Test Forza Motorsport 7: Mit Vollgas zum Raser-Olymp

von Thomas Stuchlik (03. Oktober 2017)

Microsofts Hochglanz-Karossen sind wieder startbereit! Forza Motorsport 7 will mit polierter Optik und dickem Fuhrpark die Konkurrenz überrunden. Doch fährt es sich auch besser?

Schöne Zeiten für Rennspieler: Nachdem im vergangenen Monat bereits die Renn-Sim Project Cars 2 erstklassig vorgelegt hat, zieht die Xbox-exklusive Raserei Forza Motorsport 7 nach. Die Entwickler von Turn 10 Studios bieten abermals exquisiten Motorsport auf und wollen nicht zuletzt auch dem bald kommenden Gran Turismo Sport die Show stehlen.

Schon beim Spielstart sticht die hochwertige Grafik ins Auge. Forza war schon immer ein Vorzeigespiel, da bildet auch Teil 7 keine Ausnahme. Trotz großem Fahrerfeld von bis zu 24 Wagen läuft das Geschehen auf der normalen Xbox One mit 1080p-Auflösung und stabilen 60 Bildern pro Sekunde. Auf der kommenden Xbox One X dreht ihr eure Runden gar mit nativer 4K-Auflösung. Auf der Strecke, eurer Garage und dem wiederkehrenden Forza-Vista-Modus glänzen die 700 enthaltenen Autos obendrein um die Wette. Logisch, dass auch alle Cockpits bis ins Detail ausmodelliert sind.

Dieses Video zu Forza 7 schon gesehen?

Noch mehr Vielfalt

Die Karriere nennt sich diesmal "Forza Driver's Cup" und unterteilt sich in sechs Klassen. Die darin enthaltenen Rennserien gestalten sich überraschend abwechslungsreich: Denn ihr müsst nicht unbedingt mit einem popligen Kleinwagen beginnen. Schließlich tretet ihr schnell in Muscle-Cars, Sport- und Rennwagen oder neuerdings auch Renn-Trucks an. Ebenso schnell schalten sich Sonderveranstaltungen frei – wie beispielsweise Auto-Bowling auf der "Top Gear"-Strecke.

Viele bekannte Strecken sind dabei, auch der abermals sehenswerte Stadtkurs quer durch Rio de Janeiro.Viele bekannte Strecken sind dabei, auch der abermals sehenswerte Stadtkurs quer durch Rio de Janeiro.

Einige Karriere-Meisterschaften lassen sich mit beliebigem Auto absolvieren. Insgesamt ist mehr Vielfalt als in Forza Motorsport 6 geboten. Für Motivation sorgt auch das Belohnungssystem, denn für jedes Rennen winken Preisgelder, Erfahrungspunkte sowie Bonusvehikel.

Außerdem könnt ihr Loot-Boxen kaufen, in denen sich überraschende Inhalte verbergen. Investiert ihr die knappe Spielwährung, bekommt ihr Mods, neue Wagen oder Rennoveralls und Helme für euren Avatar. Derartige Mods kennt man vom Vorgänger: Diese setzt ihr einfach oder mehrfach bei Rennen ein, um mehr Erfahrung oder Geld zu ergattern. Umstritten: Bald schon wird es die Loot-Boxen auch für Echtgeld geben.

Dieser Umstand ist mittlerweile zu einem der größten Kritikpunkte geworden. Spieler bemängeln, dass sich ein Vollpreis-Spiel durch die Handhabung von Loot-Boxen und Spielwährung sowie erwerbbare Vorteile durch Echtgeld im Endeffekt wie ein "Free to Play"-Spiel anfühlt. Was da genau passiert ist, haben wir für euch in einem separaten Beitrag zusammengefasst. Die Kurzfassung:

  • Für schwierigere Spieleinstellungen gibt es keine Spielwährungs-Boni mehr
  • Nur noch über Fahrzeug-Modifikationen gibt es Credit-Boni. Diese halten jedoch nicht ewig und sind nur zufällig aus Loot-Boxen erhältlich.
  • Loot-Boxen sind aktuell wiederum nur gegen Credits erhältlich, sollen aber zukünftig auch für Echtgeld zur Verfügung stehen.
  • Die teure VIP-Mitgliedschaft umfasst nur noch Fahrzeug-Modifikationen für insgesamt 25 Rennen. Zuvor gab es diese uneingeschränkt.
  • Um bessere Autos kaufen zu können, braucht ihr zuerst niedrigstufige Fahrzeuge. Die gibt es nur für Credits, für die ihr Fahrzeug-Modifikationen braucht, die es wiederum nur aus Loot-Boxen gibt, für die ihr Credits braucht.

