Test Call of Duty - WW2: Zurück zum Zweiten Weltkrieg - aber auch zu alter Stärke?

von Alexander Gehlsdorf (03. November 2017)

Selten wurde ein Call of Duty mit so viel Spannung und gleichzeitig Skepsis erwartet. Wir haben für euch ausführlich getestet, ob sich die einstige Shooter-Macht zu alter Stärke aufschwingt.

Der Krieg schien schon verloren: Activisions einst so unangreifbare Shooter-Serie Call of Duty konnte in den letzten Jahren immer weniger Rekruten für sich begeistern und verlor 2016 endgültig haushoch gegen Erzfeind Battlefield. Heilsbringer soll jetzt ausgerechnet ein Setting sein, das jahrelang keiner mehr sehen wollte: der Zweite Weltkrieg.

Tatsächlich ist es ganze neun Jahre her, dass wir in Call of Duty – World at War zum letzten Mal die Möglichkeit hatten, ein Szenario im Zeitraum zwischen 1939 und 1945 zu erkunden. Im Folgenden verraten wir euch, ob die Entwickler in der Zwischenzeit genug frische Ansätze und Ideen gefunden haben, um die CoD-Reihe mit dem neuen alten Szenario wieder fit für die vorderste Front der Ego-Shooter zu machen. Außerdem waren wir gespannt, wie sensibel sie mit dem vor allem hierzulande sehr heiklen Thema Zweiter Weltkrieg umgehen.

Eine Frage des Charakters

Die Geschichte um Red Daniels wird natürlich mit ordentlich Pathos aber auch jeder Menge Herz erzählt.Die Geschichte um Red Daniels wird natürlich mit ordentlich Pathos aber auch jeder Menge Herz erzählt.

Einer der für uns wichtigsten und gelungensten Aspekte wurde kurioserweise vom ungeliebten Vorgänger Infinite Warfare übernommen: Auch diesmal setzt die Handlung wieder sehr auf die Charaktere und reiht nicht einfach nur mehr oder weniger lose Missionen aneinander, wie noch in älteren Teilen. Diesmal folgt ihr Red Daniels und seinen Kameraden der US 1st Infantry Division von der Invasion der Normandie im Juni 1944 bis zur Überquerung des Rheins im April 1945.

Ganz alte Tugend

Dabei stellt sich Private Zussmann als wichtigster Begleiter heraus, der die nächste wichtige Änderung mitbringt: Er versorgt euch mit Medikits. Richtig gelesen! Auch hier wird ein gehöriger Schritt zurück zu den Serienanfängen gegangen und auf die mittlerweile gewohnte Selbstheilung verzichtet. Jetzt müsst ihr eure angeschlagene Gesundheit wieder eigenhändig mit Heilpaketen auffrischen. Das hat zur Folge, dass ihr immer möglichst an der Seite eurer Squad-Mitglieder kämpft, da diese euch neben Granaten und Munition eben auch mit Medikits versorgen können.

Die meiste Zeit kämpft ihr an der Seite eures Squads. Erwartet aber bei aller Kameradschaft nicht zu viel Unterstützung von den Kollegen ...Die meiste Zeit kämpft ihr an der Seite eures Squads. Erwartet aber bei aller Kameradschaft nicht zu viel Unterstützung von den Kollegen ...

“Gute Arbeit“

Erwartet aber nicht zu viel von diesem Squad-System: Ihr profitiert zwar von den Fähigkeiten eurer Kameraden, am Ende hängt der Fortschritt im Level aber immer alleine von euch ab. Eine wirkliche Zusammenarbeit gibt es nicht. Auch in Call of Duty – WW2 zählt meistens einfach wieder nur, dass ihr den nächsten Checkpoint erreicht, um den nächsten Event zu triggern. Ein Beispiel: In einer Mission geht es darum, ein Gebäude voller Feinde einzunehmen und anschließend den Keller zu stürmen. Beim ersten Versuch kämpften wir uns minutenlang taktisch von Deckung zu Deckung, setzten gezielt Granaten ein und ließen uns vom Sani verarzten … nur um kurz vorm Keller doch noch draufzugehen. Also setzten wir beim zweiten Anlauf voll auf Risiko und rannten blindlings zur Kellertreppe. Ergebnis: Checkpoint aktiviert, die Kameraden loben unsere „gute Arbeit“ und alle Gegner sind wie von Geisterhand erledigt.

So wirklich viel getan hat sich also nicht in Sachen Spielablauf. Im Grunde übertüncht immer noch stark gescriptete Bombastinszenierung die arg lineare Schießbuden-Action – wie schon in Call of Duty 2. Das aber – auch wie immer – sehr gekonnt! Allerdings hätte Entwickler Sledgehammer wirklich auf die in den letzten Jahren schwer in Mode gekommenen Quicktime-Events verzichten können. Nichts reißt mehr aus dem Spielfluss und aus der Immersion, als eine plötzlich eingeworfene Zeitenlupensequenz, in der wir viel zu klein angezeigte Knöpfchen möglichst schnell drücken müssen.

Neu: Jetzt ohne Waffen!

An einigen Stellen gibt es dann aber auch tatsächliche Innovationen zu bestaunen – zumindest im Rahmen des „Call of Duty“-Kosmos. So gilt es in Aachen deutsche Zivilisten zu beschützen und aus dem Kriegsgebiet zu evakuieren und in Paris übernehmt ihr gar die Rolle einer französischen Widerstandkämpferin, die unbewaffnet einen deutschen Stützpunkt infiltrieren muss. Damit das gelingt, müsst ihr euch vorher die Infos auf ihren gefälschten Papieren einprägen, um bei den Ausweiskontrollen keinen Verdacht zu erregen. Das macht CoD sicherlich nicht zum Stealth-Spiel, eine nette Abwechslung zur Dauerballerei ist es aber allemal.

Schmaler Grat

Wie nicht anders zu erwarten, kratzt Call of Duty – WW2 historische Zusammenhänge lediglich an und stellt sie manchmal sogar schlicht falsch dar. So wurde Paris sicherlich nicht dadurch befreit, dass ein Grüppchen Freiheitskämpfer vor Notre Dame ein paar Deutsche erschießt. Aber – und das rechnen wir den Machern hoch an – an der wichtigsten Stelle wird das nötige Feingefühl bewiesen. Denn tatsächlich greift das Spiel die Schrecken des Holocaust auf, verzichtet dabei aber auf die sonst so serientypische Effekthascherei und bringt die Szene respektvoll über die Bühne.

Weiter mit: Die Mehrspieler-Modi

Inhalt

Ich bin eine von 0,75 Prozent

Das Skelettpferd in Minecraft: Ich bin eine von 0,75 Prozent

Das Glück war in Minecraft bisher nicht auf meiner Seite. Gefühlt hunderte Male stieß es mich samt (...) mehr

Weitere Artikel

Neues Rollenspiel für PS4 und Switch angekündigt

Digimon - Survive: Neues Rollenspiel für PS4 und Switch angekündigt

Der Screenshot stammt aus Digimon World - Next Order. Die Digimon-Reise geht weiter: In der aktuellen Ausgabe der Weekly (...) mehr

Weitere News

Newsletter

Mit diesem Formular kannst du den Spieletipps.de Newsletter kostenlos abonnieren.

Call of Duty - WW2 (Übersicht)
* gesponsorter Link