Test Wolfenstein 2 - The New Colossus: Bombast auf den Punkt

von Matthias Kreienbrink (27. Oktober 2017)

General Totenkopf ist nicht mehr. Nun geht es Frau Engel an den Kragen. Im neuen Wolfenstein verschlägt es euch in ein vom Regime unterjochtes Amerika. Waffenstarrend zerschießt ihr das Böse bis auf die Knochen, um dabei die berührenden Geschichten des Widerstands zu erleben.

Am Anfang seid ihr fast tot. B.J. Blazkowicz ist schwer verwundet, wandelt von einem Koma ins nächste. Seine Vergangenheit zieht an seinem inneren Auge vorbei: Die Kindheit mit einem hasserfüllten Vater und einer beschützenden Mutter. Dem Tod entkommt er gerade so – für die erste knappe Stunde des Spiels seid ihr jedoch an einen Rollstuhl gefesselt.

Richtig, in Krankenhausrobe und mit Maschinengewehr in einer Hand rollt ihr durch die ersten Gänge dieses Shooters. Und damit ist auch gleich der Ton gesetzt für die kommenden Stunden. Wolfenstein 2 – The New Colossus setzt das fort, was Wolfenstein - The New Order und Wolfenstein - The Old Blood begannen: Keine Kompromisse, alles direkt ins Gesicht. Und in der brachialen Logik des Spiels funktioniert genau das auch unverschämt gut.

Ihr fühlt euch wie zu Hause

Gemütlich: Ein Blick in eure neue Basis.Gemütlich: Ein Blick in eure neue Basis.

Wenn ihr die beiden letzten Wolfenstein-Spiele kennt, werdet ihr euch in Wolfenstein 2 direkt heimisch fühlen. Ihr werdet direkt diese markante Optik wiedererkennen. Beschreiben lässt sie sich wohl am treffendsten mit „massiv“. Alles wirkt ein wenig zu groß, zu massig, zu gewaltig. Wie wir in unserem Special zur Propaganda in Wolfenstein bereits beschrieben haben, muss das Spiel genau so aussehen. Denn in der Grafik findet sich eine Zuspitzung der Ästhetik des sogenannten Dritten Reichs.

Die Entwickler haben in der Geschichte nach Inspiration gesucht. Diese wurde dann verdoppelt, verdreifacht, auf die Spitze getrieben. Daraus entstanden ist wieder eine unverkennbare Mixtur aus Comic-Optik, Realismus und dem „Charme“ der Bauten und des Menschenbilds der 30er und 40er Jahre. Das sieht auf unserer PlayStation 4 Pro dann auch grandios aus. Die Framerate läuft mit stabilen 60 FPS, die Texturen sind scharf. Das gleiche gilt für die Klangkulisse des Spiels, auch hier Bombast.

Sowohl die Musik, die sich jeder Situation anpasst und die besonderen Stimmungen des Spiels noch unterstreicht, als auch die Explosionen, Schüsse oder Schreie, die euch direkt ins Ohr gehen. Wir empfehlen, dieses Spiel mit Kopfhörern zu spielen. In Deutschland könnt ihr das Spiel freilich nur mit deutscher Sprachausgabe spielen. Das liegt auf der Hand, da auch in Wolfenstein 2 – The New Colossus wieder jedes verfassungswidrige Symbol fehlt, ebenso wie die Nennung des Nationalsozialismus. Daher bleibt euch nichts anderes übrig, als der deutschen Sprachausgabe zu lauschen, die vom Regime spricht.

Auch spielerisch ein Heimspiel

Auch spielt sich The New Colossus auf altbekannte Art und Weise. Ihr habt eigentlich immer die Möglichkeit, jede Situation schleichend oder schießend zu bestehen. So gilt es etwa oft, einen oder mehrere Kommandanten auszuschalten. Denn entdecken diese euch, rufen sie Verstärkung und ihr habt dann einige Soldaten zu erlegen.

Die Anzeige oben im Bild zeigt euch, wo sich ein Kommandant verstecktDie Anzeige oben im Bild zeigt euch, wo sich ein Kommandant versteckt

Ihr schleicht euch also entweder von hinten an sie heran und erledigt sie klammheimlich – so ihr sie denn entdeckt - oder ihr ballert euch durch das gesamte Level, bis alle Gegner erledigt sind, inklusive der Kommandanten. Oder aber ihr schleicht euch an allen vorbei und verlasst das Gebiet unentdeckt, auch das lassen einige Abschnitte zu. Natürlich könnt ihr auch wieder eure vielen Waffen – vom Sturmgewehr bis zur Plasmakanone – aufrüsten. Dafür müsst ihr Upgrade-Kits finden. Dann steht ihr jedoch vor der Wahl: Lieber ein Zielfernrohr oder doch die panzerbrechende Munition?

Besonders in der Kombination mit einer Vielzahl an Schwierigkeitsgraden, die ihr frei wählen könnt, bietet das Spiel euch so die Möglichkeit, euren eigenen Spielstil zu entdecken. Und glaubt uns: Gerade die oberen Schwierigkeitsgrade haben es wirklich in sich. Ohne schwitzende Hände werdet ihr diese sicherlich nicht bezwingen.

Wolfenstein 2 – The New Colossus steuert sich nicht wie der stereotype moderne Shooter. Anders als etwa ein Destiny 2, ist es ein eher behäbiges Spiel. Alles fühlt sich ein wenig schwerfällig an. Ihr seid nicht flink, nicht geschmeidig. Ihr steuert euch, wie der Brocken Blazkowicz eben auch aussieht. Besonders, wenn ihr gerade schwere Waffen tragt. So wie die Optik, der Klang, die Gegner ist auch die Steuerung vor allem eines: massig. Und das ist auch gut so. Denn dadurch fühlt sich das Spiel an wie ein in sich logisches und geschlossenes Werk.

Ich war noch niemals in New York

Doch auch einige Neuerungen hält Wolfenstein 2 – The New Colossus für euch bereit. Denn in diesem Teil verschlägt es euch in die USA – oder das, was davon übriggeblieben ist. Auch hier hat das Regime für Verwüstung und Unterjochung gesorgt. Zu den Schauplätzen zählt etwa ein in Schutt und Asche liegendes New York. Eine Atombombe hat hier eingeschlagen und ihr seid auf der Suche nach den Überresten des Widerstandes, um diesen wieder zu aktivieren.

Dann plötzlich seid ihr im Roswell der 60er Jahre. Saubere Straßen und brave Kinder ziehen hier an eurem Auge vorbei und wirken direkt wie aus einem Propaganda-Pamphlet stammend. Auch könnt ihr Blazkowiczs Kinderstube erkunden, mitten im satten Grün des amerikanischen Hinterlands.

Auch ist neu, dass ihr nun eine Motorrüstung tragt – oder tragen müsst. Durch seine starken Verletzungen ist Blazkowicz auf diesen Anzug angewiesen. Dadurch könnt ihr nun aber etwa einen Schmetterangriff ausführen. Springt in die Luft und landet mit lautem Wumms auf dem Boden – damit sind Luftschächte äußerst schnell geöffnet.

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