Wieso ich durch Let's Plays den Kontakt zu Videospielen behalten habe

(Kolumne)

von Matthias Kreienbrink (16. November 2017)

Vergangene Woche erklärte Kollegin Chiara Bruno euch, wieso sie Let's Plays nichts abgewinnen kann. Heute möchte ich euch eine gegenteilige Geschichte erzählen - wieso nämlich Let's Plays mir in meinem Leben schon geholfen haben.

Es gab eine Zeit in meinem Leben, da hatte ich keine Zeit zum Zocken. Und, wenn ich ganz ehrlich bin, auch kein großes Interesse daran. Das war während meines Studiums. Ich war so gefangen in diesem Kosmos, so sehr davon eingenommen zu lesen, zu diskutieren, zu schreiben, dass das aktive Spielen einfach keinen Raum mehr in meinem Leben hatte. Das war auch gar nicht problematisch. Es ist nicht so, als würde ich diese Zeit heute bereuen. Denn trotz der Abstinenz habe ich den Kontakt zur Spielewelt nie verloren.

Als die Wii erschien, war ich noch ganz vorne mit dabei - wortwörtlich. Zur Veröffentlichung stand ich ganz vorne in der Reihe der Menschen, die vorm Kaufhof warteten, um die Konsole zu ergattern. Doch ließ dieser Enthusiasmus nach einigen Monaten merklich nach. Nicht, weil ich die Konsole sonderlich schlecht fand oder nicht die richtigen Spiele erschienen. Eher weil mein Interesse am Spielen einfach nachließ, andere Dinge in meinem Leben wichtiger wurden.

So kam es, dass ich fast die gesamte Ära der Wii, PlayStation 3 und Xbox 360 als aktiver Spieler verpasste. Aber eben nur als aktiver Spieler. Denn während meines Studiums, das ich 2010 begann, bemerkte ich eine andere Faszination: Ich lernte, dass es mir gefällt, anderen Leuten beim Spielen zuzusehen. Ich begann, Let's Plays zu schauen.

Ich spielte aktuelle Spiele durch die Hände anderer Spieler an. Ich verlor nicht den Kontakt zu dem, was aktuell in der Videospielwelt passierte. Was ich jedoch verlor, war dieser Druck. Der Druck, der entsteht, wenn man sich vom sowieso schon sehr knappen Einkommen ein Spiel kauft und dann gar nicht dazu kommt, es zu spielen - weil eben die Zeit und auch der Spieldrang nicht ausreichend da waren. Durch Let's Plays sparte ich Geld für Konsolen und Spiele.

Eines der Spiele, das ich damals gerne im Let's Play geschaut habe:

Stattdessen konnte ich diese Videos anmachen, wann ich wollte. Ich konnte diese Spiele anders erleben als zuvor - vollkommen passiv. Heute spiele ich freilich wieder selbst; nicht nur, weil das jetzt zu meiner Arbeit gehört, sondern auch, weil das Verlangen wieder sehr ausgeprägt da ist. Daher schaue ich heute Let's Plays bedeutend seltener - weiß sie aber doch als Möglichkeit zu schätzen, Spiele zu erleben, die man selbst nicht spielen kann. Eines mache ich jedoch auch heute noch gerne: Bei einigen Spielen finde ich es sehr interessant zu vergleichen, wie andere Menschen bestimmte Stellen erlebt haben, wie sie mit Herausforderungen oder emotionalen Momenten umgehen. Denn jeder Mensch spielt anders.

Aus welchen Gründen schaut ihr denn Let's Plays? Oder gehört ihr wie Kollegin Chiara eher zu denen, die dem gar nichts abgewinnen können? Schreibt es uns doch in die Kommentare.

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