Test Sonic Forces: Mit Vollgas ins Aus

von Emily Schuhmann (10. November 2017)

Die Möglichkeit einen eigenen Charakter zu erstellen, eine Mischung aus modernen und klassischen Mechaniken und gleich mehrere bekannte Gesichter als Antagonisten - was kann da schon schiefgehen? Sonic Forces beweist: Leider so einiges!

Sega überraschte Fans des blauen Igels im Juli 2016 mit gleich zwei Spielankündigungen. Sonic Mania, das sich mehr an die Fans der klassischen Spielweise richtet und "Project Sonic 2017", ein 3D-Spiel von den Machern des hochgelobten Sonic Generations. Hinter diesem Arbeitstitel versteckte sich Sonic Forces, das seit dem 7. November 2017 für PlayStation 4, Xbox One, PC und Nintendo Switch verfügbar ist. Zusätzlich gibt es bereits einen kostenlosen DLC namens "Episode Shadow".

Im Vorfeld sorgte das Spiel für eine Menge Vorfreude bei den Fans, da der Überschalligel seit dem 2011 erschienenen Sonic Generations hauptsächlich Auftritte in der eher unbeliebten "Sonic Boom"-Serie hatte. Viele waren auch sehr gespannt auf die versprochene, epische (das überstrapazierteste Attribut in der gesamten Videospielbranche) Geschichte, da in den Trailern zahlreiche Antagonisten der vergangenen Jahre, darunter Chaos, Shadow und Zavok, gezeigt wurden. Erstmals könnt ihr auch einen eigenen Charakter erstellen und Seite an Seite mit dem blauen Flitzer kämpfen.

Es gibt immer ein erstes Mal

Dr. Eggman startet mal wieder einen Versuch, die Weltherrschaft an sich zu reißen, und dieses Mal geschieht gleich zu Beginn der Geschichte etwas Ungewöhnliches: Sonic verliert einen Kampf. Sein Gegner ist der mysteriöse Infinite, ein Verbündeter von Eggman und vom Wesen her ziemlich arrogant. Nach der Niederlage des blauen Igels übernimmt der Bösewicht die absolute Kontrolle und Sonics Freunde werden zu Rebellen. Das Death Egg im Weltall macht den "Star Wars"-Vergleich perfekt. In knapp 30 viel zu kurz geratenen Haupt- und mehreren Nebenmissionen erobert ihr den Planeten zurück.

Ihr könnt nicht nur die Optik eures Avatars anpassen, sondern bestimmt durch Wispons und Rasse auch seine Fähigkeiten.Ihr könnt nicht nur die Optik eures Avatars anpassen, sondern bestimmt durch Wispons und Rasse auch seine Fähigkeiten.

Die Farbe der Missionsmarker auf der Weltkarte gibt an, mit welchem Charakter ihr im jeweiligen Level antretet. Manche Missionen fordern sogar die kombinierten Fähigkeiten eures selbsterstellten Avatars und des modernen, oft unangenehm vorlauten Sonic. Wiederspielanreiz gibt vor allem die Wertung am Ende. Ein Abschluss belohnt mit Anpassungsgegenständen, der S-Rang füllt die Garderobe noch weiter.

Euer Avatar schließt sich dem Widerstand als neuer Rekrut an. Der stumme Charakter kann verschiedenen Tierrassen angehören, die alle eine besondere Fähigkeit mitbringen. Vögel besitzen beispielsweise einen Doppelsprung, während Wölfe Ringe anziehen. Auch optisch bietet das Spiel euch einige Optionen, die von Körper- und Augenfarben bis hin zum Shadow-Kostüm reichen.

Ihr könnt zusätzlich ein sogenanntes Wispons ausrüsten, das ihr mit den in Sonic Colours eingeführten Wisps aufladet. Diese sind in den Levels verteilt, aber ihr könnt immer nur die Wisps einsammeln, die zu eurer Waffe passen. Jedes Wispon verfügt über einen Angriff und eine Bewegungsfähigkeit. Feuer stattet euch beispielsweise mit einem Flammenwerfer aus und ihr könnt euch gen Himmel katapultieren.

Schnell, zu schnell, Sonic

Wie seit Colours üblich ist Sonics Hauptfähigkeit ein enormer Geschwindigkeitsschub, dessen Leiste sich dieses Mal durch weiße Wisps wieder auffüllt. Die 3D-Levels sind im Grunde genommen Achterbahnfahrten, bei denen ihr nur gelegentlich eine Richtung wechseln müsst. Achtung: Der Geschwindigkeitsrausch ist nichts für empfindliche Mägen.

In Sonic Generations waren Fans begeistert von der Möglichkeit sowohl den modernen als auch den klassischen Igel spielen zu können. In Sonic Forces wirkt die kleinere, stumme Variante des Sega-Maskottchens allerdings deplatziert und seinen Missionen in der Seitenansicht fehlt der Schwung. Wer sich klassisches Gameplay wünscht, ist bei Sonic Mania wesentlich besser aufgehoben.

So spielt sich das neuste Abenteuer des blauen Igels:

Die Levels des Avatars ähneln denen des modernen Sonic, fühlen sich aber größer an und die Wispons sorgen für zusätzliche Abwechslung. Manche Bereiche könnt ihr zum Beispiel erst mit der richtigen Ausrüstung erreichen. Noch mehr als bei den Sonics fällt bei diesem Charakter die unangenehm unpräzise Steuerung am meisten ins Gewicht. Sprünge enden viel zu häufig in etwaigen Abgründen.

Immerhin sind es schöne Abgründe, denn grafisch ist das Spiel wirklich schick und mit Abstand das schönste 3D-Sonic. Auch musikalisch überzeugt Sonic Forces mit Songs, die wirklich Lust auf rasante Action machen. Lediglich während einiger Bosskämpfe hat der Soundtrack schwächere Momente. Wenn doch nur der Rest des Spiels ebenso wenige Durchhänger hätte.

Meinung von Emily Schuhmann

Mir hat dieses Spiel zu großen Teilen tatsächlich Spaß gemacht. Als Kind habe ich mit meinen Geschwistern Sonic Adventure 2 Battle für Gamecube rauf und runter gespielt und jedes dreidimensionale Spiel der Serie weckt Erinnerungen an diese schönen, chaotischen Stunden. Hätte Forces einen Chaosgarten, würde ich es vermutlich noch eine halbe Ewigkeit zocken, so liegt es bereits jetzt auf dem "Durchgespielt"-Stapel.

Die Spielzeit ist mit Abstand mein größter Kritikpunkt an Sonic Forces. Jede Mission hat bei mir maximal drei Minuten gedauert und bei knapp 30 davon kann sich jeder ausrechnen, dass das Spiel sehr kurz geraten ist. Zusätzlich fühlt es sich in den Levels des modernen Sonic an, als könnte ich den Boost aktivieren und dann kurz wegnicken bis alles vorbei ist.

Mein Highlight ist tatsächlich die "Episode Shadow", in der ich das erste Mal seit Sonic the Hedgehog (2006) meinen Lieblingsigel spielen kann. Zwar enthält dieses Kapitel nur drei Levels, aber sie geben einen Einblick in die Hintergrundgeschichte von Infinite. Ein weiterer Bonus: Auch im eigentlichen Spiel kann ich in zehn Missionen des modernen Sonic in die Hover-Skates von Shadow schlüpfen.

65

meint: Schön anzusehen und der eigene Charakter ist eine tolle Sache, aber insgesamt zu kurz und überraschenderweise auch zu schnell.

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Tags: Singleplayer  

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