Test South Park - Die rektakuläre Zerreißprobe: Da steckt ein richtiges Spiel drin

von Micky Auer (16. Oktober 2017)

Mit großen Namen ist das so eine Sache: Viele Firmen klatschen ihn auf alle möglichen Produkte und warten auf das große Geld. Mühe gibt sich kaum jemand in solchen Fällen. Wie sieht das bei South Park aus?

Spiele aus dem "South Park"-Universum sind nicht gerade neu, aber sie überfluten auch nicht unbedingt den Markt. Seit 1998 gibt es gerade mal sieben Videospiele rund um Stan, Kyle, Kenny und Cartman. Zuletzt und in großem Rahmen erschien 2014 South Park - Der Stab der Wahrheit. Das machte vor allem die Runde, weil für die EU-Fassung einige spielerische Abschnitte komplett entfernt wurden.

Die Vermeidung verfassungsfeindlicher Symbole kann man hierzulande noch nachvollziehen, die anale Penetration einer Cartoon-Figur durch eine Alien-Sonde wollte man dem erwachsenen Publikum trotz 18er-Freigabe nicht zumuten. Diese Entscheidung kam bei Fans der Serie nicht besonders gut an.

Jetzt ist South Park - Die rektakuläre Zerreißprobe da und verspricht, ungeschnitten und authentisch zu sein. Auch auf dem deutschen Markt. Publisher Ubisoft wirbt gerne mit dem Schlagwort "ungeschnitten", vermeidet aber die Erwähnung, dass das Spiel frei ab 16 Jahren ist.

Eine höchst zeitkritische Cartoon-Serie, die mit harten und kontroversen Themen nicht gerade zimperlich umgeht, auf eine massenkompatible 16er Version runterzuschrauben, schützt wohl vor Schnitten, kann aber die Fans schnell abschrecken. Vorsorglich haben die Entwickler aber dafür Sorge getragen, dass die Produktion rein spielerisch mehr Fleisch auf den Rippen hat als noch der Vorgänger.

"Dann spielt doch Harry Schw..z-und-Fot..n-Potter!!!"

Die Handlung geht nahtlos aus den Geschehnissen von Der Stab der Wahrheit hervor. Dabei war das Grundthema noch Fantasy mit starken Referenzen zu Der Herr der Ringe. Dem Zeitgeist geschuldet geht es diesmal um Superhelden und deren profitträchtige Vermarktung, wie sie direkt von Marvel und Disney stammen könnte.

Priester Maxi bittet euch in den Lagerraum der Kirche. Der einzige nicht-päddophile Pfarrer in South Park ahnt nicht, das seine Glaubensbrüder nur darauf gewartet haben.Priester Maxi bittet euch in den Lagerraum der Kirche. Der einzige nicht-päddophile Pfarrer in South Park ahnt nicht, das seine Glaubensbrüder nur darauf gewartet haben.

Im Mittelpunkt steht die Fehde zweier Superhelden-Fraktionen. Coon and Friends auf der einen Seite, die Freedom Pals auf der anderen. Anlass für das Zerwürfnis ist der Marketing-Plan, den der Coon (Eric Cartman) für das ursprünglich gemeinsame Franchise aufgestellt hat.

Ihr seid immer noch "der Neue" in der Stadt und beginnt das Abenteuer auf der Seite von Coon and Friends. Da jeder Superheld eine tragische Vorgeschichte braucht, ersinnt der Coon für euch ein Kindheitstrauma. Laut dem habt ihr nämlich eure Eltern beim Sex beobachtet, und der Coon wird nicht müde, euch ständig daran zu erinnern.

Anfangs geht es um das mysteriöse Verschwinden einer Katze, doch im Verlauf der Geschichte, die noch mehr oder weniger wie ein harmloses Kinderspiel beginnt (wobei anzumerken ist: Nichts in South Park ist harmlos. Rein gar nichts ...), taucht ihr wie gewohnt in einen beinahe zufällig wirkenden Strudel aus Szenarien ab, die vor bissiger Satire nur so strotzen.

