Irgendwie anders: Hat sich South Park verändert oder liegt es an mir?

(Kolumne)

von Micky Auer (27. Oktober 2017)

Noch knackig und taufrisch ist South Park - Die rektakuläre Zerreißprobe. Das witzige Rollenspiel mit 20 Jahren Fernsehserienhintergrund verspricht vor allem eines: Kruden Humor mit direkten zeit- und gesellschaftskritischen Hintergründen. Ja, es ist lustig. Aber irgendwas hat sich verändert ...

Jetzt ist nur die Frage: Hat sich die Serie und damit auch das Spiel verändert? Oder hat der Humor die Übersetzung der TV-Serie in das Spiel nicht schadlos überstanden? Haben sich Trey Parker und Matt Stone, die Schöpfer von South Park verändert? Habe ich mich vielleicht verändert? Oder hat gar alles auf einmal stattgefunden? Oder vielleicht sogar rein gar nichts davon? Zur Info: Dieser Absatz enthält sechs Fragezeichen und - so glaube ich - bereits eine richtige Vermutung.

Wenn ich an die Anfänge der Serie zurückdenke, denke ich vor allem an blasse Farben, extrem sparsame Animationen und teils zusammenhanglos wirkende brachial-humoristische Einlagen, über die ich lachen konnte. Damit war ich zwar Teil der breiten Masse, bei der South Park ankam und zum Erfolg wurde, gleichzeitig fühlte ich mich aber so, als würde ich etwas ganz, ganz Verbotenes sehen und es insgeheim gut finden. Etwas, worüber man in der Öffentlichkeit nicht sprechen durfte, es dann aber trotzdem tat. South Park hatte etwas Verruchtes.

Es ist schon eine Weile her ...

PC Principal, der Inbegriff der übertriebenen "political correctness" dient in South Park als personifizierte Persiflage.PC Principal, der Inbegriff der übertriebenen "political correctness" dient in South Park als personifizierte Persiflage.

Knackige 20 Jahre sind seitdem ins Land gezogen. Klar, dass sich da gewisse Veränderungen ergeben, die schon in der relativ kurzen Zeitspanne zwischen den Spielen South Park - Der Stab der Warheit (2014) und South Park - Die rektakuläre Zerreißprobe (2017) deutlich erkennbar sind.

Dabei geht es mir nicht mal um die Produktionswerte. Was anfangs noch aussah wie aus Papier ausgeschnittene, kaum animierte Simpel-Figuren (und das waren sie auch), sind heute zwar immer noch (absichtlich) simpel gestaltete Assets, jedoch mit viel kräftigeren Farben, flüssigeren Animationen und zahlreichen grafischen Effekten versehen. Der aktuelle technische Stand der Fernsehserie spiegelt sich auch im neuen Spiel wieder. Das ist ganz sicher kein Beinbruch, jedoch fehlt mir persönlich die Verbindung zu der ursprünglichen Authentizität. Jemanden, der die Serie nicht so gut oder gar nicht kennt, wird das nicht weiter stören.

Aber wie ist das mit den zahlreichen Witzen, Referenzen und Gags im Spiel, die sich im Grunde nur selbst referenzieren? Anfangs glaubte ich, es mache mir tatsächlich Spaß, all diese Referenzen ausfindig zu machen und darüber zu lachen. Dann verstärkte sich der Eindruck, dass ich über zusammenhanglose Einstreuer lache, die ich vor Jahren witzig fand, und da auch nur im Zusammenhang einer kompletten Fernsehfolge. Wo bleiben da all die Leute, die das nicht kennen?

Ist das überhaupt noch South Park?

Schon in der Stab der Wahrheit mit dabei und auch schon seit langem in der Serie: Der Besitzer des City Wok glaubt, er sei ein Asiate.Schon in der Stab der Wahrheit mit dabei und auch schon seit langem in der Serie: Der Besitzer des City Wok glaubt, er sei ein Asiate.

Und letzten Endes: Versucht South Park trotz all der knallharten Darstellungen und Aussagen seine eigene Geschichte zu rechtfertigen und das zu entschärfen, was es zu dem macht, was es eigentlich ist? Ein Beispiel: Der Besitzer des City Wok (ausgesprochen: Shitty Fuck) ist ein stereotyp dargestellter Asiate. So richtig mit allen beleidigenden Klischees behaftet, die man sich vorstellen kann. Später wurde er in der Serie als Weißer entlarvt, der sich nur einbildet, ein Asiate zu sein. So etwas fühlt sich an wie: "Okay, ihr wisst jetzt, dass der Asiate in der Serie eigentlich weiß ist. Daher sind all die Witze, die wir dahingehend verbraten haben doch vollkommen in Ordnung. Oder?" - Auch hier sei betont: Es ist ein Eindruck.

20 Jahre sind eine lange Zeit. Es ist nicht so als hätte South Park seinen Horizont überschritten. Ganz und gar nicht! Auch ist eine Weiterentwicklung im Angesicht kultureller Veränderung angebracht und nötig. Hinzu kommt, dass den Herren Parker und Stone niemand absprechen will, dass sich ihre persönlichen Ansichten ändern, so vielleicht auch ihr Humor und ihr Stil. Wir sprechen immer noch von natürlichen Entwicklungen, die mich auch selbst betreffen. Vor 20 Jahren hab ich sicher über andere Dinge lachen können als heute. Damit ist die eingangs erwähnte Vermutung wohl bestätigt: Alles rund um das Thema hat sich verändert.

Fraglich bleibt letztlich dennoch, ob ein Konzept, das auf sich selbst als Fernsehserie fußt nicht automatisch verliert, wenn es in das Medium Videospiel übertragen wird. Oder zumindest: DIESES Konzept in DIESES Spiel. Ein Fan von South Park wird blind zugreifen. Die meisten anderen werden sich an witzigen Attacken und Szenarien erfreuen, die immer noch über die Stränge schlagen. Aber seine Existenberechtigung hat South Park nicht zur Gänze transportiert. Vielleicht liegt es aber auch nur an mir ...

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