PUBG: So wurde der Erfinder vom Sozialhilfeempfänger zum Liebling der Industrie

(Special)

von Micky Auer (09. November 2017)

Playerunknown's Battlegrounds ist in aller Munde. Aber kaum jemand weiß, wer eigentlich dahintersteckt. Wir stellen euch den Mann vor, dem der größte Überraschungs-Hit der vergangenen Jahre gelungen ist.

Bildquelle: Jovenerd.comBildquelle: Jovenerd.com

Über 13 Millionen Verkäufe, Anführer vieler Ranglisten und zieht an Großproduktionen wie GTA 5 vorbei - und das alles erst seit März 2017! Die Rede ist hier natürlich von Playerunknown's Battlegrounds. Dessen Erfinder, der 41 Jahre alte Brendan Greene aus dem irischen Kildare, musste sich vor nicht allzu langer Zeit noch anhören, dass er seine Zeit gefälligst nicht mit Videospielen verschwenden, sondern sich einen richtigen Job suchen solle.

Es ist erst drei Jahre her, da musste sich Greene noch Standpauken von Sozialarbeitern anhören. Das soll kein Vorwurf sein, denn letzten Endes haben die Herrschaften durchaus vernünftige Anregungen gebracht. Unter anderem, dass Greene aufhören solle, kostenlos verfügbare Computerspiele zu entwickeln. "Sie sagten mir, ich solle mich nach Arbeit umsehen, ansonsten würde ich keine Sozialhilfe mehr erhalten. Ich hab sie dennoch ignoriert," sagt Brendan Greene im Interview mit dem englischsprachigen Magazin The Star.

Wie sich herausstellen sollte, war diese augenscheinlich unvernünftige Entscheidung in diesem Fall dann doch die richtige. Zwar ging Greene keiner geregelten Arbeit nach, jedoch nutzte er die Zeit für die Erschaffung eines Spiels, nach dem jetzt selbst Giganten wie Sony und Tencent lechzen. Voraussichtlich am 12. Dezember erscheint PUBG für Konsolen vorerst exklusiv für die Xbox One. Jeder will ein Stück vom PUBG-Kuchen abhaben und das Spiel auf Konsolen und Smartphones bringen.

Das schwarze Schaf der Familie

Brendan Greene hat - wie er selber zugibt - keine Ahnung von den großen Klassikern der Videospiel-Geschichte. Er hat keines der Zelda-Spiele gespielt, gerät ins Stottern, wenn er versucht den Namen Hideo Kojima auszusprechen und könnte bei einer Gegenüberstellung Shigeru Miyamoto nicht identifizieren. Greene ist Fotograf und Grafik-Designer, niemals hat er geplant als Spieleentwickler zu arbeiten. Schon gar nicht hätte er jemals erwartet, damit auch noch so überragenden Erfolg zu haben.

Bildquelle: Shiho Fukada/BloombergBildquelle: Shiho Fukada/Bloomberg

Wie er im Gespräch mit dem Magazin Rolling Stone erläutert, sieht er sich selbst als das schwarze Schaf der Familie. Eine Reputation, die man sich schnell einhandelt, wenn man sich mehr mit Kunst, Popkultur und einem abenteuerlustigen Lebensstil identifiziert als mit einer stabilen und geradlinigen Karriere. Im Lichte dieser Grundeinstellung ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Geschichte von PUBG nicht in einem schicken Entwicklerstudio, sondern in einem stillen Schlafzimmer irgendwo in Brasilien beginnt.

Dort befand sich der Ire nämlich, nachdem er im Zuge seiner chaotischen Karriere eine Brasilianerin heiratete und in ihre Heimat zog. Die Ehe hielt nicht, Greene war in Brasilien gestrandet. Mit kleinen Jobs hielt er sich über Wasser, konnte jedoch nicht genug Geld für ein Ticket in die Heimat zusammenkratzen. Da lag er nur in seiner spärlich eingereichteten Behausung und sinnierte über die risikofreien und sich ständig wiederholenden Design-Entscheidungen der großen Publisher. "Ich habe viel Call of Duty und Assassin's Creed gespielt, aber ich konnte sie einfach nicht genießen. Klar, es sind großartige Spiele, aber sie sind nicht meine Art von Spielen," sagt Greene gegenüber Rolling Stone.

Mit anderen Worten: Er war frustriert vom status quo der prestigeträchtigen Triple-A-Spiele. Und er musste sich zu oft aufmüpfigen Teenagern aus aller Welt in Online-Partien geschlagen geben. So reifte der Gedanke, den Fehdehandschuh selbst in den Ring zu werfen. Er hätte nicht gedacht, dass er die gesamte Branche damit stark und voraussichtlich nachhaltig beeinflussen würde.

Inspiration durch Filme

Kein Geld, die Beziehung in die Brüche gegangen, weit weg von der Heimat ... Greene wandte sich Videospielen zu, um sich abzulenken. Im Zuge dessen kam er zum ersten Mal in Kontakt mit der Modder-Szene. Obwohl Greene nur über rudimentäre Programmierungskenntnisse verfügte, gelang es ihm, Arma 2 in ein Survival-Spiel zu verwandeln. Die Inspiration davon holte er sich von der großen Leinwand.

Erst seit Februar 2017 in Deutschland nicht mehr indiziert: Der Film "Battle Royale" (Bildquelle: Capelight)Erst seit Februar 2017 in Deutschland nicht mehr indiziert: Der Film "Battle Royale" (Bildquelle: Capelight)

In der Mod geht es um einen recht einfach erklärten Aktionsrahmen: 100 Spieler werden auf einer verlassenen Insel ausgesetzt, müssen Waffen und Rüstungen finden und ... sich letzten Endes gegenseitig umbringen. Das Genre "Battle Royale" war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr gänzlich neu, jedoch holte sich Brendan Greene die Idee für seine Mod nicht von anderen Spielen, sondern aus Filmen wie Die Tribute von Panem und der namensgebenden japanischen Produktion Battle Royale.

Greenes Konzept zeigte nahezu sofort Erfolg. Sein selbst zusammengebautes Spielprinzip lockte jede Woche tausende Spieler an. Jedoch blieb trotz des umwerfenden Erfolgs der finanzielle Gewinn aus. Denn wie in der Modding-Szene üblich, hat Greene seine Mod nicht gegen Geld angeboten. Vor allem natürlich auch deswegen, weil er nicht in gesetzlichen Konflikt mit den Schöpfern von Arma 2 geraten wollte.

Nachdem es ihm nach einiger Zeit endlich gelang, genug Geld für die Rückreise nach Irland zusammenzukratzen, waren zu Stoßzeiten 70.000 Spieler in Greenes Spielwelt. Das erregte die Aufmerksamkeit von Sony, die das Konzept 2014 für ihr eigenes Spiel H1Z1 lizensierten.

"Ich war überglücklich, weil ich zur Sozialhilfe gehen und sagen konnte: 'Hey, ich werde euch nicht mehr auf der Tasche liegen'," berichtet Greene.

Weiter mit: Hilfe aus Südkorea, Zeitpunkt der Entscheidung

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Tags: Online-Zwang   Multiplayer   Steam  

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