass sich die Marke in eine Richtung entwickeln muss, die potenzielle Käufer anspricht. Open World oder zumindest eine daran angelehnte Gestaltung gehören nun mal dazu. Zumindest beeinträchtigt die Entscheidung nicht das Spielgefühl.

Die Art des Horrors, wie sie in The Evil Within 2 zum Tragen kommt, ist ein Konglomerat aus bekannten Versatzstücken von subtilen Psycho-Spielchen bis zum brachialen Splatter. Es ist nach zwei unabhängig voneinander gespielten Abschnitten schwer zu beurteilen, ob und wie diese beiden Formen des Schreckens zueinanderfinden werden. Dahingehend bin ich noch durchaus skeptisch, aber auch in diesem Punkt lasse ich mich gerne überraschen.

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Tags: Horror  

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