Ihr seht: Dieses System ist ein Hybrid aus Teufelskreis und Tretmühle, das momentan vielen Spielern den Spaß verdirbt.

UPDATE 6. Oktober 2017 Mittlerweile gab es eine signifikante Änderung im VIP-System. Alle Infos dazu haben wir für euch hier zusammengefasst.

Mach ma' Platz!

Serientypisch baut auch Forza 7 auf das Drivatar-System, das auf der Fahrweise eurer Online-Freunde basieren soll. In der Praxis versagen die Computer-Kollegen jedoch öfter – gerade am Start, wo es manchmal zugeht wie beim Auto-Scooter. Die Gegner drängeln und schieben gerne. Dank Rückspulfunktion könnt ihr derartige Ärgernisse zwar umgehen, schön ist das jedoch nicht. Da sind die Rivalen in F1 2017 oder Project Cars 2 ein Stück weit klüger.

Ein garantiertes Rezept für Rutschpartien: Regen plus klassische F1-Wagen.Ein garantiertes Rezept für Rutschpartien: Regen plus klassische F1-Wagen.

Auch das Fahrverhalten selbst erweist sich als gnädiger, aber auch einsteigerfreundlicher. Je nach Vorlieben schaltet ihr die standardmäßig aktivierten Fahrhilfen ab, auch um mehr Boni einzuheimsen. Beim Rasen reagieren die Wagen durchaus realitätsnah und lassen sich sehr gut um die Kurven wuchten – egal ob mit Controller oder mit Lenkrad. Mit dem Xbox-Gamepad erhaltet ihr sogar Rumble-Effekte an den Triggern für Gas und Bremse. Mit dem angetesteten Fanatec P1 Wheel wird feinstes Force Feedback aufgeboten, das euch Grip und Bodenbeschaffenheit genau spüren lässt.

Unter den 32 Strecken findet sich viel Altbekanntes. Wie gewohnt tretet ihr auf echten Rennpisten genauso wie auf fiktiven Stadtkursen an, die weit mehr fürs Auge bieten. Auch die Streckenbedingungen sind gewohnt statisch. Nur manche Kurse lassen sich wahlweise bei Tag, Nacht oder Regen befahren. Gerade Wolkenbrüche oder Gewitter sind überzeugend inszeniert und machen die Fahrbahnoberfläche rutschig. Allerdings sind die Witterungen und Tageszeiten nie so flexibel wie bei Project Cars 2.

Meinung von Thomas Stuchlik

Forza Motorsport 7 ist ein echter Hingucker. Vor allem die schicken Karossen sowie das Regenwetter überzeugen mich und bringen noch mehr Renn-Atmosphäre rüber. Auch die Karriere erscheint abwechslungsreicher. Gleichzeitig behält das Spiel die DNS der Vorgänger. Es ist auch für Einsteiger gut zugänglich und besitzt dank Fahrhilfen eine überaus angenehme Lernkurve. Mit nur wenig Übung könnt ihr bereits am Limit fahren.

Allerdings handelt es sich hier nicht um eine reinrassige Rennsimulation. Viele Wagen steuern sich für meinen Geschmack zu ähnlich und lassen Varianz vermissen. Die Fahrphysik wirkt etwas vereinfacht und verzeiht viele kleine Fehler – das gefällt mir beim knallharten Project Cars 2 besser. Auch die Wetterbedingungen sind beim Konkurrenten weitaus dynamischer und vielschichtiger justierbar. Das macht Forza 7 jedoch mit motivierendem Karriere-Modus wieder wett. Auch wenn das Spiel keinen großen Sprung zum Vorgänger macht, wird viel Fahrspaß aufgeboten.

88 Spieletipps-Award

meint: Schicker Fuhrpark, umfangreicher Karriere-Modus und ausgereifte Technik begeistern Einsteiger und Fortgeschrittene.

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Tags: Singleplayer   Multiplayer  

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