Test Battle Chasers - Nightwar: Oldschool-Rollenspiel mit modernem Comic-Anstrich

von Emily Schuhmann (03. Oktober 2017)

"Battle Chasers - Nightwar, was ist das denn bitte?" Eine Bildungslücke, die es sich zu füllen lohnt – und nicht nur, weil dahinter einige Darksiders-Schöpfer stecken.

Sieht das cool aus! Battle Chasers - Nightwar glänzt mit einem ähnlich markanten Comic-Stil wie die Darksiders-Reihe. Keine große Überraschung, schließlich steckt dahinter ja auch Joe Madureira, einer der Gründer von Vigil Games. Bevor er Tod und Krieg auf die Bildschirme brachte und so die Zockerherzen eroberte, arbeitete er an der gleichnamigen Comic-Serie, auf der dieses Spiel basiert.

Bei uns relativ unbekannt, besitzt der Comic um das Mädchen Gully, das mit ihren Gefährten nach ihrem Vater Aramus sucht, in den USA eine ziemlich große Fanbase. Als Airship Syndicate, das neue Studio von Madureira, eine Kickstarter-Kampagne für ein "Battle Chasers"-Videospiel startete war die Begeisterung dementsprechend groß und knapp 14.000 Unterstützer finanzierten das Projekt mit über 700.000 Euro.

Am 3. Oktober ist es voraussichtlich soweit und das Spiel erscheint für PC, Xbox One und PlayStation 4. Eine Switch-Version ist ebenfalls geplant, aber wie auch bei Yooka-Laylee scheint es Probleme mit der Engine zu geben, und darum gibt es noch keinen festen Veröffentlichungstermin.

Selbst wenn ihr kein Interesse an den Comics oder an Darksiders habt, ist Battle Chasers dennoch einen Blick wert. Hinter der Comic-Grafik versteckt sich nämlich rein mechanisch ein klassisches Oldschool-Rollenspiel mit taktischen Rundenschlachten, massig Ausrüstung und anspruchsvollen Verließen.

Gelungene Mischung aus Tradition und Moderne

Herz des Spiels ist das Kampfsystem, und da wartet die erste Überraschung: Battle Chasers mag sehr westlich aussehen, aber die Spielmechanik ist ein Liebesbrief an traditionelle JRPGs. Euer Dreierteam und die Feindgruppe stehen sich gegenüber und heizen sich gehörig ein. Aber immer schön der Reihe nach, schließlich sind die Schlachten rundenbasiert.

Jeder Held bringt eigene Stärken und ein vielseitiges Arsenal mit, von Schwerthieben und Heilung bis hin zu magischen Flächenangriffen. Lustigerweise stellen die Entwickler hier einige Klischees auf den Kopf. Beispiele: Zwar ist Garrison ein klassischer Schwertkämpfer und sieht auch so aus, aber die kleine Gully mit den Handschuhen ihres Vaters wirkt nicht unbedingt verteidigungsorientiert, und der mechanische Riese Calibretto sieht nicht wirklich wie ein Heiler aus.

Mit schwächeren Angriffen könnt ihr einen temporären Manapool aufbauen, der sich "Überladung" nennt. Wenn ihr aber gleich von Anfang an mit den stärkeren charakterspezifischen Fähigkeiten loslegen wollt, könnt ihr auch auf euer normales Mana zugreifen. Aber was ihr hier verbraucht, fehlt euch dann vielleicht im nächsten Kampf. So müsst ihr immer abwägen, ob ihr eine Reserve aufbauen wollt oder lieber gleich alles raushaut.

Und wer denkt rundenbasierte Kämpfe seien monoton und öde, der wird hier eines Besseren belehrt. Helden und Monster schmettern sich herrlich wuchtige Angriffe entgegen oder entfesseln Spezialangriffe die den ganzen Bildschirm füllen.

Gut gefüllte Verließe

Aber diese Kämpfe in der Seitenansicht sind nur eine von drei Ebenen des Spiels. In der zweiten reist ihr über eine zweidimensionale Weltkarte, erledigt Quests und sammelt Materialien. So mancher Weg führt euch auch zu einer Erkundungszone oder einem der zufallsgenerierten Verließe. Ein Wermutstropfen in dem sonst sehr flüssigen Spiel: die Ladezeiten beim Betreten dieser Gebiete sind unangenehm lang.

Besagte Verließe sind die dritte Ebene und können in drei verschiedenen Schwierigkeitsgraden absolviert werden. Hier bewegt ihr euch zwischen Fallen und Feinden, um in Truhen hoffentlich wertvolle Schätze und nicht die Zähne eines Mimics zu finden. Darin enthaltene Zutaten sind essenziell für das umfangreiche Handwerkssystem des Spiels.

Habt ihr eine Zone von allen Gegnern befreit könnt ihr an einem Wasserloch beim Angeln entspannen.Habt ihr eine Zone von allen Gegnern befreit könnt ihr an einem Wasserloch beim Angeln entspannen.

Auf dem Weg zum Endgegner könnt ihr frei zwischen allen Charakteren eurer Gruppe wechseln, die alle eine eigene Verließ-Fähigkeit mitbringen. Schwertmeister Garrison sprintet etwa vorwärts und schlägt so vielen Fallen ein Schnippchen. Zusätzlich zu Hindernissen und Gegnern sind die Verließe auch randvoll mit Rätseln und teilweise wirklich interessanten Details.

Beispielsweise gibt es einen Würfel, in dem ihr eine Waffe hinterlegen könnt und der dann verschwindet. Findet ihr ihn wieder, ist die Waffe mit etwas Glück besser als vorher ... oder aber nur noch ein Häufchen Asche.

Die Handlung des Spiels ist nicht linear, sondern hangelt sich an dem entlang, was ihr erlebt und welche Briefe und Bücher ihr findet. Wichtige Momente der Geschichte präsentiert euch Battle Chasers - Nightwar wunderschön animiert und dann heißt es einfach kurz genießen, bis der nächste Kampf ruft.

Meinung von Emily Schuhmann

Ich muss gestehen, seit ich dieses Spiel vor einigen Monaten anspielen konnte, hatte ich es nicht mehr unbedingt auf dem Schirm. Rundenbasierte Rollenspiele sind einfach nicht meine Favoriten, aber der Test hat mich wieder daran erinnert, dass ich bei dem Hands-on richtig Spaß mit Battle Chasers - Nightwar hatte und daran hat sich seitdem auch nichts geändert.

Die detailreiche Optik mit Comic-Anstrich spricht mich nach wie vor enorm an und die Kämpfe machen dank dem doppelten Manapool und dem umfangreichen Attacken-Arsenal einfach Laune. Da mir die Erkundungszonen aber mit Abstand am besten gefallen, gibt es in mir die Hoffnung, dass das Studio sich vielleicht in Zukunft an einem Spiel mit aktiverem Kampfsystem versucht.

Und ich lag mit meiner Ahnung richtig: Statt mich konstant zu prügeln habe ich viel lieber geangelt oder die Geheimnisse der Verließe erforscht. Dafür habe ich dann auch tatsächlich die erstaunlich komplexe Kunst des Ausweichens perfektioniert. Das heißt aber nicht, dass ich keinen Spaß daran hatte, Spinnen, Schleim und Banditen einzuheizen.

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Tags: Fantasy   Kickstarter  

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