Test Elex: Revolutionär unrevolutionär

von Emily Schuhmann (16. Oktober 2017)

Elex ist keine Abkehr von alten Tugenden und Sünden. Elex ist keine Revolution. Elex ist sperrig und kaum intuitiv - aber ein Fest für Fans der Gothic-Spiele.

Ein packendes Kampfsystem mit butterweichen Animationen, atemberaubender Grafik und liebenswerten Charakteren: Das alles findet ihr im voraussichtlich am 17. Oktober für PC, PlayStation 4 und Xbox One erscheinende Elex absolut nicht.

Das neueste Spiel des knapp 30 Mann starken Entwicklerstudios Piranha Bytes aus Essen tritt mehr als eindeutig in die Fußstapfen ihrer früheren Projekte. Größter Unterschied: Vorbei sind die Tage von mittelalterlichen Abenteuern und Piratenromantik.

Naja, nicht ganz vorbei, denn in Elex haben Plasmagewehre genauso ihre Daseinsberechtigung wie Streitaxt und Magie. Science-Fantasy in einer postapokalyptischen, erdähnlichen Welt namens Magalan.

Für so ein Szenario muss natürlich erstmal eine Katastrophe geschehen. Der Bevölkerung in Elex ging es dabei wie den Dinosauriern. Ein Meteorit schlug auf der Oberfläche des Planeten ein und vernichtete einen Großteil der Zivilisation. Wie zum Trost brachte er ein sonderbares Material mit: das namensgebende Elex.

Menschen sind immer gleich

Die Überlebenden merkten schnell, dass dieses Mineral für allerlei Dinge taugt. Statt zusammenzuarbeiten, tat die menschliche Rasse das was sie am besten kann: es kam zum Streit und es bildeten sich vier Fraktionen.

Die Kleriker streben einen technisch fortschrittlichen Kontrolstaat an, die Berserker aus Edan wollen den Planeten mit Magie wiederbeleben, die emotionslosen Albs konsumieren Elex, um an Stärke zu gewinnen und die Outlaws, nun, die wollen einfach nur um jeden Preis überleben.

Die Mischmasch aus unterschiedlichen Landschaften ist abwechslungsreich und lädt zum einfach mal querfeldein Marschieren ein.Die Mischmasch aus unterschiedlichen Landschaften ist abwechslungsreich und lädt zum einfach mal querfeldein Marschieren ein.

Das ist in ihrer wüsten Wüsten-Heimat Tavar leichter gesagt als getan. So interessant die meisten Ecken von Magalan sind, sonderlich einladend ist keine von ihnen. Die winterliche Bergregion Xacor, in der die Albs ihr Unwesen treiben, ist ebenso unwirtlich wie das zerklüftete Land Ignadon, in dem die Kleriker ihre Basis eingerichtet haben.

Ihr seid dazu eingeladen eurer Neugier freien Lauf zu lassen. Komme ich da irgendwie hoch? Ist dieses Gebäude betretbar? Fast immer lautet die Antwort: Ja.

Großes Ärgernis beim Erkunden sind ausgerechnet die Lichteffekte, die andernorts so schön sind. Die konstante Brise im Spiel bewegt das Blattwerk um euch herum. Aufgrund der recht niedrigen Animationsqualität nervt dieses Zuckeln schnell. Fällt dann noch ein Sonnenstrahl durch die Bäume gibt es Lichtkonfetti.

Nicht nur draußen, auch drinnen macht ein gutmgemeinter Effekt Probleme. Betretet ihr am helllichten Tag ein Haus, seid ihr für mehrere Sekunden quasi blind. Realitätsnah, aber schnell störend.

Mit Hirn statt Muskelmasse

Monster und Banditen zu verprügeln macht in Elex recht wenig Spaß, wenn ihr es mit anderen Rollenspielen wie The Witcher 3 - Wild Hunt vergleicht. Ihr habt eine große Waffenauswahl vom Blaster bis zum Kettensägenschwert und könnt sogar durch Tierschädel Magie kanalisieren, aber alles fühlt sich irgendwie unbefriedigend an.

Treffer hinterlassen kein Triumphgefühl, dafür fehlt einfach der Wumms. Verinnerlicht so schnell wie möglich, dass erst die späteren Schläge eurer Kombo-Ketten eurem Gegner wirklich wehtun. Elegante Ausweich- und Kontermanöver belohnt das Spiel nicht, was gegen jedes gelernte Videospielverhalten geht.

