Test Gran Turismo Sport: Mehr Online, weniger Karriere

von Thomas Stuchlik (17. Oktober 2017)

Fast 20 Jahre ist Sonys legendäre Rennserie bereits alt. Gefühlt genauso lang war die Wartezeit auf die überfällige PS4-Premiere. Im Test zeigt der neueste Teil Gran Turismo Sport ungewohnte Seiten auf.

Das beginnt bereits beim gebotenen Umfang: Serientypisch steht Gran Turismo für üppigen Fuhrpark und eine ausladende Karriere. Nicht jedoch bei Gran Turismo Sport! Das Rennspiel bietet weniger Solo-Wettbewerbe als die Vorgänger, weniger Wagen als Forza Motorsport 7 und weniger Strecken als Project Cars 2. Die Auswahl an 160 Fahrzeugen und 17 Strecken (mit 38 Varianten) wirkt überschaubar, soll jedoch künftig per DLC anwachsen. Die wahre Stärke der Raserei liegt vielmehr bei Online-Wettbewerben.

Die ungewohnte Neuausrichtung ist schick verpackt, denn Gran Turismo Sport ist das vielleicht bestaussehendste Rennspiel der aktuellen Generation. Klar hapert es mal hier und da an Streckendetails, doch gerade die Wagen sind ein Hingucker sondergleichen. Die Fahrzeuge sind bis zum Markenemblem originalgetreu umgesetzt und erstrahlen hübsch wie nie zuvor. Denn dank HDR-Modus (und einem kompatiblen Fernseher) glänzen die Lacke im Sonnenlicht wunderschön – dem erweiterten Kontrastumfang sei Dank. Noch schicker ist das Geschehen natürlich in 4K-Auflösung auf der PS4 Pro, auch wenn es sich dabei um hochgerechnetes 1800p handelt.

Realitätsnähe mit Abstrichen

Der kompetitive Gedanke steht im Vordergrund des Spiels, denn der Sport-Modus liefert beständig neue Online-Wettbewerbe. Hier messt ihr euch mit bis zu 23 anderen Fahrern auf dem Asphalt. Tägliche Veranstaltungen beginnen alle 20 Minuten und erlauben genug Zeit für das Qualifying und damit eine gute Startposition.

Das einsteigerfreundliche Fahrverhalten verlangt nach korrekten Bremspunkten und einer guten Linie.Das einsteigerfreundliche Fahrverhalten verlangt nach korrekten Bremspunkten und einer guten Linie.

Auf der Strecke bleibt sich Gran Turismo Sport treu, denn die Wagen verhalten sich wie es Serienkenner erwarten. Zwar schraubten die Entwickler von Polyphony Digital vor allem an der Reifenphysik, um euch besser den Grip spüren zu lassen. Allerdings fällt das Fahrmodell gnädiger als beim Konkurrenten Project Cars 2 aus, wo bereits kleine Lenkfehler fatal sind. GT Sport gibt sich einsteigerfreundlicher und bringt nicht nur gewohnte Fahrhilfen sowie eine eingeblendete Ideallinie, sondern wahlweise auch Markierungen für Kurveneingang, Scheitelpunkt und Ausgang der Kurven.

Seit 20 Jahren gibt es die GT-Reihe bereits. Das Video präsentiert euch die Wurzeln:

Mit etwas Übung erlaubt die Controller-Steuerung eine gekonnte wie schnelle Fahrweise, auch wenn viele der gefahrenen Autos zum Untersteuern neigen (auch typisch für die Serie). Mit einem angeschlossenen Lenkrad kommt mehr Rennstimmung auf, da das Force Feedback immer passende Effekte liefert. Bisher sind die aktuellen Modelle von Thrustmaster (T80, T150, T300RS, T500RS und das brandneue T-GT) und Logitech (G29) kompatibel, der Support von Fanatec-Wheels (CSL Elite) steht noch aus, ist aber angekündigt.

Weniger von allem

Der Online-Fokus von GT Sport erlaubt nicht nur vorgegebene Veranstaltungen, sondern auch individuelle Rennen mit öffentlichen oder privaten Lobbies. Ebenso sind ab November hochoffizielle Esports-Wettbewerbe in Zusammenarbeit mit dem Automobilverband FIA angekündigt.

In den Fahrmissionen steigt ihr auch in abgefahrene Vision-GT-Wagen.In den Fahrmissionen steigt ihr auch in abgefahrene Vision-GT-Wagen.

