Warum Spiele weniger Features haben sollten

(Kolumne)

von Robert Kohlick (30. September 2017)

Viele Open-World- und Rollenspiele sind förmlich vollgestopft mit allerlei zusätzlicher Features, Nebentätigkeiten und Minispielen. Diese sollen dem Spieler etwas Abwechslung bieten und die Spielvielfalt erhöhen. Doch ist das wirklich notwendig? Sollten sich die Entwickler nicht lieber auf die Verbesserung des Kern-Gameplays fokussieren, anstatt ihre wertvolle Zeit mit solchen Kleinigkeiten zu verschwenden? Ich finde schon! In diesem Artikel will ich euch erklären, warum ich denke, dass Spiele, die weniger Features besitzen, oft besser sind, als ihre überladenen Konkurrenten.

Ein Wort vorweg...

Bevor ich es mir direkt mit jedem von euch verscherze, will ich ein kleines Vorwort abgeben. Auch ich bin ein großer Fan von GTA, Skyrim und Co. und habe bereits hunderte Stunden in diese Spiele gesteckt. Trotzdem lege ich diese Spiele irgendwann einfach zur Seite und denke nicht mehr an sie. Doch woran liegt das?

Ich bin ein einfacher Zocker. Für mich steht vor allem das Gameplay eines Spiels im Vordergrund. Story und Grafik können noch so gut sein, wenn mir die Kernmechanik keinen Spaß macht, fliegt das Spiel eiskalt von meiner Festplatte. Ich liebe ich das Gefühl, dass ich bekomme, wenn ich in einem Spiel immer besser werde. Doch genau dieses Gefühl stellt sich bei Spielen mit vielen Features nie bei mir ein. Durch die riesige Anzahl der unterschiedlichen Features bieten diese kaum Spieltiefe und sind schnell gemeistert – und zwar so schnell, dass sich bei mir keine Euphorie deswegen einstellen kann. Es fühlt sich einfach nicht so an, als ob ich wirklich etwas geleistet hätte. Stattdessen wird mir mit jedem „gemeisterten“ Feature klarer, dass ich dieses Gefühl in diesem Spiel wohl vergebens suche.

Doch wie sieht das bei Spielen aus, die nur wenige oder sogar nur eine Kernmechanik haben? Ein gutes Beispiel hierfür ist Rocket League. Insgesamt habe ich inzwischen mehr als 400 Stunden in das Spiel von Psyonix gesteckt und obwohl es trotz seiner unterschiedlichen Spielmodi kaum Abwechslung bietet, habe ich immer noch Spaß daran. Das liegt einerseits natürlich daran, dass die Matches im Online-Modus aufgrund der menschlichen Gegner unberechenbar sind und ich zudem ein durchaus kompetitiver Mensch bin.

Die endlose Motivationsspirale

Es liegt aber vor allem daran, dass ich bis heute in dem Spiel nicht das Gefühl habe, dass ich es perfekt beherrsche. Im Laufe der Spielzeit bin ich immer besser geworden, das mag sein, aber ich habe nicht das Gefühl, dass das schon das Ende der Fahnenstange ist. In den Online-Matches begegne ich immer wieder Spielern, die noch eine ganze Ecke besser sind als ich und Taktiken und Bewegungen beherrschen, an denen ich stets scheitere. Das weckt meinen Ehrgeiz und ich versuche mir diese Fähigkeiten nach und nach anzueignen. Dadurch werde ich immer besser, trete gegen immer bessere Gegner an, die dann immer bessere Fähigkeiten haben – und so dreht sich die Motivationsspirale immer weiter und weiter…

Das gleiche Phänomen habe ich auch bei anderen Spielen. So etwa auch bei Counter-Strike: Global Offensive oder PlayerUnknown‘s Battlegrounds. Böse Zungen würden jetzt behaupten, dass ich einfach nur ein großer Freund von kompetitiven Multiplayer-PvP-Titeln bin und das grundsätzlich kein Grund ist Feature-Vielfalt zu verteufeln, doch das stimmt nicht.

Genauso viel Spaß habe ich mit Singleplayer-Spielen wie Enter the Gungeon oder Hotline Miami. Alle diese Spiele teilen sich eine Gemeinsamkeit – ihr Gameplay ist auf das Wesentliche reduziert. So kann ich mich vollkommen auf die Kernmechaniken konzentrieren, die deutlich mehr Tiefgang bieten. Jedes Mal, wenn ich eines dieser Spiele starte, fühlt es sich ein bisschen wie nach Hause kommen an. Aus jeder Runde nehme ich neue Erkenntnisse mit, die mir beim nächsten Mal helfen.

Genau DIESES Gefühl vermisse ich bei Spielen mit großer Feature-Vielfalt. Dieser Wohlfühl-Faktor fehlt mir einfach. Ich habe auch Spaß an diesen Spielen, keine Frage, aber so richtig bei der Stange halten sie mich trotzdem nicht. Also bitte liebe Entwickler, bevor ihr wieder in eurem Büro darüber nachdenkt welche Minispiele und Kleinigkeiten ihr in euer Spiel einbauen könntet, überlegt noch einmal, ob ihr die Zeit nicht lieber in das vernünftige Ausarbeiten des Kern-Gameplays stecken wollt. Das kann die Marketing-Abteilung zwar nur schlecht auf die Rückseite der Packung schreiben, aber viele Spieler werden es euch danken.

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