Schon in den ersten paar Stunden des Spiels erwehrt ihr euch nämlich pädophiler Priester, unterstützt unwissend Polizeigewalt gegen Afroamerikaner, verdrescht runtergekommene Crack-Nutten und verpasst besoffenen Geschäftsleuten als Kinder einen Lap-Dance, den ihr mit so vielen Fürzen würzt, dass ihnen dabei "der Ständer flöten geht" (Entsetzter Ausruf eines zahlenden Kunden). Der Wahnsinn nimmt mit jeder neuen Aufgabe seinen Lauf.

Fragwürdig bis eklig: Kindliche Superhelden zerfurzen einen Lapdance im Strip Club. Hier der Videobeweis:

Das spielerische Geschehen basiert auf einer einfachen Rollenspiel-Mechanik. Ihr erkundet eure Umgebung, löst mithilfe eurer Fähigkeiten simple Rätsel, sprecht mit NPCs und treibt so die Erzählung voran. Kämpfe sind rundenbasierend und verlangen bei fast jeder Aktion auch ein wenig Reaktionsvermögen von euch, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen (sprich ihr sollt den richtigen Knopf im richtigen Moment drücken).

Gerade in diesem Bereich zeigt sich ein großer Fortschritt im direkten Vergleich zum Vorgänger. Zwar bleibt die grundlegende Kampfmechanik bestehen, jedoch wird sie um neue Elemente und mehr Kombinationsmöglichkeiten erweitert. Das bietet auch taktisch einen wesentlich größere Spielraum.

Stark genug, um Sechstklässler zu vermöbeln

Die spielerischen Kernstücke sind gewachsen. Gegner seht ihr vorab, müsst aber schnell reagieren, um für den folgenden Kampf einen Vorteil zu erringen. Geht ganz einfach: Furzt sie an und verpasst ihnen eins. Im Kampf selbst seid ihr nun nicht mehr starr auf einer Position festgewachsen, ihr könnt euch stattdessen auf dem gerasterten Schlachtfeld neu positionieren. Jeder Angriff hat einen bestimmten Wirkungsbereich. Vor starken gegnerischen Angriffen werdet ihr gewarnt und könnt euch entsprechend in Sicherheit bringen.

Die Macht des Elementaristen entfesselt die Kräfte der Natur.Die Macht des Elementaristen entfesselt die Kräfte der Natur.

Das ist eine wichtige Neuerung, bietet sie doch so viel mehr Abwechslung im Kampfgeschehen. Wer hier zu unüberlegt agiert, wird schnell Probleme bekommen. Es gibt Angriffe, die zwar tierisch viel Schaden verursachen, den Angreifer jedoch nach der Attacke mitten in einer Gruppe von Feinden stehen lassen. Hier ist vorausschauendes Denken angesagt. Das geplante Zurückstoßen von Gegnern kann zum Beispiel einen schier aussichtslosen Kampf im letzten Moment noch für euch gut ausgehen lassen.

Im Laufe des Spiels schaltet ihr immer mehr Gefährten frei, die jeweils eine bestimmte Heldenklasse verkörpern. Auch dahingehend seid ihr als "der Neue" ein Sonderfall, den ihr dürft euch eure Fähigkeiten nach und nach aus dem Repertoire mehrere Klassen zusammenstellen.

Grund zur Freude: Mit diesem Video feiert Ubisoft den Gold-Status von South Park - Die rektakuläre Zerreißprobe.

Außerhalb der Kämpfe erwartet euch diesmal ein Crafting-System. Das ist zwar in keiner Weise sonderlich komplex, jedoch ist es ein wichtiger Bestandteil eurer Charakter-Entwicklung. Mit den Rohstoffen, die ihr bei euren Erkundungstouren sammelt, lässt sich wirklich alles herstellen: Von nützlichen Verbrauchs-Items über Kostüme bis zu mächtigen Artefakten. Vor allem die solltet ihr nicht ignorieren.

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