Auch wenn eine serientypische GT-Karriere fehlt, haben Solo-Piloten dank dreier Modi mit etwa 150 Veranstaltungen zumindest einiges zu tun. In der Fahrschule erlernt ihr grundsätzliche Fahrtechniken wie das Bremsen oder einfache Kurvenfahrten. Bei den Missionen sollt ihr dagegen bestimmte Ziele erreichen. Zum Beispiel stellt ihr vorgegebene Zeiten auf engem Stadion-Kurs auf oder versucht in Interlagos das gegnerische Fahrerfeld zu schlagen.

Der Modus Streckenerfahrung verlangt Bestzeiten in einzelnen Sektoren und kompletten Kursen. Auch hier gilt: Übung macht den Meister. Ähnlich wie in den Vorgängern erringt ihr für jeden Wettbewerb Bronze-, Silber- oder Goldmedaillen. Für weitere Motivation sorgt das Punktesystem. Für jeden gefahrenen Meter erhaltet ihr Erfahrungspunkte, um eure Stufe zu steigern. Außerdem verbessert ihr eure Fahrerwertung und euren Sportsgeist, welcher angibt, wie fair ihr euch in Online-Rennen verhaltet.

Nicht alles was Gold ist ...

Angesichts der vorhandenen Solo-Events ist der Online-Zwang von GT Sport allerdings ein Rätsel. Denn ständig versucht das Spiel eine Verbindung mit den Servern aufzubauen, um zu speichern. Vor allem bitter, wenn gerade letztere gewartet werden oder überlastet sind. Übrigens: Offline sind ausschließlich Arcade-Rennen verfügbar.

Die grandiose Optik liefert passende Rennstimmung, allerdings ohne dynamische Tageszeiten.Die grandiose Optik liefert passende Rennstimmung, allerdings ohne dynamische Tageszeiten.

Auch ein wenig rätselhaft sind fehlende Elemente, die sonst Standard im Genre sind. Das Schadensmodell glänzt bei vielen Veranstaltungen mit Abwesenheit. Nichtsdestotrotz ist eines vorhanden, das jedoch nur wenige Blechschäden erlaubt. Auch unschön sind die starren Streckenbedingungen. Vor den Rennen wählt ihr zwar die Tageszeit, doch diese verändert sich nicht im Laufe des Events. Das kann die Konkurrenz wie Project Cars 2 besser. Auch die Computergegner sind störrische Zeitgenossen, die den groß angepriesenen Sportsgeist untergraben und euch gerne von der Piste schubsen.

Übrigens heizt ihr nicht nur über den Asphalt, sondern rutscht auch über Schotterpisten. Nur mit dem richtigen Drift schiebt ihr den eigenen Wagen stilecht um die breiten Rundkurse herum. Letztere erweisen sich als überaus rutschig und erfordern viel Lenkarbeit, genau wie schon in den Rallye-Ausflügen der Vorgänger. Klassische Rallye-Etappen oder Rallycross sucht ihr jedoch vergeblich.

VR und weitere Gimmicks

Schön, dass GT Sport auch PlayStation VR unterstützt. Damit dürft ihr im Showroom eure Wagen von allen Seiten begutachten. Außerdem tretet ihr auf allen Strecken gegen einen einzelnen Gegner an. Trotz magerem Umfang überzeugt das VR-Erlebnis mit Rundumsicht, Cockpits, die zum Greifen nah erscheinen, sowie einem stimmigen Mittendrin-Gefühl.

Erstellt eure eigenen Designs im Editor.Erstellt eure eigenen Designs im Editor.

Eine längst überfällige Serien-Neuerung ist der Lack-Editor. Ganz ähnlich wie in der Forza-Serie dürft ihr eure eigenen Designs auf die Wagen klatschen. Dazu bringt ihr freischaltbare Formen, Aufkleber und Motive in mehreren Ebenen auf das Blechkleid auf. Ebenso gestaltet ihr Rennhelm und Overall.

Seit Teil 4 ist der Foto-Modus fester Bestandteil der Reihe. In GT Sport nennt sich die Knipserei "Scapes": Hier platziert ihr eure Lieblingswagen vor echten Fotohintergründen. Dank korrekter Beleuchtung fügen sich die Autos überzeugend in die reale Kulisse ein. Filter-Effekte und Kamera-Einstellungen sind vielschichtig konfigurierbar. Das System hat nur den Nachteil, dass ihr die Kamera nicht frei platzieren dürft.

Unter dem Menüpunkt "Brand Central" findet ihr die Autohändler, bei denen ihr nicht nur neue Vehikel erwerbt. Ebenso informiert ihr euch über Meilensteine des Herstellers und erfreut euch an Videos. Freuen dürfen sich übrigens auch zwei Spieler vor einer Konsole. Vorbildlicherweise ist ein Splitscreen-Modus enthalten, auch wenn dieser mit dicken Balken daherkommt.

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Tags: E-Sport   Multiplayer   Online-Zwang  

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