Lootboxen: Wie viel seid ihr bereit für Glücksspiel zu zahlen?

(Special)

von Emily Schuhmann (14. Oktober 2017)

Neugier ist eine der stärksten Motivationen, und wenn sie dann auch noch mit belohnt wird, umso besser. Auf dieser Idee fußt das Lootboxen-System. Wir stellen dieses Mal nicht die Frage was darin, sondern was dahinter steckt.

Mittelerde - Schatten des Krieges, Mass Effect - Andromeda, Injustice 2, LawBreakers, Forza Motorsport 7, For Honor, Destiny 2 und Fifa 18 - 2017 zeigt bisher ganz klar einen Trend zur Lootbox, der vor keinem Genre haltmacht. Egal ob Beutekisten, Kartenpäckchen oder Glanz-Engramme, dahinter versteckt sich immer das gleiche Gimmick. In noch nicht allzu ferner Vergangenheit war dieses über Mikrotransaktionen ablaufende Glücksspiel maximal in "Free 2 Play"-Spielen für euer Smartphone zu finden und selbst dort war es nie gern gesehen. Was genau geht jetzt also plötzlich ab?

Kostenlose Mobile Games nutzen Truhen häufig als Einnahmequellen. Das hier gezeigte Blades of Brim zählt dabei noch zu den zahmsten Vertretern.Kostenlose Mobile Games nutzen Truhen häufig als Einnahmequellen. Das hier gezeigte Blades of Brim zählt dabei noch zu den zahmsten Vertretern.

Für viele Gamer sind Vollpreisspiele, die die Möglichkeit bieten mehr Geld auszugeben nicht nur bedenklich, sondern ein absolutes No-Go. Dabei geben sich die Entwickler doch so große Mühe euch Lootboxen so schmackhaft wie möglich zu machen. Das Öffnen soll ein Erlebnis sein und Lust auf mehr machen. Die Lama-Piñatas aus Fortnite sind ein hervorragendes Beispiel für diese Praxis. Die etwas dämlich dreinblickenden Papierkreaturen fordern euch ja sogar dazu auf, sie zu schlagen. Natürlich fühlt ihr euch bei dem anschließenden Beute- und Konfetti-Regen gut.

Wie alles begann

Ihren ersten großen Auftritt im Westen hatten die kontroversen Kisten im September 2010, als Team Fortress 2 das Monetarisierungs-Modell zu Free 2 Play wechselte. Fortan konntet ihr sogenannte Vorratskisten mit Schlüsseln öffnen, die ihr im ebenfalls neu implementierten Mann Co. Store kaufen musstet. Das erste Vollpreisspiel mit Lootboxen war Mass Effekt 3, das im März 2012 mit einer Auswahl von "Packs" in seinem Mehrspieler-Modus erschien. Seitdem haben die virtuellen Überraschungspakete Einzug in fast jede Sparte der Videospielwelt gehalten.

Die Welt reagiert darauf und gerade Asien ist enorm kritisch. Diesen Mai trat in China ein Gesetz in Kraft, das Entwickler dazu zwingt, Wahrscheinlichkeiten ihrer Lootboxen zu veröffentlichen. Weiterhin verbietet es den direkten Verkauf solcher Kisten im Tausch gegen eine echte Währung. Auch Japan, Singapur und Südkorea sehen die Entwicklung hin zum virtuellen Glücksspiel sehr kritisch und arbeiten an entsprechenden Gesetzesentwürfen.

In den Beutekisten von Heroes of the Storm findet ihr unter anderem Sprays, Kommentatoren, Banner, Emojis und Skins. Doch wie groß ist die Chance auf euren Wunschgegenstand?In den Beutekisten von Heroes of the Storm findet ihr unter anderem Sprays, Kommentatoren, Banner, Emojis und Skins. Doch wie groß ist die Chance auf euren Wunschgegenstand?

