Das Spezielle an Special Editions (Kolumne)

von Matthias Kreienbrink (Montag, 02.10.2017 - 11:28 Uhr)

Eigentlich klingt es ja sehr schön: Ihr gehört zu den Glücklichen, die ein Spiel schon Monate vor der Veröffentlichung vorbestellt haben - kurz bevor es ausverkauft war. Dafür bekommt ihr nun ein schönes Kostüm. Oder eine Statue. Oder einen Soundtrack. Braucht ihr das wirklich?!

Das neue Call of Duty möchte euch zum Vorbestellen bringen:

Vorweg: Ihr lest hier eine komplett subjektive Kolumne. Diese möchte niemandem die Freude an Special Editions nehmen, sondern vielmehr erklären, wieso man diese auch kritisch sehen kann.

Wenn ich mich auf die Veröffentlichung eines Spiels freue, werde ich meist besonders kritisch. Wird das Spiel wirklich halten können, was es mir verspricht? Ist es vielleicht eher der Fanboy in mir, der sich so sehr auf das neue Super Mario Odyssey freut? Aus diesem Grund käme ich niemals auf die Idee, ein Spiel vorzubestellen. Vielmehr schaue ich mir Trailer an, lese Interviews und schaue mir dann, bevor das Spiel erscheint, ganz genau die kritischen Stimmen an. Kann ich nachvollziehen, was an dem Spiel kritisiert wird? Könnte das Bemängelte auch mich stören? Nachdem ich das evaluiert habe, entscheide ich dann, ob ich kaufe oder nicht.

Das mag nun total trocken und freudlos klingen. Doch halte ich es für die passende Strategie, um dem Werbe-Wahnsinn der Industrie ein wenig zu entkommen. Denn der größte Teil von Special/Collectors/Limited Editions zielt doch darauf ab, euch dazu bewegen, ein Spiel schon Monate im Voraus zu bestellen.

Es wird suggeriert, dass richtige Fans sich nicht mit der normalen Edition eines Spiel zufrieden geben sollten. Vielmehr sollen diese Fans gefälligst noch ein Poster, eine Statue und ein Artbook zuhause rumliegen haben. Am besten dann noch ein T-Shirt mit dem Logo des Spiels anziehen und direkt als wandelnde Werbeanzeige fungieren.

Es wirkt beinahe so als wäre dieser teure Tinnef das Statussymbol des sogenannten Hardcore-Gamers, der für sein liebstes Spiel direkt noch mehr zahlt, um die volle Erfahrung zu bekommen - die volle Erfahrung Plastik-Zeug, das schlussendlich sowieso nur vollstaubt.

Denn mal ehrlich: Braucht ihr wirklich eine Statue von Aiden Pearce aus Watch Dogs oder einen "echten" Estus-Flakon aus Dark Souls 3?

Dabei handelt sich eigentlich um die volle Packung Kommerz, erdacht von Marketing-Abteilungen mit der Absicht, mehr Geld aus den Fans zu pressen. Wenn ihr eine Collectors-Super-Mega-Pummeluff-Edition gekauft habt, wird es euch wohl noch schwerer fallen zuzugeben, wenn ein Spiel dann nicht euren Erwartungen entspricht. Das Plastik und das Polyester täuschen darüber hinweg, dass Fans - von Fanatics kommend - wohl mehr Spaß am Spiel hätten, wenn sie es kritisch spielten. Und nicht durch eine rosarote Brille, die der Special Edition beliegt.

Es gibt noch mehr! Was ihr euch alles in der Assassin's Creed - Origins unter den Nagel reißen könnt, zeigt euch unsere Bilderstrecke. Aber braucht es das wirklich?

zurück zur Kolumne-Übersicht