Lightfield, oder wie das Genre der Future-Racer plötzlich verschwand

(Special)

von Matthias Kreienbrink (27. September 2017)

Es war eine selige Zeit, es war eine schnelle Zeit. In den 90er Jahren und dem Anfang der 2000er rasten viele von euch in einem futuristischen Gleiter mit treibender Musik durch eine neonbunte Zukunftswelt. Doch dann hatte das Rasen ein Ende - bis Indie-Entwickler sich des Genres annahmen.

Dieser Future-Racer ist gerade für Xbox One und PlayStation 4 erschienen:

Das Extreme der Spiele fand sich schon in ihrem Titel: Extreme G, F-Zero, Wipeout hießen die Produktionen. Sie ließen die Spieler in einen Gleiter steigen und in unglaublicher Geschwindigkeit über abgefahrene Strecken jagen.

Diese Spiele verlangen von euch nahezu unmögliche Reflexe. Denn während die Umgebung an euch vorbeirast, gilt es, Hindernissen auszuweichen oder Booster-Flächen zu erreichen, um noch schneller zu werden. Daher verlangen diese Spiele auch, dass ihr die Strecken auswendig kennt. Jede Kurve, jede Abkürzung, jeder Beschleunigungsstreifen will gekannt und ausgenutzt werden. Oder aber ihr kümmert euch um das alles nicht und brettert einfach drauflos. Denn explodierende Vehikel gehören zu diesen Spielen ebenso wie komplett unübersichtliche 4-Spieler-Modi im winzigen Splitscreen.

F-Fero GX gilt noch heute als einer der besten Future-Racer:

Kurzum, diese Spiele waren stets ein großer Spaß, wurden durch Ableger und Fortsetzungen ergänzt, verändert, perfektioniert. Bis, ja bis jedoch eines Tages Schluss war. Wann genau dieser Tag war, an dem die großen Hersteller entschieden, dass dieses Genre nicht mehr interessant ist, ist unbekannt. Fest steht jedoch, dass seit langer Zeit kein Future-Racer mehr von einem "Triple A"-Hersteller veröffentlicht wurde - von einem Wipeout-Remake mal abgesehen.

Fans der Serie warten seit dem Gamecube auf einen neuen Teil von F-Zero. 2003 erschien mit F-Zero GX das letzte Spiel der Reihe. Dieses wurde übrigens von Sega und Nintendo zusammen produziert und gilt noch heute als einer der besten Future-Racer. Das letzte Extreme-G erschien 2004 für PlayStation 2, Xbox und Gamecube. Danach wurde die Marke verkauft, da Activision Insolvenz anmeldete. Zwar erschien mit der Wipeout Omega Collection zuletzt 2016 ein Wipeout-Spiel, doch handelt es sich dabei "nur" um ein Remake. Der letzte neue Teil erschien 2012 für die PlayStation Vita - und ging ziemlich unter.

Was die Wipeout Omega Collection so drauf hat, zeigt euch das Video:

Doch es gibt Licht am neonfarbenen Horizont: Wie so oft springen die Indie-Entwickler in die Bresche. Zwei dieser Spiele möchten wir euch hier kurz Vorstellen.

Fast RMX

Für Nintendo Switch erschienen ist Fast RMX so ziemlich das, was Fans von Future-Racern vermisst haben. Spacige Musik, blitzschnelle Grafik, Strecken die zu waghalsigen Manövern einladen. Besonders für ein schnelles Rennen zwischendurch ist Fast RMX gut geeignet. Wechselt in den Handheld-Modus der Switch und fahrt unterwegs ein paar Rennen über schön modelierte Strecken mit schicken Wettereffekten.

Schaut euch mal den Trailer an, um einen guten Eindruck zu bekommen:

Da Nintendo-Fans mit F-Zero ziemlich verwöhnt wurden, sei jedoch eine kleine Warnung ausgesprochen: An die Güte eines Nintendo-Spiels kommt die Indie-Produktion nicht heran. Zu diesem Schluss sind wir auch in unserem Test zu Fast RMX gekommen. Jedoch - besonders dank des günstigen Preises von 19,99 - sollten jene unter Euch, die Future-Racer-Heimweh haben, mal einen Blick riskieren.

Lightfield

Nun wird es interessant. Denn Lightfield ist der eigentliche Grund für diesen Artikel, wenngleich es sich um einen zweischneidigen Grund handelt. Lightfield hat einige sehr interessante Ideen. Ihr steuert einen Gleiter, der frei durch die Luft schweben kann. Richtig gelesen: Ihr seid nicht an die Strecke gebunden, könnt alle Umgebungen frei erkunden - unterstrichen wird das dadurch, dass jede Strecke vor einem Rennen erstmal gemütlich erfahren werden kann. Nähert ihr euch aber der Oberfläche, könnt ihr per Tastendruck an den Untergrund "andocken".

Dann spielt sich Lightfield nämlich plötzlich wie ein klassischer Future-Racer. Die Geschwindigkeit geht hoch, das Rennen wird treibend, der Adrenalinpegel steigt. Die Mischung aus Flug- und Rennmechaniken müssen dabei so klug kombiniert werden, dass jede Strecke optimal ausgenutzt werden kann. Und die Strecken sind wirklich verwinkelt. Oder auch unübersichtlich. Und damit kommen wir zur Zweischneidigkeit.

Lightfield bringt einige neue Ideen aufs Tableau. Es füllt nicht nur die Lücke, die die "Triple A"-Hersteller zurückgelassen haben, sondern es formt sie um, bringt dem Genre einen Zugewinn. Nur leider hapert es bisher an der Umsetzung. Durch eine störrische Kamera sind die Strecken teilweise sehr unübersichtlich, besonders wenn ihr schwebt. Auch könnte der Wechsel vom Schweben zum Gleiten sehr viel flüssiger verlaufen. Seid ihr mitten in einem Rennen, passiert es zu oft, dass ihr blitzschnell vom Gleiten zum Schweben wechseln müsst - und zurück. In sehr vielen Fällen endet diese Transformation jedoch in einer Explosion, weil ihr an einer Wand zerschellt, statt auf ihr zu landen und elegant in den Gleit-Modus zu wechseln.

Das größte Manko ist bisher jedoch, dass das Spiel zu oft stark hakt. Gerade wenn es mal etwas hitziger auf der Strecke wird, haben plötzlich Grafik und Ton einen Aussetzer. Das fühlt sich an wie ein Schluckauf des Spiels und ist gerade bei einem blitzschnellen Future-Racer ein großes Manko.

Ob euch dieses Renn-Vergnügen mit Einschränkungen die geforderten 20 Euro wert ist müsst ihr selbst entscheiden. Es ist davon auszugehen, dass die Entwickler das Spiel patchen werden und diese unangenehmen Bugs entfernen. Interessant ist Lightfield allemal. Wer weiß, vielleicht belebt es dieses tote Genre der Future-Racer ja auch wieder.

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