Die Aufträge, mit denen ihr von Anfang an regelrecht bombardiert werdet, lassen sich zum Glück oft auch mit Grips statt mit Gewalt lösen. Gerade im späteren Spielverlauf erwarten euch ziemlich verwinkelte Missionen, bei denen eine falsche Entscheidung zur Katastrophe führen kann.

Hier ein kleiner Einblick was euch in Elex erwartet:

Schön ist, dass sich viele Quests kreativ und auf verschiedene Arten lösen lassen. Statt gegen eine Übermacht zu kämpfen, könnt ihr die Gegner zu einem Troll locken, der kurzen Prozess mit den Schlägern macht. Problem gelöst.

Wenn euer unfreiwilliger Verbündeter sich verzogen hat, könnt ihr auch noch schnell die Leichen fleddern. Auch wenn das zu einem weiteren Problem des Spiels führt: Inventar-Management.

Euch erwartet eine dröge Listenansicht, in der es schon zur Herausforderung wird, ausgerüstete Gegenstände zu erkennen. Bergeweise Ausrüstung anhäufen macht Spaß, sie zu organisieren nicht und diese trockene Aufmachung macht es noch schlimmer.

Rollenspiele leben von Charakteren

Bei Elex' Hauptcharakter Jax solltet ihr euch warm anziehen, denn er ist ziemlich unterkühlt. Das soll er auch sein, schließlich ist er ein verbannter Alb-Hauptmann. Plötzlich auf Elex-Entzug gesetzt kommen seine Emotionen langsam wieder zurück.

Begleiterin Nasty hat einen eigenen Comic spendiert bekommen. Die taffe Outlaw-Kriegerin sollte eigentlich wissen, dass ihr Outfit keine gute Rüstung ist.Begleiterin Nasty hat einen eigenen Comic spendiert bekommen. Die taffe Outlaw-Kriegerin sollte eigentlich wissen, dass ihr Outfit keine gute Rüstung ist.

Ihr entscheidet, wie menschlich er sich verhalten soll und mit welcher der Fraktionen er sich gut stellt. Allen könnt ihr nicht gefallen. Ihr habt auch die Möglichkeit mit euren Gefährten einfach eure eigene Gruppe aufzubauen. Eine schöne Idee für alle, die sich nicht gern in Schubladen stecken lassen. Aber erwartet nicht, dass Magalans Bevölkerung das nicht dennoch versucht.

Die Menschen, denen ihr begegnet, haben oft interessante Dinge zu sagen und machen die Welt mit jedem vertonten Satz lebendiger. Auf die ganz harten Macho-Sprüche hat Piranha Bytes dieses Mal glücklicherweise verzichtet, auch wenn der Strip-Club offenbar sein musste.

Solche Kleinigkeiten sind jedoch schnell vergessen, wenn ihr euch wirklich auf den riesigen Sandkasten namens Elex einlasst. Es gibt keine künstlichen Grenzen und nur die Gegnerstärke setzt eurem Erkundungsdrang ein Ende.

Diese Freiheit hat zwar so manchen Bildschirmtod zur Folge, aber die fehlende Bevormundung ist dennoch eine willkommene Abwechslung in einer Zeit, in der die meisten Spiele euer Händchen halten. Und dann gibt es natürlich noch das Jetpack. Zwar auch nicht perfekt, aber ein Jetpack macht einfach alles besser.

Meinung von Emily Schuhmann

Oh Piranha Bytes, da habt ihr euch mal wieder ein bisschen übernommen. Die Grundidee von Elex ist stimmig. Ich liebe die abgedrehte Welt Magalan, in der Mittelalter und Zukunft koexistieren. Mein Erkundungsdrang wird voll bedient.

Dennoch drängt sich mir immer wieder der Gedanke auf wie toll das Spiel vielleicht hätte sein können, wenn es eben nicht so riesig gewesen wäre. Eine kleinere Welt und dafür mehr Liebe für das Kampfsystem und die technische Umsetzung.

Mein größtes Problem mit Elex ist allerdings Jax. Von der ersten Sekunde an war mir der Ex-Alb unendlich unsympathisch und alles in mir hat sich dagegen gewehrt diesen Mistkerl zu verkörpern. Ich brauche kein Weichei oder die Auswahl zwischen männlichem und weiblichem Charakter, aber Jax steht auf der Liste meiner Lieblingscharaktere verdammt weit unten.

72

meint: Ein Paradies für Entdecker, aber das Kampfsystem und die technische Umsetzung ist mindestens von gestern.

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Tags: Fantasy   Science-Fiction   Singleplayer  

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