Studie: So viel Zocken ist gut für euch (Kolumne)

von Micky Auer (Montag, 30.10.2017 - 09:00 Uhr)

"Geh doch mal raus! Du kriegst noch viereckige Augen. Lern was! Spiel mit Freunden! Mach was Richtiges!"- Typische Reaktionen von Eltern auf den Spielekonsum ihrer Kinder. Doch wie richtig oder falsch liegen sie damit?

Kennt ihr diesen fortwährenden Kampf mit euren Eltern auch? Oder seid ihr vielleicht selbst schon Eltern und habt Kinder, deren Videospiel-Konsum in euren Augen nicht gesund sein kann? Zwei Dinge sollten dahingehend klar sein. Erstens: Ganz ohne Regeln und elterliche Aufsicht geht es nicht. Zweitens: Wie bei fast allen Dingen gilt auch hier, dass die Menge das Gift macht. Soll heißen: In der richtigen Dosierung können Videospiele vorteilhaft für die Entwicklung sein. Zu viel davon führt jedoch zu Problemen.

Eine Studie der weltweit bekannten und renommierten Universität Oxford in Großbritannien belegt nun, dass Kinder, die sich täglich mit Videospielen auseinandersetzen, ein besseres Sozialverhalten an den Tag legen und zufriedener sind als Kinder, die überhaupt keinen Kontakt mit Videospielen haben. Das beinhaltet allerdings eine zeitliche Begrenzung.

Eine Stunde zum Glück

Habt ihr das gehört, liebe Eltern? Es spricht absolut nichts dagegen, eure Kleinen noch ein paar Runden Mario Kart zocken zu lassen, bevor sie sich an die Hausaufgaben setzen. Jedoch ist hier ein gewisses Maß und die entsprechende Kontrolle vonnöten. Denn der positive Effekt zeigt sich bei Kindern, die täglich eine Stunde oder weniger mit Videospielen verbringen.

Falls das ohnehin nicht schon klar war: Kinder inmitten ihrer Entwicklung den ganzen Tag und bis spät in die Nacht hinein vor den PC oder die Konsole zu setzen ist ihnen in keiner Weise zuträglich. Tatsächlich geht die Studie so weit zu erläutern, dass der positive Effekt gänzlich verschwindet, sobald die strikte Grenze von einer Stunde überschritten wird.

Bevor jetzt die Alarmglocken schrillen: Das heißt noch nicht, dass die Überschreitung von einer Stunde Spielzeit pro Tag plötzlich Tod und Verderben über die Familie hereinbrechen lässt. Es geht lediglich darum, dass keine vorteilhaften Situationen mehr entstehen. Die Verfasser der Studie konnten keinen erkennbaren Effekt bei Kindern erkennen, die eine bis drei Stunden täglich mit Videospielen verbringen - weder positiv noch negativ. De facto gibt es keine Unterschiede zu Kindern zu vermerken, die rein gar nicht Zocken.

Hier ist die Grenze

Während die Studie einen positiven Effekt bei einer Stunde Spielzeit täglich belegt, streicht sie auch heraus, wie negativ sich zu lange Spielzeiten auswirken. Sobald nämlich mehr als drei Stunden pro Tag in Videospiele investiert werden, fordert diese Situation ihren Tribut.

Kinder, die jeden Tag so lange vor Konsole und PC hocken, sind im allgemeinen unglücklicher als jene Kinder, die gar keinen Zugriff auf Videospiele haben. Außerdem zeigt sich bei ihnen eher die Neigung zur Hyperaktivität, zu verkürzten Aufmerksamkeitsspannen und einer mangelnden sozialen Beziehungsfähigkeit mit Gleichaltrigen.

Andrew Przybylski, der Verhaltensforscher hinter der Studie, kam zu diesen Schlüssen, nachdem er eine Befragung und Beobachtung von 4.899 britischen Kindern im Alter von zehn bis fünfzehn Jahren durchgeführt hat. Die Ergebnisse wurden im medizinischen Online-Journal Pediatrics veröffentlicht. Dort könnt ihr sie auch jederzeit einsehen und als PDF herunterladen (das Verständnis des Inhaltes setzt allerdings sehr gute Englischkenntnisse voraus).

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