Viele Spieler in der westlichen Welt, hoffen auf ähnliche Gesetze, um Entwickler möglicherweise dazu zu bewegen, ihre Praktiken zu überdenken. Es ist eine Sache das Gefühl zu haben vom Pech verfolgt zu sein, aber Zahlen schwarz auf weiß zu haben, ist noch mal etwas ganz anderes. Bisher ist das häufigste Gegenargument, dass Spieler die prozentualen Angaben als Garant für eine bestimmte Anzahl notwendiger Versuche missverstehen würden. Wer im Mathe-Unterricht aufgepasst hat, weiß, dass Wahrscheinlichkeit so nicht funktioniert. Die Befürchtung, dass es Beschwerden hageln würde ist sicher berechtigt, aber ganz ehrlich, die gibt es sowieso.

Die Regierungen in Europa und den Vereinigten Staaten halten sich bisher mit offiziellen Aussagen zum Thema zurück. Das Entertainment Software Ratings Board (ESRB) und die Pan European Game Information (PEGI) betrachten Lootboxen nicht als Glücksspiel. Der Spieler erhält immer etwas von Wert, auch wenn es vielleicht nicht das Item ist, das er sich erhofft hat. Interessanterweise sorgten striktere PEGI-Richtlinien dafür, dass die klassischen Spielhallen ab Pokémon Diamant-Edition und Pokémon Perl-Edition aus den Spielen entfernt wurden. Vollkommen virtuelle einarmige Banditen sind also jugendgefährdender als mit echtem Geld kaufbare Lootboxen?

Die aktuellen Sünder

Nach der DLC-Flut der vergangenen Jahre sind Beutekisten das neueste Steckenpferd der Videospielindustrie. Wie anfangs erwähnt kommt kaum noch einer der Blockbuster ohne seine eigene Variante aus. Auch das kommende Assassin's Creed - Origins geriet ins Fadenkreuz, nachdem auf Screenshots die verhassten Truhen zu sehen waren. Game Director Ashraf Ismail versicherte besorgten Spielern, dass es sich dabei nur um ein Münzgrab handelt, in dem ihr überschüssiges Gold loswerden könnt.

Sämtliche in diesen Truhen enthaltenen Gegenstände sollen auch erspielbar sein. Zynische Fans sind sich nach dieser Aussage ziemlich sicher, dass Gold mit echtem Geld kaufbar sein wird. Möglicherweise überrascht Ubisoft ja aber tatsächlich mit einem Truhen-System wie in Horizon - Zero Dawn, das komplett ohne Mikrotransaktionen auskommt.

Hier eine Auswahl aktueller, überschatteter Spiele. Garantiert ohne Beutekisten:

Noch wesentlich weniger glücklich sind Spieler nach der Beta von Star Wars Battlefront 2. Zwar stellte Entwickler Dice im Nachhinein klar, dass das Fortschrittssystem nicht vollständig enthalten war, aber die Lootboxen hinterließen einen schalen Nachgeschmack. Hauptproblem sind hier die sogenannten Sternenkarten. Alle die bereit sind Geld auszugeben, kommen durch sie an Boni, die ihnen Vorteile gegenüber nicht zahlenden Spielern verschaffen. EA hat nie behauptet, dass ihre Beutekisten rein kosmetisch sein würden, dafür sollen allerdings alle zukünftigen DLCs kostenlos bleiben. Momentan scheint das Spiel allerdings auf ein "Pay 2 Win"-Modell zuzusteuern.

Auch Mittelerde - Schatten des Krieges steht wegen seiner Lootboxen in der Kritik. Zahlreiche Tests zeigten, dass die Truhen nicht notwendig sind, um die drei Akte der Geschichte abzuschließen. Sorgenkind ist allerdings der vierte Akt, in dem der Schwierigkeitsgrad stark anzieht und ihr immer neue, bessere Orks braucht, um dem Gegneransturm standzuhalten. Und wo findet ihr die? Natürlich in den Lootboxen! Wie mehrere ausgewachsene Orks in eine solche Box passen sei dahingestellt.

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Tags: DLC   Free 2 play  

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