Test The Inner World - Der letzte Windmönch: Lachen & Schaudern

von Daniel Kirschey (07. Oktober 2017)

Trotz feinsinnigem Humor bleibt einem in The Inner World - Der letzte Windmönch des öfteren das Lachen im Halse stecken. Der neue Teil über Robert und die Hohlwelt kommt zur richtigen Zeit.

The Inner World - Der letzte Windmönch ist an einigen Stellen überaus unangenehm. Was als lustiger Spaß zu beginnen scheint, stellt sich zeitweise als bitterböse Satire heraus. Robert wacht drei Jahre nach seiner Versteinerung auf. Im ersten Teil haben die Spieler mitbekommen, dass er einer der besonderen Bewohner der Hohlwelt ist: nämlich eine Flötennase.

Das klingt lustig. Doch die Aufgabe der Flötennasen ist wichtig. Sie sorgen dafür, dass es in der Hohlwelt nicht an frischer, atembarer Luft mangelt. Davon wissen die meisten anderen Bewohner nichts. Und als König Conray ebenfalls versteinert aufgefunden wird, werden dafür die Flötennasen bezichtigt.

Statt einer Dolchstoßlegende entsteht die Legende, wie die Flötennasen den König ermordet haben. Das bringt viele Bürger dazu, in den Flötennasen alle Probleme der Hohlwelt zu sehen, das bringt wiederum den machtbesessenen Emil dazu, eine (Welt-)Verschwörung zu wittern, deren Anführer die Flötennasen sind.

Ihr merkt schon, auf was das alles anspielt. Dabei bleibt The Inner World keine einfache Fabel oder Allegorie auf das Dritte Reich. Als Robert greift ihr direkt ins Geschehen ein.

Rätselgrausen

Wie schon im Vorgänger sind die Rätsel gelungen. Die einzelnen verschrobenen Charackter scheinen alle ein wenig aus der Zeit gefallen zu sein, sind Unikate, Originale, die alle ihre Eigenarten haben.

Umgekehrte Brezel in weißem Kreis auf rotem Grund - da sollte was klingeln.Umgekehrte Brezel in weißem Kreis auf rotem Grund - da sollte was klingeln.

Auch nach ein paar Stunden werdet ihr den einen oder anderen Charakter noch im Kopf haben. Ebenso einige Rätsel. Nicht nur, weil es wirklich Spaß macht diese zu knacken, sondern auch, weil die Befriedigung einer Lösung mit dem Schrecken der Konsequenz einhergeht.

Ein Beispiel: An einer Stelle steht ihr in einer Schlange vor einer Seilbahn, die euch nach Wollingen bringen soll. Um wirklich in das Gefährt einsteigen zu können und somit die Handlung voranzutreiben, muss ein Hohlweltbewohner vor euch aus der Schlange verschwinden. Ein typisches Adventure-Problem also. Nach ein paar Rätseleinlagen, geht es endlich weiter. Einer der Hohlweltbewohner wird von Wachleuten abgeführt, da Robert ihn unfreiwilligerweise als Flötennase enttarnt hat.

Hart ausgedrückt steht das äquivalent dafür, dass gerade zwei SS-Männer einen Juden enttarnt haben und dieser wohl im Anschluss exekutiert wird. Keine schöne Lösung. Der Spieler wird also nicht nur durch Geschichte, Rahmenhandlung und Dialoge mit der Thematik "Faschismus" oder "Totalitarismus" konfrontiert, sondern auch durch seine Handlung.

Dabei schafft The Inner World 2 den Kunstgriff beide Aspekte, Humor und das Erschauern, so zu balancieren, dass sie sich natürlich anfühlen, sich nicht beißen. Das Spiel glänzt nicht nur durch die schönen handgezeichneten Umgebungen und Figuren, sondern auch durch die Rätsel und die Handlung. Es erscheint zudem, kurz gesagt, wie aus einem Guss.

Die Wutbürger haben sich organisiert.Die Wutbürger haben sich organisiert.

Meinung von Daniel Kirschey

Der erste Teil von The Inner World war für mich damals eine kleine Überraschung. Irgendwie haben es mir die Charaktere angetan. Dabei kam für mich vieles subtiler rüber als in anderen Adventures. Die Geschichte wurde mit leiserer Zunge erzählt und die Anspielungen auf Diktatur und andere reale Probleme haben sich schön in das Gesamtgefüge eingebettet.

Der zweite Teil gefällt mir ebenso gut. Denn wieder schafft es der Entwickler Studio Fizbin statt eines Klamauk-Abenteuers eine durchaus lustige und charmante Geschichte zu erzählen, die in individuellen Punkten zum Schmunzeln einlädt - allen voran Robert - aber in der großen Handlung zum Nachdenken anregt, Themen anspricht, die so nicht gewöhnlich in einem Adventure dieser Art eingebettet sind.

So abgedroschen das klingt: Aber gerade zur heutigen Zeit, gerade nach dieser Bundestagswahl 2017, gerade zu den Entwicklungen in der Türkei, Polen, Ungarn und anderen Ländern, ist so ein Spiel wie The Inner World - Der letzte Windmönch wichtig.

87 Spieletipps-Award

meint: Nachdenklich, charmant und zugleich lustig - das schaffen wenige (Adventure-)Spiele so gut wie The Inner World - Der letzte Windmönch..

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Tags: Singleplayer  

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